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Allgäuer Alpen

20.08.2015

Hobbygeologen entdecken Dinosaurier-Zähne im Allgäu

Giuseppe Gulisano und Tobias Klöck suchten in den Allgäuer Alpen nach steinigen Überresten der Dinosaurier – und wurden fündig.
Bild: Tobias Klöck

Die Schneidezähne, die zwei Hobbygeologen in den Allgäuer Aplen gefunden haben, sind dolchartig. Der Fund der Dinosaurier-Zähne hat eine große Bedeutung.

Hobbygeologe Tobias Klöck aus Kaufbeuren und Giuseppe Gulisano aus Immenstadt haben bemerkenswerte Entdeckungen in den Allgäuer Alpen gemacht: Dinosaurierzähne. Zu den großen Fundstellen von Urzeitreptilien gehören die Allgäuer Alpen mit Sicherheit nicht, sind sich die Hobbyforscher einig. „Es gibt aber eine unglaublich große geologische Vielfalt, denn das Allgäu mit seinen Bergen gehört mit zu den kompliziertesten geologischen Regionen Deutschlands. Viele Millionen Jahre Erdgeschichte lassen sich hier auf engstem Raum studieren“, sagt Klöck.

Heute Allgäuer Alpen, früher tropisches Meer

Lange bevor die Alpen ihr heutiges Aussehen bekamen, bedeckte ein tropisch warmes Meer die Region. Nur in einem kleinen Zeitfenster – während der Trias vor 210 Millionen Jahren – habe man den Nachweis, dass vereinzelt Inseln aus dem Wasser ragten und sich Saurier darauf tummelten. Der Beweis sind einzelne, dolchartige Schneidezähne eines fleischfressenden Landreptils, die am Allgäuer Hauptalpenkamm gefunden wurden.

Geologieprofessor Herbert Scholz von der Technischen Universität München ist sichtlich begeistert: „Das sind für das Allgäu einmalige Stücke, welche auch im wissenschaftlichen Kontext große Bedeutung haben.“ Ähnliche Fossilien entdeckte man zum Beispiel am UNESCO-Weltnaturerbe Monte San Giorgio im schweizerischen Tessin (der Name des Sauriers wurde danach benannt: Ticinosuchus). „Die Tiere haben wohl ausgesehen wie stelzenbeinige Krokodile mit einer Länge von etwa drei Metern“, so Scholz.

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Fangzähne eines Nothosauriers

Auch in der Umgebung des Iselers bei Oberjoch und des Breitenbergs bei Pfronten entdeckten die Hobbyforscher Reste von Urzeitechsen. Hier enthielt das Gestein Fangzähne eines Nothosauriers, ein Meeresreptil „auf dessen Speisekarte vor allem kleine Fische standen“, sagt Klöck. Gulisano ergänzt: „Auch flache, wie schwarze Knöpfe aussehende Zähne eines wasserbewohnenden Pflasterzahnsauriers findet man hin und wieder.“ Jahrelang haben sich beide mit dem Bau der Allgäuer Landschaft beschäftigt. Auf gemeinsamen Touren suchen sie nach Orten, an denen die Wahrscheinlichkeit groß ist, etwas zu finden.

Als geologischer Glücksfall entpuppte sich dabei der gewaltige Felssturz bei Hinterstein, der Anfang September 1964 abging. Hier konnten damals aus dem gewaltigen Schuttfächer viele Knochenreste vor der Zerstörung durch Regen, Schnee und Eis gerettet werden. „Der Höhepunkt war der Fund eines nahezu vollständigen Schädels eines Pflasterzahnsauriers“, erinnert sich Gulisano. Dieser wurde nach seiner Entdeckung über viele Monate hinweg aufwändig von Experten präpariert und anschließend wissenschaftlich beschrieben. Nach Abschluss der Arbeiten fand der Schädel seine letzte Ruhestätte im paläontologischen Museum in München und kann dort heute noch besichtigt werden.

Ein großer Wermutstropfen bleibt bei den Geologen jedoch. So wichtig ihre Funde für Wissenschaft und Forschung auch sind, der Öffentlichkeit können sie in absehbarer Zeit wohl nicht präsentiert werden. Der Grund dafür: das Museum im Zumsteinhaus in Kempten, in dessen Sammlung sich viele steinerne Raritäten des Allgäus befinden, wurde jüngst geschlossen. „Die Stadt hat andere Pläne mit dem Haus“, bedauert Scholz. „Leider ist man sich über die Bedeutung der Sammlung nicht bewusst.“ So werden die Fossilien und Gesteine wohl auf unbestimmte Zeit in einem Depot verschwinden und darauf warten bis sie vielleicht eines Tages von Experten wie Klöck oder Gulisano wiederentdeckt werden. az

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