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Gundremmingen

16.04.2013

Ist das Atomkraftwerk unterversichert?

Das AKW Gundremmingen im Landkreis Günzburg war Gegenstand einer Anfrage der Grünen im Bundestag - und das Ergebnis wirft zahlreiche Fragen auf.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ist das AKW Gundremmingen unterversichert? Oder sparen sich die Betreiber Millionen durch einen simplen Trick? Eine Anfrage der Grünen im Bundestag hat Fragen aufgeworfen.

Ist das Kernkraftwerk Gundremmingen im Landkreis Günzburg unterversichert? Oder sparen sich die Betreiber der beiden Siedewasserreaktoren, die beiden Energiekonzerne RWE und Eon, Jahr für Jahr möglicherweise einen Millionenbetrag durch einen simplen Versicherungstrick?

Auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag räumte die Bundesregierung nach Informationen unserer Redaktion ein, dass die über die Deutsche Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft abgedeckte Deckungsvorsorge für den Fall eines nuklearen Unfalls im Gegensatz zu allen anderen Anlagen in Deutschland für das gesamte Kraftwerk gilt und nicht für jeden einzelnen Reaktorblock.

„Das Kernkraftwerk Gundremmingen II – Block B und C ist die einzige Kernanlage in Deutschland, bei der nach § 7 des Atomgesetzes für zwei baugleiche Reaktoren (Doppelblockanlage) an einem gemeinsamen Standort einem einzigen Inhaber in einem einheitlichen Genehmigungsverfahren eine einzige atomrechtliche Errichtungs- und Betriebsgenehmigung erteilt worden und die aufgrund der damit verbundenen Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen haftungsrechtlich als eine Kernanlage zu betrachten ist“, schrieb die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser, in der unserer Zeitung vorliegenden Antwort.

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Im Gegensatz dazu ist bei allen anderen Kernkraftwerken, die aus mehreren Reaktorblöcken bestehen, jeder einzelne Block über 256 Millionen Euro versichert.

Kritik an „absurder und falscher“ Logik

Gegenüber unserer Zeitung kritisierte die Atomexpertin der Grünen, die Karlsruherin Sylvia Kotting-Uhl, diese Ausnahmeregelung für das Atomkraftwerk Gundremmingen scharf. Die Logik sei „absurd und falsch“. Nur weil die beiden Reaktoren baugleich seien, halbiere sich nicht das Risiko, im Gegenteil. „Bei einer Doppelblock-Anlage besteht sogar das zusätzliche Risiko, dass ein Unfall in einem Block einen Folgeunfall im Nachbarblock auslösen kann.“

Kotting-Uhl fordert, dass jeder Block von Gundremmingen voll versichert werden müsse. „Man kann sich doch auch nicht gleichzeitig zwei baugleiche Autos kaufen und dann für beide eine halbierte Haftpflichtversicherung abschließen. Und bei eineiigen Zwillingen kann auch nicht nur einer Steuer zahlen.“ Die Grünen-Politikerin vermutet, dass es hier offensichtlich darum gehe, dem Betreiber den Gefallen zu tun, dass er bei der jährlichen Versicherungsprämie ordentlich sparen könne. „Bei einer Hochrisikotechnologie wie Atomkraft ist so ein Gemauschel völlig inakzeptabel.“

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