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Bahn

31.08.2020

Immer wieder Ärger um die Maske: Ein Kontrolleur erzählt

Nach wie vor komme es im Zug, um Bus oder in der Tram zu oft zu gewaltsamen Übergriffen auf Kontrolleure und Mitarbeiter, beklagen Gewerkschafter. Jeder Fall sei einer zu viel.
Bild: Franz-Peter Tschauner, dpa (Symbol)

Plus Beschimpft, geschlagen und sogar verletzt: Übergriffe auf Busfahrer und Zugkontrolleure häufen sich. Ein bayerischer Schaffner erzählt, was solche Vorfälle mit ihm machen.

Die Stimmung kippt schleichend. Höflichkeit, Respekt und Freundlichkeit nehmen ab, die Aggressivität wächst. Dass stelle er schon seit Jahren fest, sagt der Mann, der an dieser Stelle unerkannt bleiben will und nur so viel preisgeben möchte: Er arbeitet seit über zehn Jahren als Zugkontrolleur in Südbayern.

„Ich mache den Job nun schon lange, da spürt man einfach, dass die Anerkennung bei den Leuten sinkt.“ Früher, da sei er häufig noch als „Herr Schaffner“ angesprochen worden. Mittlerweile werde der Ton in den Gesprächen zunehmend rauer. „ Corona hat diese negative Stimmung auf jeden Fall noch mehr angefacht.“

Ein- und Ausstiege überwachen, den Fahrablauf sichern und Fahrkarten kontrollieren – das sind seine täglichen Aufgaben. Vor einigen Monaten kam dann eine neue, wichtige Aufgabe dazu. Wegen Corona. Seit Frühjahr ist nämlich das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Nahverkehr in Bayern Pflicht.

Zugkontrolleure müssen daher nun auch ein Auge darauf haben, dass die Fahrgäste eine Maske tragen. „Und zwar immer und vor allem auch richtig, über Mund und Nase. Aber wenn ich höre, wie manche Kontrollen der Maskenpflicht ausarten und manche Kollegen sogar angegriffen werden, bin ich wirklich bestürzt.“

Maske im Zug: Viele Berichte über Übergriffe

In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche solcher Übergriffe bekannt, von denen der bayerische Zugkontrolleur spricht. Zum Beispiel in Sailauf im fränkischen Landkreis Aschaffenburg. Dort schlug ein junger Mann ohne Mund-Nase-Schutz einem 72-jährigen Busfahrer ins Gesicht, weil dieser ihn ohne Maske nicht einsteigen lassen wollte. In Dortmund soll ein Mann mit Tritten und Schlägen zwei Zugmitarbeiter verletzt haben. In Sachsen wurde eine Kundenbetreuerin von einem Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen und am Auge verletzt.

In Hamburg wehrte sich ein Fahrgast so heftig gegen die Maskenpflicht, dass er einen Kontrolleur biss. Am tragischsten endete jedoch ein Vorfall in Frankreich. Dort hatte ein Busfahrer mehrere Menschen an einer Haltestelle zurückgewiesen. Sie wollten trotz Maskenpflicht ohne Mund-Nasen-Schutz in den Bus einsteigen. Die Gruppe griff den Fahrer an, der wenige Tage später an seinen Verletzungen starb.

Im vergangenen Jahr registrierte die Bahn allein in Bayern 317 Übergriffe auf ihre Mitarbeiter, wie aus einer aktuellen Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht. Was machen solche krassen Fälle mit den Kollegen, den Fahrern und Schaffnern, die tagtäglich weiterhin die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen kontrollieren müssen?

Bahn-Kontrolleur: „Schlimme Einzelfälle“

Der Zugkontrolleur aus Südbayern sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Es ist für einen selbst wichtig, dass man im Hinterkopf behält, dass das schlimme Einzelfälle waren.“ Angst habe er zwar nicht, aber er habe gelernt, dass er in manchen Situationen anders reagieren und sich sagen müsse: Ich sollte nicht alles um jeden Preis durchsetzen wollen. „Lieber verliere ich mal eine mündliche Auseinandersetzung, als dass eine Situation vollkommen eskaliert.“

Wenn ein Fahrgast sich tatsächlich weigert eine Maske aufzusetzen, hat der Zugkontrolleur nach der Eisenbahnverkehrsordnung das Recht, Fahrgäste – zum Schutz der Gesundheit anderer Mitreisenden – auszuschließen. „Ich kann sie darauf hinweisen, dass sie aussteigen müssen. Aber durchsetzen kann ich das nicht. Dazu muss ich mir die Polizei zur Hilfe holen.“ So einen Fall hat auch der bayerische Zugkontrolleur schon erlebt, erzählt er. Das käme aber sehr selten vor. Durchaus öfter dagegen, dass mal jemand seine Maske vergisst. „Dann haben wir immer Ersatzmasken einstecken, die wir verteilen können.“

Dass Fahrer oder Kontrolleure selten körperlich angegriffen werden, bestätigen Jürgen Fergg, Sprecher der Stadtwerke Augsburg, und Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft. Letzterer sagt: „Wegen der Maskenpflicht kam es bisher in einem Fall im Mai zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Betroffen war ein Mitarbeiter in einem U-Bahnhof.“ Auf die gesamte Branche bezogen gebe es zwar mehr Meldungen über Übergriffe – und jeder Fall sei einer zu viel. Gleichwohl seien solche Vorfälle nach wie vor die Ausnahme.

Maskenpflicht in Augsburg: Entspannte Situation

In Augsburg schätzt Jürgen Fergg von den Stadtwerken die Situation in den Fahrzeugen seit Corona und selbst mit Maskenpflicht sogar entspannter ein, „weil deutlich weniger Fahrgäste fahren. Die Augsburger sind beim Maskentragen im Nahverkehr sehr diszipliniert.“ Es gebe sehr selten Fahrgäste, die uneinsichtig sind und sich weigern eine Maske zu tragen.

„Normalerweise verlassen die dann kommentarlos oder auch mal schimpfend das Fahrzeug. Einmal hat auch einer gegen die Busscheibe gespuckt.“ Zu Handgreiflichkeiten gegenüber einem Mitarbeitenden kam es bisher lediglich einmal. Verletzungen gab es bisher nicht.“

Ähnliches sagt auch Oliver Kaufhold, Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). „Die ganz überwiegende Zahl unserer Fahrgäste verhält sich vernünftig, das ist in Corona-Zeiten nicht anders als sonst.“ Die meisten wüssten: Es ist nicht angenehm, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, aber es ist notwendig.

Aber: Aggressivität sei leider eine ständige Begleiterscheinung vieler Beschäftigter im öffentlichen Nahverkehr geworden. „Es gibt sicher nicht wenige Kollegen, die bisweilen mit Beklemmungen auf bestimmten Strecken unterwegs sind.“ Und Verletzungen könnten auch psychisch sein, ergänzt Franz Schütz von der Gewerkschaft Verdi in München. „Und zwar dann, wenn Beschäftigte immer wieder beschimpft oder aggressiv angegangen werden.“ Das sei auch eine Form von Gewalt. (mit dpa)

Lesen Sie dazu auch: Wie Bahn, Flixbus und Co. die Maskenpflicht (nicht) umsetzen

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