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Aichach

12.02.2019

Kann mehr Geld die Geburtshilfe in Aichach retten?

Die Geburtshilfestation im neuen Krankenhaus in Aichach ist verwaist. Die Station musste schließen, noch bevor sie überhaupt öffnete.
Bild: Christoph Lotter

Plus Nach dem vorläufigen Aus der Entbindungsabteilung im Krankenhaus müssen sich Mütter unfreiwillig umorientieren. Doch die Politiker vor Ort machen jetzt Druck.

Eine Geburt ist ein wunderbares Ereignis und der Geburtsort eigentlich zweitrangig. In Aichach herrscht trotzdem alles andere als Begeisterung, dass derzeit Kinder aus der Stadt und dem nördlichen Teil des Wittelsbacher Landes als Augsburger, Neuburger, Münchner und vermehrt als Friedberger zur Welt kommen. Nach dem zumindest vorläufigen Aus der Entbindungsstation in der Kreisstadt vor drei Monaten mussten sich Mütter unfreiwillig umorientieren.

Rund 400 Babys sind früher in einem Jahr in Aichach zur Welt gekommen. Ob überhaupt, und wenn ja wann, es wieder „Aichacher“ gibt, ist derzeit nicht abzusehen. Der Mangel an Hebammen sorgte für die Schließung noch vor dem Start in der nagelneuen Klinik. Das hochmoderne 50-Millionen-Euro-Projekt ist im Oktober bezogen worden. Die Folge: ein Aufschrei in der Bevölkerung. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nahm bei einem Besuch über 7000 Protestunterschriften mit, die in kurzer Zeit gesammelt wurden.

Für den Erhalt der Geburtshilfestation am Aichacher Krankenhaus organisierte die Stadt Aichach eine Unterschriftensammlung.
Bild: Christoph Lotter

Landkreis stellt rund 1,5 Millionen Euro für Geburtshilfe zur Verfügung

Die Kommunalpolitik macht parteiübergreifend Druck in der Angelegenheit. Der Landkreis stellt rund 1,5 Millionen Euro für die Geburtshilfe zur Verfügung und nimmt damit ein deutlich höheres Defizit für die beiden Kliniken in Kauf.

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Geplant ist, dass Hebammen in Teilzeit angestellt werden. Dazu können sie weiter selbstständig in der Vor- und Nachsorge arbeiten – finanziell ist das deutlich lukrativer als das bisherige System mit Beleghebammen. Dazu gibt es weitere Angebote, wie günstige Wohnungen. Auch den Gynäkologen will der Kreis Zuschüsse zu ihren extrem hohen Versicherungsprämien zahlen.

Das Problem ist: Dies könnte als Verstoß gegen das Antikorruptionsgesetz gewertet werden. Mittlerweile gibt es dazu aber aus München Signale, dass dieses Hindernis endgültig aus dem Weg geräumt sein könnte. Landrat Klaus Metzger ist deshalb optimistisch. Aber einfach ist der Weg nicht. Alles hängt am Personal, also an den Hebammen. Und Metzger hat es schon früher einmal, als die Station in Aichach noch einigermaßen gelaufen ist, so auf den Punkt gebracht: „Geld allein macht nicht glücklich. Damit können wir uns auch keine Hebammen schnitzen.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Bayern kann sich den Hebammen-Mangel nicht leisten

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