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Obergünzburg

07.07.2020

"Ich hörte nur noch Schreie": So schildert der Busfahrer die Attacke im Allgäu

Ein 37-Jähriger erstach seine getrennt von ihm lebende Frau vor den Augen der Passagiere in einem Linienbus im Allgäu. Busfahrer Marco Deniffel erzählt.
Bild: Ralf Lienert

Plus Das schreckliche Verbrechen in einem Linienbus in Obergünzburg bestürzt Menschen weit über das Allgäu hinaus. Busfahrer Marco Deniffel schildert das Drama.

Es sind Szenen, die Marco Deniffel nie mehr vergessen wird. Im Linienbus, den der 31-jährige Busfahrer am Montagmittag von Kempten in seine Heimatgemeinde Obergünzburg fährt, wird eine Frau niedergestochen. Wenig später erliegt sie ihren schweren Stichverletzungen in einer Klinik.

Nach einer Großfahndung wird der mutmaßliche Täter schnell von der Polizei gestellt. Es handelt sich um einen afghanischen Staatsangehörigen, der seine getrennt von ihm lebende und ebenfalls aus Afghanistan stammende Frau tötete. 

"Ich bin fassungslos und schockiert. Dass so etwas in meinem Linienbus passiert, macht mich sprachlos", sagt Marco Deniffel, den die Allgäuer Zeitung am Montagabend telefonisch erreicht. 

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Nichts deutet auf ein schreckliches Verbrechen hin 

Nichts deutete auf ein schreckliches Verbrechen hin, als Deniffel Stunden zuvor routinemäßig seinen Linienbus mit der Nummer 71 um 12.40 Uhr an der zentralen Umsteigestelle in Kempten startet. Wie zur Mittagszeit üblich steigen vor allem Schüler zu. Auch das spätere Gewaltopfer, eine 27 Jahre alte Frau, betritt den Bus zusammen mit einer Freundin. Die beiden Frauen nehmen in der zweiten Reihe hinter dem Busfahrer Platz. Marco Deniffel kennt sie vom Sehen. Sie leben in seiner Heimatgemeinde, fahren öfter Bus. 

Gleiches gilt für den 37-jährigen Mann, der wenige Minuten später an der Haltestelle Kaufbeurer Straße/Edison-Straße zusteigt und sich auf einen der hinteren Sitzpätze setzt. Wie alle im Bus trägt auch der neue Passagier die in Corona-Zeiten vorgeschriebene Maske. "Seinen Gesichtsausdruck konnte ich nicht erkennen", sagt Marco Deniffel.

Kurz vor Obergünzburg eskaliert die Situation

Kurz vor Obergünzburg dann die dramatische Eskalation: "Der Mann steht auf, läuft auf die beiden Frau zu und beginnt eine davon zu attackieren. Ich hörte nur noch Schreie im Bus", schildert Marco Deniffel. Beim Blick in den Rückspiegel glaubt er zunächst, dass der Mann die Frau schlägt. Erst später wird er das Messer erkennen. Sofort schaltet der Busfahrer das Warnblinklicht an, stoppt den Wagen am Straßenrand wenige Meter vor dem Ortsschild. 

Busfahrer zerrt Täter im Schwitzkasten nach draußen  

Er reißt die Fahrerkabine auf, stürmt nach hinten und stürzt sich auf den Angreifer. Im Schwitzkasten zerrt er den 37-jährigen Mann nach draußen. Das Messer fällt dabei auf den Boden. Damit ist eine mögliche weitere Eskalation gebannt. Der mutmaßliche Täter flüchtet auf eine nahegelegene Weide.

Im Bus versuchen Busfahrer und Passagiere mit vereinten Kräfte, die stark blutende Frau in eine stabile Seitenlage zu bringen. Schüler haben bereits per Handy Polizei und Rettungskräfte verständigt. Als der Busfahrer die hintere Türe öffnet, stürmen einige von ihnen schreckensbleich nach draußen. Autofahrer eilen herbei und bieten ihre Hilfe an. Kurze Zeit später treffen Notarzt, Rettungskräfte und Polizei ein. Nach einer Reanmitation wird die schwer verletzte Frau in die Klinik gefahren, erliegt dort aber ihren Verletzungen. Der mutmaßliche Täter wird gestellt.

Die Fassungslosigkeit über das brutale Verbrechen am hellichten Tag mitten im Allgäu und mitten im öffentlichen Raum bleibt.

Lesen Sie dazu: Tödliche Attacke im Allgäu: Mann ersticht Ehefrau im Linienbus

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