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Gesundheit

28.04.2015

Immer mehr lassen sich wegen psychischer Leiden krankschreiben

Depression ist eine weit verbreitete Krankheit.
Bild: dpa

Psychische Leiden sind in Bayern die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen. Um den Druck zu bewältigen, schlucken viele Angestellte Pillen und gehen damit ein Risiko ein.

Um in der Arbeit leistungsfähiger zu sein, dopen sich immer mehr Beschäftigte in Bayern. Zu diesem Ergebnis kommt die Krankenkasse DAK. Ihr aktueller Gesundheitsreport 2015 belegt aber noch eine weitere Entwicklung: Psychische Erkrankungen nehmen zu und stehen erstmals auf Platz zwei als Krankheitsgrund im Job – nach Beschwerden im Muskel- und Skelett-Bereich. Der Krankenstand blieb in Bayern mit 3,4 Prozent aber stabil und unter dem Bundesschnitt von 3,9 Prozent.

Angestellte schlucken Ritalin oder Antidepressiva, um im Job zu bestehen

Um nicht auszufallen und um außerdem geistig fitter und emotional stabiler in der Arbeit zu sein, nehmen nach Angaben der DAK immer mehr Beschäftigte in Bayern verschreibungspflichtige Medikamente missbräuchlich ein. Es sind vor allem Arzneimittel, die eigentlich Kindern bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) verschrieben werden (Ritalin) oder bei Demenz helfen sollen sowie Antidepressiva und Betablocker.

Es sind nicht etwa nur hoch qualifizierte Manager, die zu Medikamenten greifen. Die Befragung der DAK ergab, dass vor allem un- und angelernte Mitarbeiter mit Pillen nachhelfen. Ein Fazit: Je einfacher die Tätigkeit, desto höher der Anteil mit Doping-Erfahrung. Überraschend sei auch, dass die Medikamente nicht etwa vor allem aus dem Internet oder über den Schwarzmarkt besorgt werden, sondern zu über 50 Prozent als Rezept vom Arzt verschrieben werden. Die höchste Verbreitung findet sich laut DAK bei den 40- bis 50-Jährigen.

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Für den Report wertete das IGES Institut im Auftrag der Krankenkasse nicht nur die Fehlzeiten der erwerbstätigen DAK-Mitglieder aus. Arzneimitteldaten der Kasse wurden analysiert und bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte zwischen 20 und 50 Jahren befragt. Demnach haben sich 7,2 Prozent der Berufstätigen in Bayern schon gedopt. Die Dunkelziffer liege bei 12,9 Prozent.

DAK-Chef: Hirndoping kann süchtig machen

Damit ist „Hirndoping“ zwar kein Massenphänomen, wie Gottfried Prehofer, Landeschef der DAK-Gesundheit in Bayern, gestern in München bei der Vorstellung des Reports betonte. Doch: „Rund 117000 Bayern, die regelmäßig leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente schlucken, sind ein Alarmsignal.“ Für Prehofer ist vor allem Aufklärung wichtig. Denn die Nebenwirkungen und Suchtgefahren dieser Medikamente sind erheblich.

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