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Pandemie

29.08.2020

Jetzt heißt es in ganz Bayern testen, testen, testen

So wie hier im Unterallgäu werden auf Beschluss der Staatsregierung viele Teststationen in ganz Bayern ab nächste Woche wieder in Betrieb genommen oder neu aufgebaut.
Bild: Eva Büchele (Archivbild)

Plus Weil es die Staatsregierung so beschlossen hat, müssen alle Landkreise und Städte Testzentren einrichten. Bereits ab 1. September sollen sie starten. Vor Ort ist dies nicht selten eine Herausforderung.

Stabsunteroffizier Nikolaj Tissen trägt über seiner Uniform einen Kittel. Mit Maske, Handschuhen und Schutzbrille ausgestattet, macht er sich im neuen Corona-Testzentrum in Dillingen an die Arbeit. Am Freitagvormittag steht bereits eine Gruppe von Erntehelfern bereit, um getestet zu werden. Tissen ist seit 13 Jahren Sanitäter bei der Bundeswehr. Abstriche zu nehmen, gehöre in seinem Beruf eher zu den leichten Aufgaben. Dass das Testzentrum bereits geöffnet hat, wurde erst durch die Amtshilfe der Bundeswehr möglich.

 

Testkapazitäten in Bayern ausbauen: Entscheidung folgte erst am 10. August

Denn erst am 10. August hatte der Ministerrat beschlossen, die Testkapazitäten in Bayern flächendeckend auszubauen. In jeder kreisfreien Stadt und in jedem Landkreis sei "umgehend" ein "Bayerisches Testzentrum" einzurichten. Die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb sowie für die Testungen einschließlich der Labordiagnostik trage der Freistaat, soweit sie nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung oder anderen Kostenträgern getragen werden. Mit der Einrichtung, Organisation und dem Betrieb sind die Kreisverwaltungsbehörden betraut worden. "Eine Herausforderung", keine Frage, sagt Manfred Riederle, stellvertretender Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags gegenüber unserer Redaktion. Schließlich herrsche seit dem Beschluss Urlaubszeit und Corona erschwere schon die Arbeitsbedingungen, da ist so etwas "eine sportliche Aufgabe für jede Verwaltung". Soll doch der Testbetrieb bereits am 1. September starten. Die anvisierten 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung werde man wohl nicht überall vom ersten Tag an testen können, sondern vielerorts den Betrieb sukzessive aufbauen, sagt Riederle. Fest steht für ihn aber: "Angesichts der Entwicklung der Coronazahlen ist die rasche Einrichtung der Testzentren nachvollziehbar."

Jetzt heißt es in ganz Bayern testen, testen, testen

Das sieht auch Maria Rita Zinnecker, die Landrätin für das Ostallgäu, so. Dabei haben viele Landratsämter vom "umgehenden" Aufbau der Testzentren anfangs nur aus den Medien erfahren – was vielerorts zu massiven Unmut geführt hat. Doch man sei es gewohnt, dass die Wege nicht immer sofort direkt an die zuständigen Stellen führen, sagt die CSU-Politikerin. Man sei nun aber umfassend informiert worden, außerdem dürfe man nicht vergessen, "in welcher absoluten Ausnahmesituation wir uns mit dieser Pandemie befinden". Zinnecker macht aber auch keinen Hehl daraus, dass die Umsetzung der Testzentren eine "große Herausforderung" ist. Zumal alles so schnell funktionieren soll. Ein Problem ist ihres Erachtens, geeignetes Personal zu finden.

Maria Zinnecker, die Landrätin des Ostallgäus, berichtet davon, dass viele Landratsämter nur aus den Medien vom "umgehenden" Aufbau der Testzentren erfahren hätten.
Bild: Ralf Lienert

Technische Panne in Sonthofen: Lange Schlange vor der Einfahrt zum Testzentrum

Und auch die Technik muss diesmal klappen. Schließlich ist die digitale Erfassungskette nach der Testpanne an Autobahnen und Flughäfen nun entscheidend. Am ersten Tag des Testzentrum in Sonthofen gibt es prompt eine kleine Panne: Eine mehrere hundert Meter lange Autoschlange bildet sich vor der Einfahrt ins Test-Drive-In. Es stellt sich heraus: Durch einen Software-Fehler sind alle 30 Personen, die sich am ersten Tag testen lassen wollten, zur gleichen Uhrzeit bestellt worden. Und auch der Beginn verzögert sich – es hakt an der Schnittstelle zur Software des medizinisch-diagnostischen Labors in Kempten, das die Auswertung auf Covid-19 vornimmt. Als nach etwa 20 Minuten die Röhrchen für die Selbsttestungen von ehrenamtlich Tätigen des THW verteilt werden, geht es aber flott. Innerhalb von 24 Stunden, so teilt Ralph Eichbauer, der Verantwortliche des Landratsamts Oberallgäu mit, sollen die Testergebnisse mittels QR-Code per Handy abrufbar sein. "Wer positiv getestet wird, erhält einen Anruf vom Gesundheitsamt."

Nicht so überrascht wie in anderen Kreisen und kreisfreien Städte sei man im Landkreis Günzburg gewesen, sagt CSU-Landrat Hans Reichhart. Ob das etwas damit zu tun hat, dass er vor wenigen Monaten selbst noch als Bau- und Verkehrsminister am Kabinettstisch saß und gute Kontakte zu Regierungskreisen pflegt, verrät er nicht. In Günzburg ist man von der Notwendigkeit solcher kommunaler Testzentren überzeugt. "Wir hätten selbst etwas gemacht. Aber so übernimmt nun der Freistaat die Kosten für die Corona-Tests, das ist uns nicht unrecht." Dennoch musste mit heißer Nadel gestrickt werden – und herausgekommen sind, schwabenweit nach Auskunft des Landratsamtes einmalig, zwei Standorte in einem Landkreis. An den Medizinischen Versorgungszentren in Günzburg und Krumbach, die jeweils den Kreiskliniken dort angeschlossen sind, können sich Bürger ab dem 1. September auf das Virus testen lassen. Täglich werden insgesamt 250 Tests an beiden Standorten angeboten. Die Kapazität soll später auf 300 am Tag erhöht werden.

 

In Dillingen hilft die Bundeswehr - für vorerst vier Wochen

In Dillingen koordiniert Benedict Kastner das Testzentrum in den Räumlichkeiten des ehemaligen Gesundheitsamtes. Er betont: "Ohne die Bundeswehr hätten wir das nicht stemmen können." Dafür sei das Gesundheitsamt personell zu schwach aufgestellt. Für vorerst vier Wochen sind die Soldaten im Testzentrum tätig. Auf Dauer soll es aber ohne die Hilfe der Soldaten gehen. Wie genau, wird im Gesundheitsamt noch geplant. Bisher werden nur Reihentestungen vorgenommen, wie eben an jenen Erntehelfern am Freitagvormittag. Über das Testergebnis wird telefonisch informiert. Das funktioniere in der Regel sehr gut, heißt es aus dem Gesundheitsamt Dillingen.

Dass allerdings auch die Labore an ihre Grenzen stoßen, merkt Thomas Stechele. Der Arzt von der Gemeinschaftspraxis Langweid im Landkreis Augsburg kam zuletzt mit dem Testen kaum noch hinterher. "Wir warten mittlerweile im Schnitt drei Tage auf das Testergebnis“, sagt er. Über die Testzentren ist er froh, denn er und seine Kollegen wären jetzt bald an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen, schließlich steige die Zahl derjenigen, die getestet werden müssen und wollen. Nicht der Test an sich bildet nach Einschätzung von Stechele den großen Aufwand, obwohl gerade er sehr gründlich vorgenommen werden muss – das Hauptproblem sei die Bürokratie wie etwa die Abrechnungsmodalitäten. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass in den Hausarztpraxen ja auch vor allem diejenigen behandelt werden müssen, die unabhängig von Corona erkrankt sind.

Hausärzte machten Druck auf die Politik

Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, begrüßt die Testzentren ebenfalls: "Sie sind nicht zuletzt auf unseren Druck hin entstanden", sagt er gegenüber unserer Redaktion. Denn die Kapazitäten in den Hausarztpraxen seien endlich. Und mit der steigenden Zahl der Reiserückkehrer sei es nun dringend notwendig, Patienten mit leichten oder keinen Symptomen an einer regionalen Teststrecke zu testen, um Hausärzte und Kliniken zu entlasten.

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