Newsticker
Bundeskabinett beschließt Testpflicht bei Einreise ab 1. August
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Justiz: Arzt operierte ohne Zulassung

Justiz
30.10.2018

Arzt operierte ohne Zulassung

Der Arzt hatte keine Zulassung, griff aber trotzdem zum Skalpell.
Foto: dpa

Schönheitschirurg arbeitete weiter, obwohl ihm das verboten war. Eine Patientin berichtet Erschreckendes

Dass Ärzten die Zulassung entzogen wird, geschieht recht selten. Dass ein Arzt dann ohne diese Zulassung weiterarbeitet, noch viel seltener. Nun hat das Münchner Amtsgericht am Montag einen Schönheitschirurgen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz zu drei Jahren Haft verurteilt und ein Berufsverbot von drei Jahren verhängt. Der Mann hat nach Auffassung des Gerichts Operationen – vor allem Brustvergrößerungen – durchgeführt, obwohl das Gesundheitsamt ihm das wegen fehlender Hygiene- und Sicherheitsstandards in seiner Münchner Praxis verboten hatte. Der Mediziner hatte schließlich sogar seine Approbation – also die Erlaubnis, überhaupt als Arzt tätig zu sein – komplett verloren. Trotz Operationsverbots habe er „munter weiteroperiert“ und seine Patienten auch nicht genügend aufgeklärt – zum Beispiel darüber, dass er offiziell gar nicht operieren durfte und außerdem keine Haftpflichtversicherung hatte. Die Richterin sprach von „absoluter Uneinsichtigkeit“ und „beispielloser Ignoranz“.

Eine seiner Patientinnen war eine 49-jährige Münchnerin, die vor Gericht ihre Erfahrungen schildert. Die eine Brust wollte nach der OP einfach nicht verheilen, immer wieder sei sie in die Praxis gefahren, immer wieder habe der Angeklagte die Wunde genäht. Die Fotos auf ihrem Handy erschrecken. „Ich sah aus wie ein Rollbraten“, sagt sie. „Ich habe gedacht, meine Brust platzt.“ Ihr Arzt habe sie aber immer wieder beruhigt und gesagt, das Problem sei ihre Wundheilung. Als sie in ein Krankenhaus fahren wollte, habe er sie davon abgehalten. „Er hat gesagt, er ist schließlich der Wissenschaftler und kennt sich aus.“

Wie vielen Ärzten in Deutschland die Zulassung in den vergangenen Jahren entzogen wurde, wird nach Angaben der Bundesärztekammer nicht bundesweit erfasst. Die Regierung von Oberbayern, die für die Entziehung von Ärzte-Zulassungen in den bayerischen Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz und Schwaben zuständig ist, hat in den vergangenen fünf Jahren rund 20 solcher Fälle gezählt, die allerdings noch nicht alle rechtskräftig abgeschlossen sind. Die Gründe für den Entzug der Approbation reichen den Angaben zufolge von Hygienemängeln über Betrug bis hin zu Sexualdelikten und fahrlässiger Tötung. Der Münchner Fall sei etwas Besonderes, sagt die Sprecherin der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-plastischen Chirurgen (VDÄPC). „In der Dimension handelt es sich sicherlich um einen Einzelfall. Ohne Approbation ärztlich tätig zu sein – hier ist kriminelle Energie im Spiel.“

Die Staatsanwältin warf dem angeklagten Mediziner, der schon mehrfach zivilrechtlich verklagt wurde, in ihrem Schlussplädoyer „rücksichtsloses Vorgehen ohne jeden Grund“ vor. „Durch Ihr Vorgehen – Ihr selbstherrliches Vorgehen – haben Sie andere Menschen in enorme Gefahr gebracht“, sagte sie. „Sie haben ohne Haftpflichtversicherung und ohne Anästhesisten die Behandlungen durchgeführt und es war Ihnen einfach egal.“ Der Angeklagte hatte im Prozess bestritten, überhaupt davon gewusst zu haben, dass er nicht mehr operieren durfte. Er sieht sich vom Gesundheitsamt der Stadt München verfolgt. Er sei ein Opfer von „Neid und Missgunst“, die Prostituierten unter seinen Patientinnen, die vor Gericht gegen ihn aussagten, seien gekauft. Seine Verteidigerin zweifelte außerdem an, dass es sich bei den angeklagten Fällen überhaupt um Operationen handelte. Es seien kleine Eingriffe gewesen, „die wir nur Operationen nennen, um sie zu überhöhen“. Der Mediziner legte sofort Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Er werde „bis zum Europäischen Gerichtshof“ gehen, sagte er. Britta Schultejans, dpa

Die Diskussion ist geschlossen.