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Interview

21.11.2017

Hubert und Staller gehen bald getrennte Wege

Die Schauspieler Christian Tramitz (links, Hubert) und Helmfried von Lüttichau (rechts, Staller).
Bild: Ursula Düren, dpa

Helmfried von Lüttichau ist Teil des wunderbar kauzigen Polizistenduos in der ARD-Serie „Hubert und Staller“. Im Gespräch sagt er, warum er trotz des großen Erfolgs bald aufhört.

Sie werden zurzeit mit Lob überschüttet. Hubert und Staller gelten beim Fernsehpublikum als die vielleicht beliebtesten bayerischen Polizisten. Warum?

Helmfried von Lüttichau : Ja, Christian Tramitz und ich haben schon einen speziellen Humor. Der Erfolg der Serie liegt aber meines Erachtens auch daran, dass man beim Zuschauen so wunderbar entspannen kann. Im Gegensatz zum Tatort spielt bei Hubert und Staller nicht die gesellschaftliche Realität mit rein, sondern wir machen da eine Wolfratshauser Parallelwelt auf. Außerdem gehört die Serie zu den wenigen Sendungen, die die Familie von der Oma bis zum Enkel noch gemeinsam schauen kann.

Und trotzdem wollen Sie persönlich nach fast 120 Folgen mit Hubert und Staller aufhören. Aus welchem Grund?

Lüttichau: Ich bin sehr stolz auf das, was wir geschafft haben, fast 120 Folgen in sieben Jahren. Aber ich möchte auf keinen Fall in Routine verfallen, dafür liebe ich die Rolle zu sehr. Außerdem: Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören.

Noch steht aber eine Staffel an. Warum schauen die Serie vom Teenie bis zum Greis so viele Menschen?

Lüttichau: Offensichtlich können Menschen aus allen Generationen über unseren Humor lachen. Ich bin erstaunt, dass sogar kleinere Kinder die Dialogwitze verstehen. Irgendetwas an unserer Art muss lustig sein. Die Jüngste, die mir mal geschrieben hat, war vier Jahre, da haben die Eltern die Zeilen verfasst. Die älteste Zuschrift kam von einem 95-Jährigen, da haben die Kinder geschrieben. Die Zuschauer glauben, wir wären tatsächlich auch privat so wie in der Serie.

Gibt es denn einen speziellen bayerischen Humor?

Lüttichau: Ganz sicher. Neulich saß ich mit Christian Tramitz im Bus beim Drehen und da haben wir uns gemeinsam bruchstückartig den „Münchner im Himmel“ in Erinnerung gerufen. Da konnten wir tatsächlich noch jede Betonung auswendig, wirklich witzig. Ja, der bayerische ist eine wortkarge und trockene Form von Humor. Andererseits ist er tief empfindend. Aber diese Gefühle würde der Bayer niemals in Mimik und Gestik zeigen.

Manchmal reicht da ein Wort – und schon lachen die Leute.

Lüttichau: Ja. Beispielsweise das Wort: Basst! Das kann heißen, dass alles okay ist, oder, dass etwas gar nicht in Ordnung ist. Je nach Klangfärbung und dazu gehörendem Blick. Der Bayer kann mit wenigen Worten sehr komplexe Dinge darstellen.

Wie viel von Johannes Staller steckt in Helmfried von Lüttichau?

Lüttichau: Ach, ich glaube schon eine ganze Menge. Wenn man so eine Rolle über so lange Jahre spielt, dann fließt automatisch das ein oder andere von einem selbst in die Rolle. Bei bestimmten Reaktionen beispielsweise verhalte ich mich schon gerne so, wie ich das auch persönlich in der Situation tun würde. Aber das ist bei vielen Serienrollen so. Sonst lässt sich die Glaubwürdigkeit wohl nicht durchhalten.

Was sagt eigentlich die Wolfratshauser Polizei am Drehort zu den chaotisch-erfolgreichen Ordnungshütern?

Lüttichau: Also die Polizisten sind großteils Fans von uns. Ich war neulich beim Familientag der bayerischen Polizei im Landtag eingeladen. Da merkte ich, die Polizisten freuen sich total über uns, weil wir als Polizisten ja durchaus sympathisch rüberkommen. Es geht ja auch in der Serie nicht darum, die Polizei zu verarschen, auch wenn Hubert und Staller schon mal den dummen August spielen.

Was wünschen Sie sich als Staller für die Zukunft. Mehr Erfolg bei Frauen vielleicht?

Lüttichau: Des wäre schon was. Aber dadurch, dass es bei Staller nie so richtig klappt, ist es auch eine Triebfeder, es immer wieder zu versuchen. Es gefällt mir auch an der Rolle gut, dass der Staller nie aufgibt. Er ist nicht so abgeschliffen, wie es Beamte in seinem Alter sein könnten. Er scheitert zwar, sieht aber zu, dass er immer besser scheitert, um Samuel Beckett mal ein wenig abzuwandeln. Das ist fast wie im richtigen Leben.

Sie schreiben auch Gedichte. Wie sind Sie dazu gekommen?

Lüttichau: Ich habe einfach irgendwann damit angefangen. Es war eine schwierige Situation in meinem Leben. Damals ging es mir nicht gut und ich habe plötzlich einen Satz aufgeschrieben, stellte einen zweiten dazu und merkte – das gefällt mir. Ich hatte eine Form gefunden, meine Gefühle auszudrücken. Über zehn Jahre schrieb ich nur für die Schublade. Irgendwann habe ich mich für eine Autorenwerkstatt beworben – und die haben mich genommen. Da war ich ganz erstaunt.

Und dann?

Lüttichau: Der Lektor fand meine Texte gut und rückte sie sogar in die Nähe von Brecht und Fried. Ich dachte mir, der verwechselt mich. Aber er meinte es ernst, und ich habe versucht, vom Hobbyschreiber zum Professionellen zu werden. Ich habe mich dann sehr viel mit Lyrik beschäftigt – und es kam schließlich zu dem Buch: „was mach ich wenn ich glücklich bin“.

Sind Sie privat auch ein bisserl chaotisch oder ein strukturierter Mensch?

Lüttichau: Beides. Ich bemühe mich um Struktur in meinem Leben. Aber nur, weil ich gelernt habe, dass sie mir gut tut. Ich habe es zum Beispiel vor ein paar Jahren tatsächlich geschafft, meine Steuerbelege nicht mehr in der ganzen Wohnung aus Schubladen zusammensuchen zu müssen, sondern sie in einem Ordner zu sammeln. Ich habe gelernt, dass Struktur das Leben vereinfacht. Aber, ehrlich gesagt, bin ich im Ursprung chaotisch.

Einmal haben Sie gesagt, dass Sie jähzornig sein können und gerne mal mit Tellern werfen. Machen Sie das wirklich?

Lüttichau: Ja, das stimmt. Jeder hat ja Triggerpunkte, wenn die berührt werden, wird man zornig. Bei mir ist das zum Beispiel Ungerechtigkeit. Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, dann kann es passieren, dass ich wütend oder jähzornig werde. Dann schreie ich auch mal rum. Das ist mir auch am Set schon passiert.

Wären Sie als Bub eigentlich gerne Polizist geworden?

Lüttichau: Da ist das Gegenteil der Fall. Ich bin in den 70er Jahren sozialisiert worden. Da war Polizist so das Uncoolste, was man sein konnte. Aber durch die Rolle habe ich ein Verständnis für Polizisten bekommen.

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