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Rettenbach am Auerberg

19.11.2019

Hausexplosion in Rettenbach: Ermittlungen laufen noch

Vom Wohnhaus der Familie in Rettenbach ist nach der verheerenden Explosion nur ein Trümmerhaufen geblieben.
Bild: Martina Diemand (Archiv)

Vor sechs Monaten explodierte ein Wohnhaus in Rettenbach im Ostallgäu. Zwei Menschen starben. Im Ort versucht man, zur Normalität zurückzukehren.

Sechs Monate ist es her, dass in Rettenbach am Auerberg ein Wohnhaus explodierte. Und die Wunden sind längst nicht verheilt. Eine Familie versucht, sich ins Leben zurückzukämpfen, ein Ort versucht, zur Normalität zurückzufinden. Auch die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen nach wie vor. Ein halbes Jahr nach dem Unglück von Rettenbach wird klar, dass die Spuren noch allgegenwärtig sind.

„Die Ermittlungen dauern noch an“, sagt Susanne Fritzsche, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Kempten. Ermittelt werde gegen Unbekannt. Der Tatvorwurf lautet fahrlässige Tötung. In einigen Wochen sei nach Angabe der Staatsanwaltschaft mit neuen Informationen zu rechnen.

Hausexplosion in Rettenbach: Vater und Tochter kommen ums Leben

Bei dem Unglück vor einem halben Jahr kamen ein 42-jähriger Familienvater und seine siebenjährige Tochter ums Leben. Die Mutter der Familie, Sandra Humm, wurde mit lebensgefährlichen Brandverletzungen aus dem zusammengestürzten Keller des Hauses geborgen. Die beiden Söhne der Familie waren zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Haus und blieben unversehrt.

Hausexplosion in Rettenbach: Ermittlungen laufen noch

Bereits wenige Stunden nach der Explosion stand die Ursache fest: Ein Leck in der Flüssiggasleitung hatte das Unglück ausgelöst. Obwohl das Haus selbst an keine Gasleitung angeschlossen war, führte ein Anschlussstrang zu dem Gebäude hin. Die Untersuchungen ergaben, dass dieser wahrscheinlich bei Bauarbeiten vor rund zweieinhalb Jahren beschädigt worden war. Das Gas sickerte nach damaligem Erkenntnisstand durch das Erdreich in das Wohnhaus. „Wenn Gas eine gewisse Sättigung erreicht, genügt ein elektrischer Zündfunke für eine Explosion“, sagte damals Michael Haber, Leiter der Kemptener Kriminalpolizei. Nun muss geklärt werden, ob jemand dafür verantwortlich gemacht werden kann.

Doktor Philipp Zimmermann, Leitender Notarzt und Christian Eckel, Pressesprecher der Polizei Kempten verkünden, dass bei der Explosion zwei Menschen ums Leben gekommen sind.
Bild: Stefanie Gronostay (Archiv)

Mutter kämpft sich zurück ins Leben

Sandra Humm überlebte die Explosion nur knapp. Monatelang wurde die 40-Jährige in einer Spezialklinik behandelt. Erst Ende August hatte sich ihr Zustand so weit gebessert, dass die Verlegung in eine Rehaklinik möglich war. Vor kurzem, endlich, gab es positive Signale. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, sagte Sandra Humm Anfang Oktober im Interview mit unserer Redaktion. „Die Wunden sind soweit verheilt und ich bin in einer guten körperlichen Verfassung.“ Nur der rechte Arm und die rechte Hand seien noch eingeschränkt beweglich. Ob sie für sich und ihre Kinder eine Zukunft in Rettenbach sieht, ließ Sandra Humm im Oktober offen. „Erst einmal werde ich zu meinen Eltern nach Oberbayern ziehen, den Rest wird die Zeit bringen“, sagte sie damals.

Die ganze Nacht hindurch suchten die Rettungskräfte unter den Trümmern nach Überlebenden.
Bild: Martina Diemand (Archiv)

Bürgermeister Reiner Friedl möchte Normalität in Rettenbach

Auch in Rettenbach ging die Zeit unerbitterlich weiter. Der Ort war nach dem Unglück nicht mehr derselbe wie davor. Bürgermeister Reiner Friedl hat sich vor allem eines eingeprägt: „Wie die Dorfgemeinschaft nach der Explosion geholfen hat, war vorbildlich. Das ist eine Stärke von Rettenbach. Zusammenhalten, wenn es drauf ankommt“, sagte er vor drei Monaten im Interview. Die große mediale Aufmerksamkeit löste bei Friedl schon damals zwiespältige Gefühle aus. „Natürlich gibt es auf der einen Seite ein Recht auf Information. Andererseits mussten wir unglaubliche Vorgänge erleben: Da gab es Reporter, die mit Teleobjektiven schlimme Situationen fotografiert haben. Das halte ich für pietätlos“, sagte er. Um einen Katastrophentourismus zu verhindern, wurde das vollkommen zerstörte Haus relativ schnell abgetragen. „Wir wollen Normalität herstellen“, lautet die Botschaft der Stadt. Diese wird auch heute, sechs Monate später noch gelebt. „Herr Friedl wird sich zu diesem Thema nicht mehr äußern“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Es ist eine Art, wie Rettenbach versucht, das Unglück zu verarbeiten.

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