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CSU

24.02.2018

Horst Seehofer ist noch da und doch schon weg

CSU-Chef Horst Seehofer über das Heimatministerium: "Das ist heute der Renner schlechthin."
Bild: Ulrich Wagner

Der scheidende Ministerpräsident Horst Seehofer lässt sich keine Wehmut anmerken. Man müsse sich zum Abschied den Tatsachen stellen, sagt er.

Sein SMS-Speicher ist voll, aber seine Kontakte zu seinen Parteifreunden in München sind auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt – und das liegt offenkundig nicht nur daran, dass eine Grippe ihn für mehr als eine Woche ins Bett gezwungen hatte. Horst Seehofer macht Ernst mit seiner Zusage an seinen Ministerpräsidenten-Nachfolger Markus Söder, ihm die Zukunft der Landespolitik zu überlassen. Über die anstehenden Personalentscheidungen in Berlin mag er auch nix Konkretes sagen – nicht intern und schon gar nicht öffentlich. Und mit den Gefühlen zum Abschied ist es auch so eine Sache. Wehmut? Ärger?

Seehofer ist noch da und doch schon weg. Aber er lässt sich nichts anmerken. Er hat Siege erlebt und Niederlagen. 2013 hat er mit der CSU die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag zurückgeholt, 2017 hat er bei der Bundestagswahl ein Debakel erleben müssen. Jetzt gibt er sein Regierungsamt in Bayern auf und nimmt auch die Ungeduld der CSU-Landtagsabgeordneten, die lieber heute als morgen Söder zum Ministerpräsidenten wählen wollen, betont gelassen hin. „Das ist halt so in der Politik: Sie können eine Partei retten, aber ewig danken wird sie es ihnen nicht. Ich weiß das, deshalb ist das für mich auch kein schwieriger Punkt“, sagt Seehofer und fügt hinzu: „Diesen Tatsachen müssen Sie sich stellen, sonst dürfen Sie solche Ämter nicht ausüben.“

"Auf eine Woche früher oder später kommt es da nicht an"

Trotzdem erlebt er noch angenehme Termine im Freistaat – zum Beispiel in Schwaben. Gerade eben ist Seehofer vom Landkreis Augsburg geehrt worden, weil er geschafft hat, was auch seine großen Vorgänger Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber nicht hinbekommen hatten: ein Universitätsklinikum für Augsburg. Beim unmittelbar anschließenden Besuch in der Redaktion unserer Zeitung zeigt er sich zufrieden. „Das war heute ein Beispiel dafür, dass wir in meiner Regierungszeit unsere Versprechungen erfüllt haben.“ Ein Versprechen hat er am Freitag gleich noch hinterhergeschoben. Wenn bei der Sanierung des Klinikums Mehrkosten entstehen sollten, „dann ist klar, dass sie der Freistaat übernimmt“.

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Kleine Freuden zum Abschied gibt es obendrein. In dem jahrelangen Streit um eine dritte Start-und-Lande-Bahn am Flughafen München war Seehofer in der Vergangenheit oft gescholten worden. In der CSU-Fraktion im Landtag wurden sogar Unterschriften gesammelt, um ihn zum Bau der Bahn zu drängen. Seehofers Marschroute, die Entwicklung der Flugbewegungen abzuwarten, aber möglichst noch vor der Wahl Stellung zu beziehen, war ihm als Zaudern ausgelegt worden. Jetzt sagt er: „Es erfüllt mich mit Genugtuung, dass die Fraktion mittlerweile denselben Standpunkt vertritt wie ich.“ Und er dreht den Spieß um: „Ich hätte gerne den Leuten vor der Wahl klipp und klar gesagt: Yes or No.“

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Der Mann, der nicht aufhören kann: Horst Seehofer
Bild: Andreas Gebert/dpa

Von seiner Linie, die Amtsübergabe in München erst zu vollziehen, wenn fest steht, wie es in Berlin weitergeht, lässt er sich nicht abbringen. „Da kann es keine unterschiedlichen Theorien geben. Da ist alles besprochen und so wird es auch gemacht – im ersten Quartal 2018. Auf eine Woche früher oder später kommt es da nicht an.“ Seehofer will das Ergebnis des SPD-Mitgliederentscheids zur Großen Koalition am 4. März abwarten. Dann werde am 5. März der CSU-Parteivorstand zusammenkommen. Da werde alles Weitere geregelt.

Seehofer nennt Heimatministerium "Renner schlechthin"

Gesprächiger und auch deutlich ungeduldiger zeigt Seehofer sich beim Thema Berlin und seiner wahrscheinlichen Zukunft als Innen-, Bau- und Heimatminister in der neuen Bundesregierung. Er vermittelt den Eindruck, endlich anfangen zu wollen. „Wir wollen das Land erneuern“, sagt er. Leider werde darüber bisher zu wenig gesprochen. „Wir wollen den Hauptgrund für das desaströse Wahlergebnis für CDU, CSU und SPD überwinden, nämlich die Polarisierung unserer Gesellschaft.“

Ein Heimatministerium wie in Bayern ist dabei für ihn ein entscheidender Hebel, um die Bürger zurückzugewinnen: „Das ist heute der Renner schlechthin.“ Seehofer sagt: „Im Kern geht es darum, dass die Menschen einen Sinn darin sehen, in ihrer Heimat zu bleiben.“

Lesen Sie zum Thema auch: Zwei von drei Bayern wollen, dass Horst Seehofer in Rente geht

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