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Interview
07.08.2018

Ankerzentrum-Chef: Asylheim in Augsburg soll Donauwörth entlasten

Das Ankerzentrum in Donauwörth bekommt eine Zweigstellle.
Foto: Thomas Hilgendorf (Archiv)

Schwabens größte Flüchtlingsunterkunft in Donauwörth erhält eine Zweigstelle. Der „Anker-Chef“ erklärt, warum man von der angestrebten Zentralisierung abweicht.

Kaum wird die Flüchtlingsunterkunft in Donauwörth zum Ankerzentrum, rücken 250 Polizisten an. Gibt es da einen Zusammenhang?

Frank Kurtenbach: Nein, der Einsatz am Freitag hatte absolut nichts damit zu tun, dass wir jetzt eine Ankereinrichtung sind. Das war die akute Reaktion der Polizei auf Hinweise, dass Bewohner gefährliche Gegenstände in ihren Zimmern gehortet haben sollen. Bei dieser Gelegenheit haben uns die Beamten geholfen, rund 30 gambische Bewohner in andere Zimmer zu verlegen, um Platz für türkische Familien zu machen, die zuletzt bei 37 Grad in einer Turnhalle schlafen mussten.

Dafür waren 250 Polizisten nötig?

Kurtenbach: Wie viele Beamte eingesetzt werden, liegt in der Verantwortung der Polizei. Allerdings hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass derartige Einsätze reibungsloser über die Bühne gehen, wenn ausreichend Polizisten vor Ort sind. Das war auch am Freitag so. Es hat alles sehr gut funktioniert, die Polizei und wir hatten die Situation immer im Griff.

Das war nicht immer so...

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Kurtenbach: Das stimmt, es gab in der Vergangenheit Situationen, die eskaliert sind. Die Wanderung von mehr als 100 gambischen Flüchtlingen zum Donauwörther Bahnhof beispielsweise, woraufhin der Zugverkehr eingestellt werden musste. Oder die Streitigkeiten bei der Taschengeldausgabe, die ebenfalls zu einem größeren Polizeieinsatz geführt haben. Ganz auszuschließen sind derartige Vorfälle nicht. Wir haben es hier oftmals mit Menschen zu tun, die nicht in Deutschland bleiben dürfen und bei denen sich im Laufe der Monate ihres Asylverfahrens Frust aufbaut. Es kann immer mal wieder passieren, dass sich dieser entlädt.

Diese Erkenntnis ist ja nicht neu. Wie reagieren Sie in Donauwörth darauf?

Kurtenbach: Wir haben den Sicherheitsdienst im März auf 20 Personen am Tag und 18 in der Nacht aufgestockt, seit dem vergangenen Freitag haben wir ihn kurzfristig um weitere 15 Sicherheitsleute erhöht. Im Übrigen führen die Umwandlung zum Ankerzentrum und die Ansiedlung der zuständigen Behörden dazu, dass die Asylverfahren effizienter werden. Das bewirkt, dass Flüchtlinge schneller Gewissheit haben und die Einrichtung gegebenenfalls schneller verlassen können. Und als weiteren Punkt versuchen wir, die Zahl der in der Donauwörther Einrichtung lebenden Personen in Grenzen zu halten.

Frank Kurtenbuch leitet das Ankerzentrum in Donauwörth.
Foto: Ulrich Wagner

Das war zuletzt zwischen Stadt, Landkreis und Freistaat umstritten. Wie viele Flüchtlinge werden denn nun in Donauwörth untergebracht?

Kurtenbach: In den Gebäuden der ehemaligen Alfred-Delp-Kaserne ist Platz für bis zu 1000 Menschen. Wir versuchen aber, die Grenze von 600 nicht dauerhaft zu überschreiten. Heute leben 613 Asylbewerber dort. Daher werden wir voraussichtlich nächste Woche im Augsburger Stadtteil Inningen eine derzeit im Standby-Modus vorgehaltene Dependance eröffnen, in die zunächst etwa 50 Flüchtlinge einziehen sollen, um Donauwörth zu entlasten.

Widerspricht das nicht dem Grundgedanken des Ankerzentrums – in dem ja eigentlich alles so zentral wie möglich geschehen soll?

Kurtenbach: Im Grunde haben Sie da recht, allerdings wollen wir nur solche Asylbewerber in die Dependance schicken, die das Asylverfahren im Wesentlichen schon durchlaufen haben und eigentlich nur noch auf ihre Entscheidung oder ihre Rückführung warten. Außerdem sollen Dependancen verhindern, dass in Donauwörth zu dicht belegt wird.

Dependancen? Also nicht nur eine?

Kurtenbach: Wir haben vergangene Woche mitgeteilt bekommen, dass wir neben Asylbewerbern aus der Türkei und Gambia – sie machen derzeit 95 Prozent der Bewohner in Donauwörth aus – in den kommenden Monaten auch immer wieder Flüchtlinge aus Nigeria aufnehmen müssen. Daraufhin haben wir beschlossen, die Dependance in Augsburg zu eröffnen. Es kann durchaus sein, dass in Zukunft weitere Einrichtungen dieser Art in Schwaben dazu kommen.

Noch einmal kurz zurück zur Sicherheit in Donauwörth. Vor gut zwei Wochen wurde bekannt, dass Securitymitarbeiter Flüchtlinge eingesperrt und den Freistaat betrogen haben sollen.

Kurtenbach: Zu den laufenden Ermittlungen kann ich nichts sagen. Allerdings haben wir sofort reagiert und von heute auf Morgen die gesamte Sicherheitsfirma ausgetauscht. Eine Firma aus dem Raum München ist glücklicherweise kurzfristig eingesprungen und hat mit ihren Mitarbeitern den Sicherheitsdienst für vorerst drei Monate übernommen. Die Kosten haben sich durch den Wechsel nicht wesentlich geändert.

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