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E-Mobilität

15.06.2019

Jetzt kommen die E-Scooter - Was erwartet Bayern?

Plus Ab Samstag sind E-Scooter offiziell in Deutschland erlaubt. Viel passieren wird in den Städten aber wohl trotzdem nicht. Besonders München will aus Fehlern lernen.

Sie sind leise, schneller als manches Fahrrad und gelten zudem als umweltfreundlich: Ab Samstag sind E-Tretroller ganz offiziell in Deutschland erlaubt. Viel wurde vorab diskutiert, Kritik gab es von allen Seiten. Für die einen ging der Genehmigungsprozess nicht schnell genug, andere wiederum befürchten mit Scootern zugestellte Gehwege und Unfälle. Vielerorts besteht vor allem Sorge, dass es zu ähnlichem Chaos auf den Straßen kommen könnte, wie es in Barcelona oder Paris der Fall war. Vor wenigen Tagen starb in der französischen Hauptstadt sogar ein 25-Jähriger. Er hat die Vorfahrt eines Lastwagens missachtet, heißt es. Also: Was rollt da auf uns zu?

Lars Zemke, Vorsitzender des Bundesverbands für Elektrokleinstfahrzeuge (BEKF), relativiert: „Ich rechne mit keiner Millionenschwemme auf den Straßen.“ Denn die Hersteller mussten für den deutschen Markt spezielle E-Scooter entwickeln, damit sie die Vorgaben der Verordnung erfüllen. Die neuen Modelle müssen vom Kraftfahrtbundesamt jedoch noch genehmigt werden. „Das passiert ab Samstag“, sagt Zemke. Das heißt: Auch wenn die Scooter von jetzt an offiziell erlaubt sind, sind sie noch gar nicht zugelassen.

München will aus den Erfahrungen mit Obike lernen

Trotzdem hat eine bayerische Stadt schon Erfahrungen gesammelt: Bamberg hat als einzige deutsche Kommune einen Testlauf mit den Scootern durchgeführt. In der 75.000-Einwohner-Stadt standen über sechs Wochen hinweg 15 Roller zum Test bereit. 700 Bewerber gab es, 300 Testfahrer konnten teilnehmen. Die Sorgen, die viele wegen der Verkehrssicherheit hatten, bestätigten sich dort nicht. „Es gab keine Unfälle und auch sonst kaum Probleme“, sagt Jan Giersberg, Sprecher der Stadtwerke. Angesichts der geringen Zahl an Geräten sei das aber nicht verwunderlich. Insgesamt habe man sehr positive Erfahrungen gemacht. „Meine Wahrnehmung ist: Wenn man sich als Scooter-Fahrer im Straßenverkehr vernünftig verhält, passiert auch nichts.“

 

Die Stadtwerke wollen in Bamberg bald ein eigenes Sharing-System etablieren, über das die Tretroller per Smartphone ausgeliehen werden können. Damit, erklärt Giersberg, wolle man das Umweltangebot im Nahverkehr erweitern. Der Verleih soll aber ebenfalls erst gründlich getestet werden, um herauszufinden, wie viele Scooter benötigt werden. „Wir wollen nicht die gleichen Probleme, die München hatte.“

Dort hat man bereits negative Erfahrungen mit dem Sharing-Modell gemacht. Der Fahrradverleiher Obike hatte 2017 die Stadt mit billigen Fahrrädern regelrecht geflutet. Wenige Monate später war das Unternehmen pleite, knapp ein Jahr lang lagen tausende Räder in der Stadt herum, landeten in der Isar oder wurden auf Bäume geworfen. Es dauerte Monate, bis die gelben Billig-Räder beseitigt waren, zum Teil – nach Strafandrohung – von Obike selbst, zum Teil von Bürgern, denen die herumliegenden Fahrräder auf die Nerven gingen.

Knapp 10.000 Scooter werden in München erwartet

Für die E-Scooter-Verleiher in München gelten deshalb neue Regeln: Wer auf den größten potenziellen Markt in Bayern drängt, muss eine Freiwillige Selbstverpflichtung unterschreiben. Darin ist genau geregelt, wie viele der kleinen Flitzer wo angeboten werden dürfen und – ganz wichtig – dass die Anbieter, falls sie die Stadt verlassen, ihre Fahrzeuge wieder entfernen müssen. Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats, sagt: „Wir bauen auf die Zusammenarbeit mit den Anbietern. Wenn es schlecht läuft, könnte die Begeisterung für E-Scooter bei den Münchnern schnell enden. Letztlich haben es die Verleiher selbst in der Hand.“

Viele bayerische Städte sehen dem heutigen Tag also gelassen entgegen. In München rechnet man damit, dass die Scooter erst in den kommenden Monaten auf den Straßen zu finden sein werden. Aktuell gehe man von knapp 10.000 im Lauf des Sommers aus, sagt Mayer. Sechs Unternehmen hätten sich für München angekündigt. Auch in Augsburg habe man bereits ein paar Anfragen erhalten, ist aus der Stadtverwaltung zu hören. Konkrete Zahlen gebe es aber noch nicht. In Regensburg ist das ähnlich.

Für alle, die sich einen E-Scooter kaufen wollen, statt ihn zu leihen, hat Lars Zemke vom BEKF einen Tipp: „Ich würde mit dem Kauf warten, bis die einzelnen Modelle wirklich zugelassen sind.“ Wer mit einem nicht zugelassenen Gerät erwischt wird, dem drohen Strafen. Die Verordnung hält er übrigens trotzdem für gut: „Die Regulierungen machen die Scooter sicherer, chaotische Zustände wie in Paris lassen sich so vermeiden.“ Er vermutet, die deutschen Standards werden sich in ganz Europa etablieren.

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16.06.2019

Wird bestimmt lustig auf den Gehwegen. Beispiel: In der Friedberger-Straße ( Hochzoll) gibt es Radwege aber sehr viele Radfahrer benützen rücksichtslos den Fußweg und man muss als Fußgänger aufpassen nicht zusammen gefahren zu werden. Klingeln oder abbremsen sind meist Fehlanzeige der Radfahrer. Ich habe wenig Hoffnung das sich die E-Scooter Fahrer anders verhalten werden.

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