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Corona-Impfung

03.02.2021

Impfung und Schwangerschaft? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Manche werdende Mütter machen sich aktuell Gedanken darüber, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen werden.
Bild: Felix Heyder, dpa (Symbolbild)

Plus Manche Frauen haben angesichts eines Kinderwunsches oder einer Schwangerschaft Bedenken, sich eine Dosis des Corona-Impfstoffes verabreichen zu lassen. Das sagen Experten dazu.

Die Impfbereitschaft in Bayern scheint groß zu sein. Verschiedene aktuelle Umfragen kommen zu dem Ergebnis, dass sich derzeit rund die Hälfte bis zu zwei Dritteln der Menschen im Freistaat impfen lassen würden. Zur Gruppe der Unentschlossenen gehören einige junge Frauen, die einen Kinderwunsch hegen oder bereits schwanger sind. Manche von ihnen haben im Gespräch mit unserer Redaktion von ihrer Unsicherheit, was die Corona-Impfung angeht, berichtet. Deshalb haben wir an dieser Stelle die häufigsten Fragen gesammelt:

Kann der Corona-Impfstoff die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern beeinflussen?

Die Antwort darauf gibt Professor Ricardo Felberbaum. Er ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Kemptens, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Kempten und Immenstadt sowie Vorsitzender der bayerischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Er sagt: "Da es sich beim Corona-Impfstoff um keinen Lebendimpfstoff handelt, und dieser sogenannte mRNA-Impfstoff nicht in das Erbgut des Impflings integriert werden kann, erscheint nach aktuellem Wissensstand eine Schädigung der Fruchtbarkeit des Impflings ausgeschlossen." Gleichzeitig warnt der Mediziner: "Dagegen kann eine schwer verlaufende Covid-Erkrankung bei einer Schwangeren – und hier sind die Verläufe schwerer als bei nicht schwangeren Frauen – zum Verlust der Schwangerschaft und zu Frühgeburten führen." Für die Fruchtbarkeit von Männern gilt ähnliches, sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte: "Covid-19 kann – wie auch andere schwere Infektionen – bei der männlichen Fertilität Schaden anrichten."

Kann der Impfstoff Auswirkungen auf das Erbgut, das an das Kind weitergegeben wird, haben?

"Definitiv nein", betont Felberbaum. Und auch seine Kollege Albring erklärt, dass der Impfstoff keine Auswirkungen auf das Erbgut hat: "Nein. Die mRNA ist zu klein und zerfällt innerhalb kurzer Zeit, ebenso auch die Spike-artigen Proteinstrukturen, die durch die mRNA gebaut wurden. Weder die mRNA noch die Spike-Proteine gelangen in den Zellkern, in dem das Erbgut geschützt aufbewahrt wird."

Ist es möglich, dass der Impfstoff Auswirkungen auf den Fötus im Mutterleib haben kann?

Die bisherigen Daten seien noch unvollständig, räumt Frauenarzt Albring ein. Doch gleichzeitig will er schwangere Frauen auch beruhigen: "Es wird derzeit davon ausgegangen, dass die Impfung keine negativen Auswirkungen auf den Embryo oder den Fötus hat." Ricardo Felberbaum ergänzt: "Da ein mRNA-Impfstoff nicht in das Genom des Impflings integriert werden kann, erscheint nach aktuellem Wissensstand eine Schädigung des Fötus ausgeschlossen."

In den Zulassungsstudien für mRNA-Impfstoffe waren schwangere und stillende Frauen ausgeschlossen. Woher kommt das Wissen, welche Auswirkungen der Impfstoff diese Frauen hat?

"Das ist korrekt", bestätigt der Kemptener Mediziner Felberbaum. "Daher bleibt eine Restunsicherheit." In der Fachwelt wisse man allerdings mittlerweile bei vielen Impfungen, dass die Immunisierung der Mutter einen starken Schutzmechanismus für die Neugeborenen bedeutet, da auf diese die Antikörper der Mutter übertragen werden, erklärt er. "Die Impfung schützt also Mutter und Kind. Außerdem schützt sie vor schweren Krankheitsverläufen, die im Falle einer Schwangerschaft tatsächlich verheerende Folgen haben kann."

Die Mutter kann also nach einer überstandenen Infektion beziehungsweise nach einer Corona-Impfung den Schutz an das Kind weitergeben?

Ja. Neue Daten deuten außerdem darauf hin, dass Mütter, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben, auch Antikörper mit der Muttermilch weitergeben, heißt es der Deutschen Hebammenzeitschrift. Eine Übertragung des Virus durch das Stillen wurde im Gegensatz dazu bisher noch nicht beobachtet.

Wie funktioniert allgemein die Impfstoffforschung bei schwangeren und stillenden Frauen?

Wann ein Impfstoff in Studien bei Schwangeren und Stillenden geprüft wird, entscheidet der jeweilige Vakzin-Herstelle, erklärt Verbandspräsident Christian Albring. Übergeordnete Gremien der Arzneimittel-Überwachungsbehörden wie die European Medicines Agency (EMA) und die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) kontrollieren das. Dazu müsse die jeweilige Impfung allerdings bereits in geeigneten Tiermodellen zuverlässig gezeigt haben, dass keine Schäden an trächtigen Tieren und an deren Nachkommenschaft zu erwarten sind – und sie müsse in breit angelegten Studien und in einem sehr breiten Einsatz in der Bevölkerung gezeigt haben, dass keine weiteren, unerwarteten Komplikationen aufgetreten seien. "Dennoch sollten im ersten Drittel der Schwangerschaft nur dringend indizierte Impfungen durchgeführt werden", erklärt Ricardo Felberbaum, "um zu vermeiden, dass die in der Frühschwangerschaft häufigeren Fehlgeburten mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden."

Welche Nutzen und Risiken sollten Frauen, die schwanger werden wollen oder es bereits sind, bei einer Impfung gegen Corona abwägen?

Einerseits besteht – wie bei jeder Impfung – die Gefahr von Nebenwirkungen in Form einer kurzfristigen Impfreaktion in den Tagen danach. "Eine Impfung mit den bisherigen Impfstoffen sollte deshalb nicht vor der 15. Schwangerschaftswoche erfolgen", empfiehlt Frauenarzt Albring. Andererseits ist ein Vorteil der Impfung, dass Schwangere vor der Erkrankung geschützt sind, wenn sie mit den Erregern in Kontakt kommen, und dass sie – wie auch bei Keuchhusten und Grippe – die neu gebildeten Antikörper den Babys als Schutz mit auf den Weg geben können. Christian Albring: "Schwangere, die ein hohes Risiko für eine Ansteckung haben – zum Beispiel weil sie oder ihr Partner in einem Umfeld leben, in dem ein hohes Risiko für eine Ansteckung besteht oder weil sie Kinder haben, die in Kindergarten oder Schule gehen – und die zum Beispiel durch weitere Konstellationen wie Diabetes, höheres Alter, Herz- und Atemwegserkrankung ohnehin gefährdet sind, sollten zusammen mit ihren behandelnden Ärzten besprechen, ob es für sie sinnvoll sein kann, sich durch eine Impfung vor der Infektion zu schützen."

Schadet es Schwangeren, wenn sie eine FFP2-Maske tragen?

In Baden-Württemberg beispielsweise ist geregelt, dass es Schwangeren nicht zumutbar ist, bei der Arbeit eine FFP2-Maske länger als 30 Minuten zu tragen. "Diese Einschätzung ist sicherlich sehr kritisch zu sehen", sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Alte Menschen hätten viel größere Probleme, Luft zu bekommen, und müssten eine Maske tragen - während das bei Schwangeren eher selten und dann nur in den letzten Wochen auftritt. "Schwangere sollten unbedingt eine Maske tragen, damit sie sich selbst schützen. Es gibt aus frauenärztlicher Sicht daher keine Begründung, warum Schwangere ihre FFP2-Maske nicht auch über eine längere Zeit tragen sollten." Im Gegenteil, sagt Albring: Schwangere sollten grundsätzlich darauf achten, sich nicht zu infizieren. Denn auch wenn Schwangere nicht häufiger erkranken als nicht-schwangere, gleichaltrige Frauen, kann die Infektion – nicht nur bei Risikoschwangeren - schwerer verlaufen. "Und wenn die Schwangere Corona-positiv ist und die Geburt beginnt, wird sie während der Geburt eine Maske tragen müssen, um das Personal nicht zu gefährden. Davor sollte sie sich schützen, indem sie und ihr persönliches Umfeld besonders in den Wochen vor der Geburt jeder Infektionsgefahr aus dem Weg geht."

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