1. Startseite
  2. Bayern
  3. ICE-Halt am Münchner Flughafen: Klappt es nun endlich?

Verkehr

09.10.2019

ICE-Halt am Münchner Flughafen: Klappt es nun endlich?

Auf diesen Schienen fahren die S-Bahnen zum Münchner Flughafen – ICEs halten dort bislang nicht.
Bild: Lino Mirgeler, dpa

Plus Bayern prüft die Optionen für einen Schnellzug-Halt am Airport. Was sich der Verkehrsminister von dem Projekt verspricht und welche Probleme es derzeit gibt.

Edmund Stoiber wird sich wohl freuen. Er dürfte in diesen Tagen genüsslich die Zeitungen durchblättern, ein wenig in der Vergangenheit schwelgen und sich denken: Ich hab’s euch ja gesagt. Nämlich in seiner legendären Transrapid-Rede, die Stoiber im Januar 2002 beim Neujahrsempfang der Münchner CSU gehalten hatte. Darin hatte Stoiber – damals bayerischer Ministerpräsident – ein wenig im grammatischen Niemandsland umherirrend eines deutlich gemacht: Dass man von der Münchner Innenstadt eine gute Dreiviertelstunde bis zum Flughafen braucht, das ist zu lang. Ihm schwebte damals ein Transrapid vor. Die superschnelle Bahn sollte Reisende deutlich zügiger zum Airport bringen. "Sie steigen in den Hauptbahnhof ein. Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen" – irgendwie so stellte sich Stoiber das vor. Geworden ist daraus bekanntlich nichts. Doch die Idee, die Anbindung an den Franz-Josef-Strauß-Flughafen – immerhin der zweitgrößte der Republik – zu verbessern, die ist jetzt wieder aktuell.

Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart will die Pläne für einen ICE-Halt am Flughafen vorantreiben. Mit einer Machbarkeitsstudie soll dem CSU-Minister zufolge geprüft werden, welche Variante nicht nur für den "flughafenbezogenen Verkehr, sondern auch für das Umland den größten Nutzen bringt". Das Ergebnis der Studie soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 vorliegen.

Reichhart fordert mehr Geld

Reichhart hat bereits konkrete Vorstellungen, wie dieses und andere Vorhaben umgesetzt werden können: "Wir brauchen in Bayern massive Investitionen in die Schieneninfrastruktur und fordern eine Verdoppelung der Bundesgelder, um damit zentrale Projekte in Bayern angehen zu können." Der Klimaschutz habe dabei höchste Priorität. "Ein wichtiges Projekt ist deswegen eine ICE-Anbindung des Münchner Flughafens, weil damit Inlandsflüge wegfallen", erläutert Reichhart.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Die ganze Sache ist aufwendig. Denn auf dem bestehenden Schienennetz ist eine ICE-Anbindung des Münchner Flughafens aus Kapazitätsgründen nicht möglich, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärt. "Für eine entsprechende Anbindung müsste eine Neubaustrecke gebaut werden", fährt sie fort. Wo diese verlaufen könnte, das soll in der Machbarkeitsstudie geklärt werden.

Unter Verkehrsfachleuten gilt die fehlende Fernzug-Verbindung als ein Geburtsfehler des 1992 eröffneten Flughafens. Zum Vergleich: Der Frankfurter Flughafen ist bequem mit dem Zug erreichbar, der Fernbahnhof liegt gegenüber von Terminal 1. In München dauert die S-Bahn-Fahrt zum Flughafen indes länger als eine ICE-Fahrt von Ingolstadt oder Augsburg in die bayerische Landeshauptstadt. In Fahrtzeiten ausgedrückt bedeutet das: Wer von Augsburg zum Flughafen will, der braucht mit Zug und S-Bahn, in die man in der Innenstadt umsteigen muss, rund anderthalb Stunden. Von Kempten sind es etwa zweieinhalb Stunden. Mit dem Auto ist man in beiden Fällen schneller.

Viele Reisende kommen mit dem Auto an den Airport, weil die Anreise so oftmals kürzer ist.
Bild: Lino Mirgeler

Der Flughafen ist von der Idee begeistert

Angesichts dieses Status Quos ist man am Münchner Flughafen von Reichharts Plänen begeistert. "Selbstverständlich begrüßen wir jede Verbesserung der Schienenanbindung", sagt Flughafen-Sprecher Edgar Engert. "Der Münchner Airport hat im Unterschied zu den anderen großen europäischen Luftverkehrsdrehscheiben keine effiziente Anbindung an das Fernbahnnetz und dadurch einen deutlichen Wettbewerbsnachteil. Durch einen eigenen ICE-Halt am Flughafen könnte der Anteil der Passagiere, die mit der Bahn anreisen, zweifellos erheblich gesteigert werden." Engert zufolge wäre dafür ein zweiter unterirdischer Bahnhof – neben dem heutigen S-Bahnhof – erforderlich. Aus früheren Planungen gebe es bereits Überlegungen und Vorkehrungen, um einen solchen Bahnhof unterhalb der beiden Terminals realisieren zu können.

Dass man sich nun konkret überlegt, wie die Menschen schneller zum Flughafen kommen, findet auch Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn richtig. "Das war schon längst überfällig", sagt er. Sollte tatsächlich eine neue ICE-Strecke gebaut werden, dann dürfe die aus seiner Sicht aber nicht am Flughafen enden, sondern müsste weiter Richtung Nürnberg führen. Es müsse auch nicht unbedingt ein ICE-Halt sein, findet Karg. Der Aufwand wäre um ein Vielfaches geringer, wenn man sich für eine Express-S-Bahn ohne Zwischenstopps entscheiden würde.

Ähnliche Pläne gab es immer wieder

Edmund Stoiber war übrigens beileibe nicht der Erste, der auf die schlechte Anbindung des Airports aufmerksam machte – wohl aber der, der den Menschen am meisten in Erinnerung geblieben sein dürfte. Bereits viele Jahre vor seiner gestammelten Transrapid-Rede wurde über eine Fernbahn-Anbindung an den Airport nachgedacht. Die Bahn plante damals einen "Intercity Spezial", der sechsmal pro Tag in jeder Richtung zwischen den Flughäfen München und Frankfurt über Mannheim, Stuttgart, Ulm und Augsburg verkehren sollte – Eröffnungsdatum sollte 1995 sein. Vorgesehen war darüber hinaus für das Jahr 2000 der Stundentakt mit IC-Zügen von München-Pasing zum Flughafen. Vorher sollte noch die Schienenspange Neufahrn-Flughafen zur Anbindung des Airports an die Strecke nach Landshut gebaut werden. Einzig dieses letztere Vorhaben ist mittlerweile verwirklicht. Die "Neufahrner Kurve" wurde Ende 2018 in Betrieb genommen – mit 20 Jahren Verspätung. (mit dpa)

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren