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Rain am Lech

29.10.2017

Immer weniger Kinder können schwimmen: Was Schulen dagegen tun

Brustschwimmen, Tauchen, Startsprung: Die Sechstklässler der Realschule Rain haben alle Voraussetzungen für ein Schwimmabzeichen in wenigen Tagen gelernt.
Bild: Marcus Merk

Immer mehr Kinder können nicht schwimmen. Diese Klagen hört man seit Jahren. Jetzt wird etwas getan. An ersten Testschulen sind die Kinder eine Woche lang jeden Tag im Wasser.

Startsprung vom Beckenrand, 200 Meter Schwimmen, einen Ring aus dem zwei Meter tiefen Wasser tauchen: All das muss man für das Schwimmabzeichen in Bronze können. Und all das haben die Sechstklässler der Realschule Rain (Kreis Donau-Ries) gerade im Schnelldurchlauf gelernt. Schwimminitiative 2017 heißt das neue Angebot offiziell. Für die Schüler heißt es vor allem eins: Statt Mathe, Kunst, Deutsch oder anderen Fächern steht jeden Tag Schwimmen auf dem Stundenplan. Nicht von morgens bis zum Schulschluss, aber mindestens zwei Stunden täglich.

Sechstklässler Felix steigt aus dem Becken im Rainer Hallenbad, und zieht sich die blaue Schwimmbrille vom Kopf. „Ich finde die Schwimmwoche gut, man lernt das Schwimmen so richtig und viel schneller als sonst.“

Genau das ist das Ziel, das die Erfinder der Schwimmwoche verfolgen. Die Idee kommt vom Aktionsbündnis für den Schulsport, das beim Bayerischen Landessportverband (BLSV) angesiedelt ist. Dessen Vorsitzender Anton Schmid wollte sich nicht länger die Klagen anhören, dass der Schwimmunterricht an bayerischen Schulen wenig effektiv sei und viele Eltern ihre Kinder nicht mehr in einen Schwimmkurs schicken würden.

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Sein Verband könne zwar „nicht mehr Bäder bauen und den Schülern auch nicht mehr Schwimmstunden zusprechen“, sagt der 71-Jährige aus Margertshausen im Kreis Augsburg. Stattdessen haben Schmid und sein Team mit Erlaubnis des Kultusministeriums die Schwimmwoche ins Leben gerufen. Die Ergebnisse aus bislang acht Testschulen hätten Lehrer und Organisatoren überrascht: An den drei Grundschulen bewegten sich 60 Prozent der Nichtschwimmer später sicher im Wasser. Und von 82 teilnehmenden Nichtschwimmern aus fünf Realschulen konnten am Ende mehr als 90 Prozent die nötige Technik.

Eigentlich sollte jeder Sechstklässler schwimmen können

In Rain hat Sportlehrerin Christine Förg ihre Schüler gerade auf die Sprungtürme geschickt, um den Startsprung zu üben. In der sechsten Klasse sollte eigentlich jedes Kind schwimmen können, sagt sie. „Wenn es nicht so ist, liegt das oft an den Eltern. Eine Mutter zum Beispiel hat Angst vor Wasser und überträgt das auch auf ihr Kind.“ Andere würden sich schlicht wenig darum kümmern, dass ihr Kind schwimmen lernt. Das führt in einen Teufelskreis. Denn: „Schlechte Schwimmer bringen auch öfter Entschuldigungen für den Schwimmunterricht mit.“ Sich um die Nichtschwimmer zu kümmern und gleichzeitig die Technikfehler der anderen zu beseitigen, dafür bleibe im regulären Unterricht nur selten Zeit.

Brustschwimmen, Tauchen, Startsprung: Die Sechstklässler der Realschule Rain haben alle Voraussetzungen für ein Schwimmabzeichen in wenigen Tagen gelernt.
Bild: Marcus Merk

Die Rainer Schulen haben ihr Hallenbad direkt in der Stadt – ein Luxus. Anderswo haben Bäder geschlossen oder liegen so weit entfernt, dass nach Busfahrt, Umziehen und Duschen gerade mal eine halbe Stunde im Wasser bleibt. Doch selbst in Rain ist trotz unmittelbarer Nähe zum Wasser nur achtmal Schwimmen im Schuljahr vorgesehen. Es gibt ja auch noch andere Inhalte im Sportunterricht. Wie viel Schwimmen nötig ist, dazu macht das Kultusministerium keine konkreten Vorgaben. Auch ein Schwimmabzeichen ist nicht Pflicht.

Organisator Anton Schmid hofft, dass der Unterricht im Wasser durch die Schwimmwoche mehr Platz und Wertschätzung an den Schulen bekommt. Der 71-Jährige führt dafür zurzeit die nötigen Gespräche. Er ist zuversichtlich, dass das Kultusministerium den Versuch aufgreift und bald für Schulen in ganz Bayern anbietet.

Sportlehrerin Christine Förg ist dafür. Ihre Sechstklässler haben nach der Intensiv-Woche erfolgreich Seepferdchen und bronzene, die Besten sogar silberne Schwimmabzeichen erhalten. „Wenn die Kinder jeden Tag im Wasser sind, ist das Gelernte auch nicht so schnell vergessen.“ Hinter ihr machen die Schüler gerade ein paar „Arschbomben“ vom Drei-Meter-Turm. Auch für solche Späße bleibt bei der Schwimmwoche Zeit.

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.10.2017

Haben alle Kinder keine Eltern mehr! Diese sind doch in erster Linie dafür verantwortlich, das ihre Kinder schwimmen lernen. Bei meinen Kindern gabs noch keinen Schwimmunterricht, Man ging im Sommer an den See und dort wurde schwimmen gelernt. Heute soll alles die Schule machen. Erzeihen sollten die Lehrer auch noch aber bitte mit Samthandschuhen und keine strengen Worte. .

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30.10.2017

Es hat sich viel geändert seit Ihrer Jugend und selbstverständlich haben auch die Schulen Verantwortung, egal ob jetzt Schwimmkurse oder Digitalisierung. Schauen Sie sich doch mal um wie sich unser Gesellschaftsbild verändert hat.

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30.10.2017

Eichtig. Die Schulen haben eine Verantwortung. Sie sind aber keine Ersatzeltern.

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30.10.2017

Ich bin mir nicht sicher, ob Sie das Thema verstanden haben, denn auch heute würde Eltern ihre Rechte und Pflichten niemals an die Schulen abgeben.

Es handelt sich um eine Unterstützung für Eltern, welche von vielen Schulen wegen Sparmaßnahmen und Lehrermangel vernachlässigt wurde.

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