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Auszeichnung

15.06.2019

Kemptener Schüler sind Klimaprofis

Schülerinnen und Schüler des Hildegardis-Gymnasiums in Kempten bei der Preisverleihung in Berlin.
Bild: Christian Grimm

Warum die Jugendlichen vom Hildegardis-Gymnasium bundesweit spitze sind

Beim Klimaschutz gilt es keine Zeit zu verlieren. Das wissen die Schüler des Hildegardis-Gymnasiums in Kempten und wollen schneller sein. Schneller als das gesamte Land. Dieser Ehrgeiz beeindruckt. Beim deutschlandweiten Schulwettbewerb Energiesparmeister haben sie dafür den Silberpokal bekommen. Nur eine Grundschule aus Wismar tut noch mehr gegen die Aufheizung des Planeten.

Bis 2050 will Deutschland seinen Ausstoß von Kohlendioxid um 95 Prozent gegenüber 1990 senken. Wofür die Bundesregierung der Gesellschaft noch drei Jahrzehnte Zeit gibt, das will das Hildegardis-Gymnasium in weniger als zehn Jahren schaffen. Bis 2026 soll die Schule klimaneutral sein. Das heißt, sie wird dann fast kein CO2 mehr in die Luft blasen. Der Ausstoß, der sich nicht vermeiden lässt, soll zum Beispiel durch das Pflanzen von Bäumen ausgeglichen werden.

Dass das keine Theorie bleibt, dafür sorgen Schülerinnen wie Clara Würth. Die Elftklässlerin ist eine von 70 Klimabotschafterinnen und -botschaftern. Sie werden gewählt wie Klassensprecher. Clara passt auf, dass das Licht im Klassenzimmer nach dem Unterricht ausgeschaltet wird, dass der Müll richtig getrennt wird und sie animiert ihre Mitschüler, morgens mit dem Rad zur Schule zu fahren. „Keiner meiner Mitschüler ist gegen Klimaschutz. Aber von sich aus das Verhalten zu ändern, das machen eben längst auch nicht alle“, erzählt das Mädchen mit den rötlichen Haaren. Die Fridays-for-Future-Klimademos hätten das Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Erde deutlich gestärkt. „Man weiß, man ist nicht allein“, sagt Clara.

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Während sie sich darum kümmert, dass die 1100 Schüler Ernst machen mit dem Kampf gegen die Erderwärmung, muss Matthias Klaubert seine Lehrerkollegen dafür gewinnen. Der Mathe- und Physiklehrer ist der Klimakoordinator am Gymnasium. „Die Schule muss zu den wichtigsten Themen der Zeit Stellung beziehen. Der Klimawandel ist die größte Herausforderung in diesem Jahrhundert“, sagt Klaubert. Dass die Schule bis 2026 ihr Ziel erreicht, „ist aber alles andere als sicher“. Um richtig ansetzen zu können, wurde zunächst der CO2-Fußabdruck der Schule gemessen. Sie steht pro Jahr für 390 Tonnen des Gases. „Das sorgt für das Abschmelzen von 1200 Quadratmetern Meereis“, erklärt der Physiklehrer. Das meiste Kohlendioxid entsteht auf dem Weg zur Schule, weil Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Tür fahren oder für die Klassenfahrt nach London der Flieger genommen wird.

Für einen höheren Ansporn zum Radfahren gibt es einen Wettbewerb, bei dem Kilometer gesammelt werden. Für Exkursionen sind Bus und Bahn das Mittel der Wahl. In der Mensa kommt weniger Fleisch auf die Teller und die Kopierer werden mit Recyclingpapier gefüttert. Weil der Klimaschutz nur Sinn ergibt, wenn viele mitziehen, wollen die Allgäuer Vorbild für alle Schulen in Bayern sein. „Wir müssen erreichen, dass andere Schulen mitmachen“, sagt Klimakoordinator Klaubert. Er hat gemeinsam mit Hans-Jörg Barth vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu der Staatsregierung das Konzept Klimaschule vorgelegt. Damit soll der Ansatz aus Kempten im gesamten Freistaat Nachahmer finden. Schirmherr ist Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU). Doch damit nicht genug. Das Hilde, wie die Schüler ihr Gymnasium nennen, sucht Partnerschulen in Afrika, die über Solarmodule mit grünem Strom versorgt werden sollen. Das Geld soll aus Deutschland kommen. Einen besseren Vermittler als Müller finden sie dafür hierzulande nicht.

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