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Kirche

21.02.2018

Hallo Papst, hörst du uns?

Nie hat der Vatikan vor einer Synode so intensiv die Jugend befragt. 240000 antworteten. Die jungen Katholiken erhoffen sich nun von den Bischöfen, dass sie ihre Beiträge ernst nehmen

„Ein klares Ja zu jedem Menschen in der Kirche“, also auch zu Homosexuellen und zu Frauen, die ein Weiheamt anstreben, – das ist es, was sich Thomas Andonie aus Regensburg, der Bundesvorsitzende der katholischen Jugendverbände, von der Bischofssynode im Oktober in Rom wünscht. Dort wollen Bischöfe aus aller Welt über Jugend und Glauben beraten. Vorab hat der Vatikan Jugendliche so intensiv wie noch nie nach ihren Themen befragt. 240000 Menschen, die Hälfte zwischen 16 und 19 Jahre alt, hätten sich an einer Online-Umfrage beteiligt, berichtete Jugendbischof Stefan Oster (Passau) gestern bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt.

Diese wird neben drei Bischöfen auch zwei junge Menschen, nämlich Andonie und Magdalena Hartmann aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zur Synode nach Rom entsenden. Ginge es nach Andonie, würden sogar gleich viele junge Menschen wie Bischöfe teilnehmen dürfen. „Als Experten ihrer eigenen Lebenswelt wissen sie selbst am besten, was sie bewegt und was sie brauchen.“ Und sie möchten nachvollziehen, was ihr Beitrag bei der Umfrage konkret in der Kirche bewirkt.

Einen Klimawandel unter Papst Franziskus bemerkt auch der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübke, der zur deutschen Delegation gehört: „Was, der Papst hört uns zu?“, hätten ihn Jugendliche ungläubig gefragt. Er antwortete darauf: „Ja, das könnt ihr ernst nehmen.“ Eingeladen sind nicht nur Katholiken, Jugendbischof Oster zufolge kann sich jeder am Gespräch beteiligen. „Viele junge Menschen haben Sehnsucht nach einem Ort, wo sie ihre Herzensanliegen, ihre Träume und Sorgen äußern können“, betonte Magdalena Hartmann. Lebendiger und lebensnäher wünscht sie sich die Kirche und als einen Ort geistlicher Begleitung auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

„Wenn ein junger Mensch heute in den Glauben findet, passiert das nicht mehr automatisch, so wie man früher in die Volkskirche hineingewachsen ist“, erklärte Bischof Oster. Er erwarte sich von der Synode bewährte Praxisbeispiele, wie die katholische Kirche Jugendlichen glaubwürdig begegnen kann. In die Jugendseelsorge möchte er stärker die Fragen nach der christlichen Berufung integrieren. Das müsse gar nicht der Priesterberuf sein. Thomas Andonie hofft ebenso auf politische Signale: „Unter Krieg, Verfolgung und Angst leidet die junge Generation ganz besonders.“

Ein Fest vor allem für die jungen deutschen Katholiken wird die internationale Ministrantenwallfahrt vom 30. Juli bis 3. August nach Rom. „Ich erlebe Jugendliche mit 15, 16 Jahren, die eigentlich als Ministranten aufhören wollen, aber wegen dieser Romfahrt bleiben sie noch dabei“, sagte Jugendbischof Oster in Ingolstadt.

Sie soll heuer ein unvergessliches Erlebnis werden. Verschieden farbige Wimpel, unterschiedlich zusammengestellte Armbänder und Anstecker sollen die Jugendlichen zum Tauschen und zur Begegnung animieren. Erstmals werde es auch „Blind Dates“ von Pilgergruppen, die sich vorher nicht kannten, geben, kündigte Alexander Bothe, der Leiter der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, an. In der internationalen Gemeinschaft würden die jungen Menschen „ein Zeichen für die gemeinsame Zukunft setzen“. Das passe sehr genau in die politischen und gesellschaftlichen Zeiten.

Aus rund 20 Nationen werden im Sommer bis zu 85000 Teilnehmer in Rom erwartet. Sogar junge Pilger aus den Karibikstaaten Antigua und Barbuda haben sich angemeldet. Allein aus Deutschland werden laut Bothe über 50000 Ministranten mitfahren.

Als besonders prickelnd empfinden Jonas Ferstl, 17, und Johanna Funk, 14, beide Ministranten im Bistum Eichstätt, die Audienz bei Papst Franziskus. „Toll, dass er sich Zeit nimmt für uns“, sagte Jonas, für den es die dritte Wallfahrt nach Rom sein wird, bei einer Pressekonferenz in Ingolstadt. „Es ist jedes Mal ein einzigartiges Ereignis: So viele Jugendliche verfolgen das gleiche Ziel.“ Johanna möchte derweil das Motto der Wallfahrt „Suche Frieden und jage ihm nach“ auch ganz praktisch zu Hause umsetzen: „Jeder kann etwas für den Frieden tun.“ "Kommentar

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