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Kreis Dillingen

26.07.2018

Immer wieder Feuer: Was steckt hinter der rätselhaften Brandserie?

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Vor genau einem Jahr fing der Altbau des Rathauses in der Königstraße Feuer. Der Wiederaufbau läuft inzwischen auf Hochtouren.
Bild: Berfin Yilmaz

Von einer Asylunterkunft über eine Zimmerei bis zum Recyclingbetrieb – im Landkreis Dillingen häufen sich die Großbrände. Kann das alles Zufall sein?

Bei vielen Dillingern werden heute Erinnerungen hochkommen. Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass das Dillinger Rathaus ausgebrannt ist. Das Szenario hätte aus einem Katastrophenfilm stammen können. Eine gigantische schwarze Rauchsäule steht an diesem Mittwochabend über der Stadt. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten rückt in der Königstraße, der Prachtstraße im Zentrum, an. Und über Whatsapp und Facebook kursiert unmittelbar nach dem Ausbruch des Feuers ein Video vom lichterloh brennenden Dillinger Rathaus, das viele Nutzer zunächst für einen geschmacklosen Scherz halten. „Du siehst die schrecklichen Bilder und kannst es nicht glauben“ – so wie die Dillingerin Andrea Spengler reagieren viele Menschen auf den Brand „ihres“ Rathauses. Und auch Oberbürgermeister Frank Kunz, der als Feuerwehrmann mit seinen Kameraden Schlimmeres verhindert, ringt um Fassung und verdrückt seine Tränen. „Es ist eine emotionale Geschichte, wenn das eigene Haus brennt“, sagt der Rathauschef. Der Schaden liegt bei mindestens fünf Millionen Euro. Die Polizei geht davon aus, dass ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst hat. Eindeutig geklärt werden kann die Brandursache nicht.

Dillingen erfährt eine Welle der Solidarität. Und die Stadt zeigt eine Trotzreaktion. Bereits am Donnerstag, dem Tag nach dem Brand des Rathaus-Altbaus, findet im Nebengebäude eine Trauung statt. Am Freitag nimmt die Stadtverwaltung die Arbeit wieder auf. Inzwischen läuft der Wiederaufbau des etwa 500 Jahre alten Gebäudes auf Hochtouren. Im August wird der neue Dachstuhl fertig sein, im September sollen das Notdach und das Gerüst verschwinden – danach geht es an den Innenausbau. Oberbürgermeister Kunz hat ein Ziel. „Mitte 2020 soll das Dillinger Rathaus wieder in neuem Glanz erstrahlen.“

Der Wiederaufbau des Dillinger Rathauses ist in vollem Gange. 
Bild: Jan Koenen, Stadtverwaltung

Eine Ordensschwester starb beim Brand des Klosters

Es ist aber nicht nur dieser Großbrand, der den Landkreis Dillingen in die Schlagzeilen gebracht hat. Zwei Jahre vorher hatte das nur etwa neun Kilometer entfernte Kloster Maria Medingen Feuer gefangen. Eine Franziskanerin stirbt, der Schaden liegt ersten Schätzungen zufolge bei rund 20 Millionen Euro. Wegen fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Tötung erlässt das Amtsgericht Dillingen gegen die Ordensschwester, die eine brennende Kerze in einem Nebenraum der Sakristei vergessen hat, einen Strafbefehl von 90 Tagessätzen.

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Etwa 300 Einsatzkräfte haben durch ihren professionellen Einsatz eine Katastrophe verhindert. Kreisbrandrat Frank Schmidt sagt: „In Sachen Menschenrettung war dies für uns der größte Einsatz seit 30 Jahren.“ Vermutlich sei es der größte Einsatz im Landkreis Dillingen nach dem Krieg gewesen.

Was der Kreisbrandrat damals nicht ahnen konnte: Es ist nur der Auftakt für eine Serie von Großbränden im Dillinger Land, die in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreicht. Im März fängt eine Fertigungshalle der Firma Roma Dämmsysteme in Buttenwiesen Feuer. Im April brennt die Asylunterkunft in Höchstädt nieder. Im Juni wird schließlich eine Gerätehalle bei einer Biogasanlage im Höchstädter Stadtteil Deisenhofen ein Raub der Flammen. Und jetzt folgten gleich zwei Großbrände innerhalb von drei Tagen. Im Buttenwieser Gemeindeteil Pfaffenhofen brennt am Freitagmorgen die Zimmerei Glaß nieder. In Lauingen wütet am Sonntagabend das Feuer im Recyclingbetrieb Stena. In beiden Fällen sind gigantische Rauchsäulen zu sehen. Im Lauinger Fall wirkt die Dampfwolke aus dem am Horizont sichtbaren Gundremminger Kühlturm vergleichsweise klein.

Am Freitag brannte die Holzbau-Firma Glaß in Pfaffenhofen.
Bild: Franz Käsinger

Warum der Landkreis Dillingen in diesen Monaten eine Großbrand-Region ist, kann Kreisbrandrat Schmidt nicht beantworten. „Wenn ich die Antwort wüsste, würde ich es abstellen“, sagt der Feuerwehrmann. Es habe Jahre gegeben, in denen es im Kreis Dillingen überhaupt nicht gebrannt hat. Zuletzt habe es aber eine nicht erklärbare Häufung gegeben. Mit der Hitze hat dies laut Schmidt wenig zu tun, obwohl die Gefahr von Flächenbränden im Sommer größer als im Winter sei. Wenn es zu brennen beginne und keine Brandstiftung vorliege, sei meist ein technischer Defekt die Ursache. Der Einsatz von elektrischen Maschinen nehme ständig zu. Dies sei im Übrigen die Ursache für viele Zimmerbrände, sagt der Kreisbrandrat. Die Menge der Elektrogeräte in Haushalten habe sich drastisch erhöht. Schmidt empfiehlt, die Geräte auszustecken, wenn man sie nicht braucht.

Die Polizei staunt über die vielen Großbrände

Im Polizeipräsidium Schwaben Nord in Augsburg nimmt man die Großbrandserie ebenfalls mit Erstaunen zur Kenntnis. „Wir haben uns auch schon gewundert, warum es im Landkreis Dillingen so oft brennt. Normalerweise lassen die Dillinger doch nichts anbrennen“, sagt Sprecher Siegfried Hartmann und lacht. Bei der Brandursache habe es sich zuletzt in allen Fällen um einen technischen Defekt gehandelt – auch in Pfaffenhofen. Im Lauinger Recyclingbetrieb seien die Ermittlungen der Kripo Dillingen aber noch nicht abgeschlossen.

Den ehrenamtlichen Einsatzkräften fordern solche Großbrände Höchstleistungen ab. Der Einsatzleiter in Lauingen, Martin Koller, ist am Montagvormittag so erschöpft, dass er nicht mehr viel reden will. Die ganze Nacht hindurch hat der Kommandant der Lauinger Wehr mit seinen Helfern gelöscht. „Der Einsatz war kompliziert“, sagt Koller. Eine giftige Rauchwolke steigt aus der brennenden Halle nach oben. Die Polizei warnt Anwohner, Fenster und Türen geschlossen zu halten, und lässt den in der Nähe liegenden Lauinger Bahnhof sperren.

Stephan Karg hat mit der Höch-städter Feuerwehr zwei Großbrände im einstigen Asylheim und in der Gerätehalle einer Biogasanlage hinter sich. „Diese Einsätze sind schon eine große Belastung“, sagt Karg, der auch Zweiter Bürgermeister in Höchstädt ist. „Meine Leute sind aber zu 100 Prozent dabei, auch wenn sie hinterher erledigt sind.“ Er habe allerdings bemerkt, dass in solchen Hochphasen die Teilnahme an den Übungen etwas nachlasse. Wenn es viele Einsätze gebe, führe das aber keineswegs zu Frust. „Im Gegenteil“, sagt Karg, „da sehen alle, wie wichtig diese ehrenamtliche Arbeit ist.“ Das Engagement in der Feuerwehr sei jedoch kein Selbstläufer. Um den Nachwuchs zu sichern, gebe es auch in Höchstädt eine Jugendfeuerwehr. Denn untertags sei es oft schwer, zwei Gruppen mit 18 Kräften einsatzbereit zu haben. Die Häufung von Großbränden im Landkreis Dillingen hat Karg ebenfalls verwundert. Er hat dafür nur eine Erklärung: „Zufall.“

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