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Allgäu

09.08.2020

"Hotel Mohren" und "Mohrenwirt": Warum sie ihre Namen nicht ändern

Der Mohrenwirt in Kranzegg. Das Gasthaus trägt seit 1907 seinen Namen. Das soll auch so bleiben, sagt "Mohrenwirt" Anton Rothärmel.
Bild: Daniel Kopatsch

Plus Das Hotel "Drei Mohren" in Augsburg benennt sich um. Auch das "Hotel Mohren" in Oberstdorf und der "Mohrenwirt" in Kranzegg werden wegen ihrer Namen kritisiert.

Das Augsburger Nobel-Hotel "Drei Mohren" zieht Konsequenzen: Die Geschäftsführung will sich nicht weiter in die rassistische Ecke drängen lassen und benennt das Haus Ende des Jahres um in "Maximilian’s Hotel". Wie aber steht es um das Vier-Sterne-Hotel Mohren in Oberstdorf oder auch um den Mohrenwirt in Kranzegg? Auch da gab es bereits "vereinzelt kritische Stimmen", die ein Umbenennen forderten, bestätigen die Verantwortlichen. "Wir beabsichtigen aber nicht, den Namen zu ändern", sagen sowohl die Mohren-Geschäftsführer Jürnjakob Reisigl und André Brandt als auch "Mohrenwirt" Anton Rothärmel.

"Früher hatten wir eine Mohrfigur in der Hotelhalle"

Ein Kritiker des Namens "Hotel Mohren" ist der Oberstdorfer Haro Schneider. Er erinnert an einen über zwei Meter großen "Kolonialholzmohr mit schwulstig roten Lippen und großen Ohrringen als Reklame". Der sei bis vor Kurzem vor dem Hotel Mohren gestanden, jetzt allerdings, nach der Pandemie bedingten Schließung, verschwunden. "Hoffentlich aus Einsicht und nicht wegen Platzmangels", schreibt Schneider.

André Brandt bestätigt, dass solch eine Figur das Speisenangebot im Freien präsentierte. "Früher hatten wir auch eine Mohrfigur in der Hotelhalle." Beide Figuren seien im Keller eingemottet worden. Wegen kritischer Äußerungen, bestätigt Brandt.

"Hotel Mohren" und "Mohrenwirt": Warum sie ihre Namen nicht ändern

"Leute, die uns gar nicht kennen, zeigen mit dem Finger auf uns"

Es gebe Passanten, die sich im Hotel über den Namen beschwerten. "Leute, die uns gar nicht kennen, zeigen mit dem Finger auf uns." Brandt fühlt sich dann ungerecht als Rassist abgestempelt. Das Hotel ziehe Gäste aus aller Herren Länder an, sei weltoffen, geprägt von Toleranz. "Wir stellen uns entschieden gegen Diskriminierung und rassistische Ausgrenzungen", heißt es in einer Stellungnahme der Geschäftsführer.

Im Unternehmen arbeiteten Mitarbeiter aus 21 Nationen, mit allen Hautfarben, in den verschiedensten Positionen. "Anti-Rassismus ist für uns etwas anderes, als sich an einem Namen aufzuhängen. Es gibt weitaus wichtigere Dinge, die zu verändern sind. Wir sind gerne bereit, Aktivitäten zu unterstützen."

Das "Hotel Mohren" in Oberstdorf.
Bild: Dominik Berchtold

Oberstdorf sei ein "internationaler Touristenort"

Haro Schröder sieht das anders. Er wünscht, dass sich der Oberstdorfer Gemeinderat noch vor der Nordischen Ski-WM um eine Namensänderung des Hotels Mohren bemüht, denn Oberstdorf sei ein "internationaler Touristenort".

Der Ausdruck "Mohr" sei historisch, nicht rassistisch, sagt auch "Mohrenwirt" Anton Rothärmel aus Kranzegg. Der Großvater habe das Haus schließlich nach einem besonders guten Gasthof damals in Ottobeuren benannt und sich wahrscheinlich deshalb "Mohrenwirt" genannt. Das war vor mehr als 100 Jahren. Eine einzige E-Mail sei bislang auf der Mohrenwirt-Homepage eingegangen mit der Aufforderung den Namen aus Rassismusgründen zu ändern.

Christian Mohr: "Ich bin stolz auf meinen Nachnamen"

Und da gibt es noch das Landhaus Mohr, der Familie Mohr in Zaumberg, also benannt nach dem Familiennamen. "Wir sind noch nie aufgefordert worden, unseren Namen zu ändern," sagt Hausherr Christian Mohr. "Ich bin stolz auf meinen Nachnamen." Als Kind, so sagt Christian Mohr, sei er oft Mohrrübe oder Mohrenkopf genannt worden. "Das hat aber keine bleibenden Schäden bei mir hinterlassen. "Ich bin ein lustiger Mensch und kann darüber lachen."

Das Hotel "Drei Mohren" in Augsburg benennt sich um. Was sagen die Augsburger dazu?
Video: rt1.tv

Historisches zum "Hotel Mohren" und zum "Mohrenwirt"

Hotel Mohren:  Das stattliche Gebäude liegt direkt am Oberstdorfer Marktplatz gegenüber der Kirche. Es ist das älteste Hotel in Oberstdorf und trägt seit 150 Jahren seinen Namen. Es wurde um das Jahr 1867 (nach dem großer Brand in Oberstdorf) von "Taverne beyr Kirchen" in "Gasthof zum Mohren" umbenannt. Als die Familien Brandt und Reisigl im Jahr 1993 das "Hotel Mohren" übernahmen, behielten sie "den mit Oberstdorf fest verbundenen Namen selbstverständlich bei", wie sie betonen.

Es handele sich um einen "abstrakten Begriff", weder im Logo des Hauses, noch an der Fassade oder in den Innenräumen werde Bezug auf einen dunkelhäutigen Menschen genommen.

Woher die Namen kommen

Mohrenwirt:  Der Großvater von Anton Rothärmel stammte aus Ottobeuren. Er kaufte die Wirtschaft in Kranzegg als Stammtisch und Stube 1907. Damals hieß sie "Post", weil dort die Postumladestation war. Er gab dem Gasthof dann den Namen "Mohrenwirt", vermutlich, weil er vom "Gasthof Mohren" in Ottobeuren, wo er oft einkehrte, so begeistert war. Auch Anton Rothärmel will beim Namen "Mohrenwirt" bleiben. "Ich erkenne darin nichts Abwertendes." (srr)

Lesen Sie auch unsere Kommentare zu Umbenennung in Augsburg:

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09.08.2020

eigentlich müsste man sich schon Fragen wie Rassistisch die Leute sind die eine Diskussion auf Rassismus anfangen wo gar keiner ist !!nur ein beispiel ich wurde in meiner Kindheit in den fünfziger Jahren oft als Nazi beschimpft in München ! nur weil mein Vater beamter wahr und das die kinder von saufenden Bauarbeitern gestört hat , aber ich bin erst 1950 geboren , also lange nach dem Krieg !!

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