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Riedberger Horn

06.03.2020

Iglus im Allgäu: Winterspaß und Gefahr für Tiere

Übernachten im Iglu – das ist eine rechtliche Grauzone.
Bild: Britta Löw

Immer öfter ziehen Winterfans die Schneebauten Hotelzimmern vor. Doch das birgt auch Probleme. Biologen aus dem Allgäu erklären, warum.

Wildbiologe Henning Werth aus Sonthofen nennt sie „Sehnsuchtsorte für Winterfreaks“: Er meint die Hochlagen in den Allgäuer Bergen, in denen Outdoorsportler auch in milden Wintern genug Schnee finden – beispielsweise zum Iglubauen, Schneeschuhwandern oder für Skitouren. Gasgehren im Oberallgäu, am Fuße des Riedberger Horns, ist so ein „Sehnsuchtsort“. Hier sind die Schneefans häufig unterwegs – manche bauen Iglus und übernachten darin.

Geradezu überrannt worden war das Gebiet in den Weihnachtsferien, aber auch an normalen Wochenenden geht es bei Tag und Nacht rund. Sogar in Wald-Wild-Schongebieten würden Iglus gebaut, schildert Ethelbert Babl, Leiter des neu gegründeten Zentrums Naturerlebnis Alpin mit Sitz in Obermaiselstein. Im Winter nachts in den Bergen unterwegs zu sein oder im Iglu zu übernachten entspreche wohl dem Zeitgeist, glaubt Biologe Werth.

Iglus im Allgäu: Das entspricht dem Zeitgeist

Diplom-Biologin Britta Löw und Florian Heinl sind als Ranger in den Allgäuer Alpen unterwegs. Immer wieder stoßen sie auf Iglus, die Winterfreaks gebaut haben, um darin zu übernachten. Es sind beispielsweise Outdoor-Anbieter, Alpenvereins-Gruppen oder private Freundeskreise, die das Iglu dem Hotel- oder Pensionszimmer vorziehen.

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Ob das Übernachten im Iglu ohne Weiteres erlaubt ist, ist umstritten. Auf jeden Fall müssten gewerbliche Anbieter eine Genehmigung des Grundbesitzers einholen, schildert Rangerin Löw. Das Zelten sei auf jeden Fall in einem Landschaftsschutzgebiet verboten, sagt Werth. Es gehe darum, ökologisch besonders wertvolle Bereiche „freizuhalten“, erklärt Babl. Kompromisse zu finden, sei durchaus auch im Interesse der Outdoorsportler: „Wir wollen eigentlich keine Komplettsperrungen.“ Sein Zentrum verstehe sich als „Drehscheibe“, die alle Akteure zusammenbringt.

Bis zu 450 Menschen täglich am Riedberger Horn

An schönen Winter-Wochenenden sind bis zu 450 Menschen täglich am Riedberger Horn unterwegs. Das Zentrum Naturerlebnis Alpin hat nicht nur das Besucherverhalten beobachtet und dokumentiert, sondern will jetzt auch ein „Raumnutzungskonzept“ für weite Teile der Allgäuer Alpen erarbeiten. Dafür will man alle Betroffenen an einen Tisch holen: Beispielsweise Vertreter von Land- und Alpwirtschaft, Touristiker, Alpenverein und kommerzielle Veranstalter von Touren. Fest steht: In Zukunft wird es vermutlich mehr Gebiete geben, in denen beispielsweise keine Iglus gebaut werden und die von Schneesportlern nicht betreten werden sollen oder dürfen. Wildbiologe Werth schildert an einem Beispiel, wie verhängnisvoll sich Störungen der Tiere im Winter auswirken: Wird etwa ein Birkhuhn in einer Schneehöhle durch menschliche Aktivitäten aufgeschreckt, verlässt es, dem Fluchtreflex folgend, die auf null Grad erwärmte Schneehöhle und fliegt davon – bei 15 Grad minus. Wegen des enormen Energiebedarfs könne so etwas tödlich enden.

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