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Bayerische Brauereien

04.02.2021

Keine staatlichen Corona-Hilfen: Auch "Der Bräu“ geht leer aus

Die Wirte können in der Corona-Krise auf etwas staatliche Hilfe hoffen. Kleine Brauer mit eigenem Wirtshaus gehen dagegen in aller Regel leer aus.
Foto: Brauwerk Bopfingen (Symbolbild)

In vielen kleinen Brauereien in Bayern herrscht angesichts des Lockdowns „nackte Existenznot“. Für Brauereigaststätten ist es jedoch noch viel schlimmer.

Zu den schönen Dingen, die es in dieser Art und Menge nur in Bayern gibt, gehören die rund 200 Brauereigaststätten. Man geht vielerorts nicht einfach nur zum Wirt, man geht „zum Bräu“. Diese Tradition, das Bier dort trinken zu können, wo es gebraut wird, ist in Gefahr. Die Wirte nämlich können in der Corona-Krise zumindest auf etwas staatliche Hilfe hoffen, kleine Brauer mit eigenem Wirtshaus gehen dagegen in aller Regel leer aus.

Die kleinen Brauereien in Bayern trifft Corona besonders hart

Georg Schneider, der Präsident des Bayerischen Brauerbundes, hatte auf seiner Jahrespressekonferenz am Donnerstag in München daher wenig Erfreuliches zu berichten. Über Jahre hinweg hatten sich die rund 650 bayerischen Brauereien mit einigem Erfolg gegen den allgemeinen Abwärtstrend am Biermarkt gestemmt. Ein Grund dafür war, dass es hier besonders viele mittelständische Betriebe gibt, die ihr Bier über verschiedene Absatzwege zu den Kunden bringen – es geht nicht nur in den Export oder Handel, sondern auch direkt in die Gastronomie, zu Volks- und Vereinsfesten oder anderen Veranstaltungen.

Flasche leer: Brauereien verbuchen bis zu 70 Prozent Umsatzminus.
Foto: Charisius, dpa

Die vielen kleinen Brauereien, die sich auf die Vermarktung in ihrer Region konzentriert haben, treffe die Schließung der Gastronomie und die Absage von Veranstaltungen besonders hart. Der Rückgang der Produktion um 4,1 Prozent (eine Million Hektoliter) im vergangenen Jahr spiegle die tatsächliche Situation in der bayerischen Brauwirtschaft deshalb nicht wider. Es gebe einige „Kriegsgewinnler“, sagte Schneider. Der Mehrzahl der Brauer aber gehe es schlecht und vielerorts herrsche „nackte Existenznot“. Einige Brauer hätten schon ihre Altersvorsorge ins Unternehmen gesteckt, in der Hoffnung, es so durch die Krise zu retten.

„Am schlimmsten“, so Schneider, „trifft es diejenigen Kollegen, die neben der Brauerei ein gastronomisches Objekt selbst betreiben.“ Die Brauer-eigasthöfe nämlich gingen bei den staatlichen Fördermaßnahmen der „November- bzw. Dezemberhilfe“ meist leer aus. Anders als Bäckereien oder Konditoreien mit angeschlossenem Café, gelten sie in den Augen der Bundesregierung nicht als „Gastronomiebetrieb“, sondern fallen als „Mischbetriebe“ durch das Förderraster. Die Bayerische Staatsregierung habe sich zwar um Verbesserungen bemüht, sich aber in Berlin nicht durchsetzen können.

Staatliche Hilfen für Brauer? Wer zu viel Flaschenbier in den Handel verkauft, hat nach wie vor das Nachsehen

Ein Sprecher von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betonte, dass zumindest für einige Betriebe ein Durchbruch erreicht worden sei. Das betrifft aber nur jene, die mindestens 80 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Gastronomie sowie dem Verkauf von Fassbier und „Flaschenbier-to-go“ erzielen. Sie seien für die „Überbrückungshilfe III“ antragsberechtigt. Wer zu viel Flaschenbier in den Handel verkauft, hat nach wie vor das Nachsehen.

Wie hat sich der Bierabsatz in Deutschland 2020 entwickelt?

Brauereien beklagen, in der Corona-Krise hätten die Deutschen kaum mehr Bier getrunken. Doch wie viele Millionen Hektoliter wurden wirklich abgesetzt? Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Einig sind sich Bayerns Brauer und das Bayerische Wirtschaftsministerium darin, dass die Bundesregierung nicht versteht, worum es im Kern geht. „Hier geht es nicht um eine Kneipe mehr oder weniger. Hier geht es um die Existenz oft Jahrhunderte alter Unternehmen, die ein Teil der DNA unserer Branche sind“, sagt Präsident Schneider.

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