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Religion

27.01.2020

Kirchenaustritte erreichen in mehreren bayerischen Städten Rekordniveau

Immer mehr Menschen wenden der evangelischen und katholischen Kirche den Rücken zu. Die Zahl der Austritte steigt in Schwaben und Oberbayern.
Foto: Ingo Wagner, dpa (Symbol)

Plus Eine Stichprobe in schwäbischen und oberbayerischen Kommunen zeigt: Immer mehr Menschen kehren den Kirchen den Rücken. Woran liegt das?

Deutlich mehr Menschen treten aus den Kirchen aus. Dies lässt sich zumindest für den Zuständigkeitsbereich von Standesämtern großer Städte in Schwaben und Oberbayern belegen. Eine Stichprobe zeigt: Teilweise erreicht die Anzahl der Austritte Rekordniveau. Und das nach dem Jahr 2018, das für die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ein katastrophales war. 2018 traten in Bayern 64.000 Menschen aus der katholischen und 28.000 aus der evangelischen Kirche aus. Recherchen unserer Redaktion deuten auf eine ähnliche Entwicklung im Jahr 2019 hin.

Kirchenaustritte: Standesämter in Bayern stellen teilweise Rekorde fest

Beispiel Augsburg: 2019 sind dort nach Angaben des Standesamtes 2627 Menschen aus der katholischen und evangelischen Kirche ausgetreten. Das sind 465 mehr als 2018. „Wir stellen eine deutliche Zunahme fest“, berichtet die Pressestelle der Stadt. Auch in Ingolstadt vermeldet das Standesamt einen erneuten Rekord: Im vergangenen Jahr haben 1467 Menschen ihren Austritt erklärt – 106 mehr als 2018. Beim Standesamt in München erklärten im vergangenen Jahr 15.854 – und damit fast 2000 Menschen mehr als 2018 – ihren Austritt. Aufgrund der Münchner Bevölkerungsstruktur sei zweifellos die katholische Kirche stärker betroffen, heißt es aus der Pressestelle.

Eine ähnliche Entwicklung stellt die Verwaltung aus Neuburg an der Donau fest: „Aus den Zahlen und Daten der letzten Jahre geht ein stetes Ansteigen der Austritte hervor.“ Konkret sind in Neuburg 311 Menschen 2019 ausgetreten. Unsere Recherche erbrachte ähnliche Entwicklungen in Donauwörth im Landkreis Donau-Ries (2019 meldeten sich dort 162 ab), in der Stadt Nördlingen (169 traten aus) und in Neu-Ulm, wo die Zahl der Austritte von 499 auf 544 hinaufgeklettert ist.

Anhaltende Diskussionen über Missbrauchsfälle schaden der Kirche

Die Gründe, warum sich die Menschen von den Kirchen abwenden, werden in den Ämtern nicht erfasst. Ein Grund aber könnten die anhaltenden Diskussionen über die Missbrauchsfälle innerhalb der Kirchen sein. Zuletzt wurden kontrovers Entschädigungszahlungen an Opfer diskutiert.

Und auch im ländlich geprägten Allgäu haben die Kirchen mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen: In Memmingen sind im vergangenen Jahr 380 Menschen ausgetreten – 2018 waren es 300. Das sei der höchste Wert in den vergangenen zehn Jahren. In Kempten steht 2019 auch wieder ein Rekordwert in der Statistik: 709 Menschen sind ausgetreten – 123 mehr als 2018. Steigende Austrittszahlen melden auch Füssen (Ostallgäu) und die Stadt Kaufbeuren.

„Jeder Austritt tut weh und ich bedauere das“, sagt der Regionalbischof des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Augsburg und Schwaben, Axel Piper, auf Anfrage. Er sieht in den Austritten ein Statement dafür, dass die Dinge nicht richtig liefen und Fehler gemacht worden seien. „Die Kirche muss lernen, die Bedürfnisse, was die Menschen erwarten und wollen, besser zu verstehen und dann Antworten vor Ort zu finden“, sagt Piper. Viele Pfarrer in den Ortschaften leisteten gute Arbeit, beispielsweise bei Gottesdiensten und Beerdigungen. Auch in vielen Chören und musikalischen Projekten würden junge und ältere Menschen Werte, Orientierung und Bildung erhalten. Dennoch, das legt unsere Stichprobe nahe, scheinen die Angebote der Kirche viele Menschen nicht vom Austritt abzuhalten. Das katholische Bistum Augsburg möchte die Zahlen der Standesämter vorerst nicht kommentieren.

Studie: Zahl der Kirchenmitglieder sinkt drastisch

Eine Untersuchung der Universität Freiburg aus dem vergangenen Jahr scheint die aktuelle Entwicklung zu bestätigen: Demnach wird die Zahl der Mitglieder beider Kirchen in Deutschland drastisch – bis zum Jahr 2060 von 44,8 (2017) auf 22,7 Millionen sinken. Wissenschaftler führen das auf weniger Taufen, auf steigende Austrittszahlen und auf die alternde Bevölkerung zurück. 2018 lebten in Bayern 6,4 Millionen Katholiken und 2,4 Millionen Protestanten. Die Studie geht bereits für das Jahr 2035 bei der Mitgliederzahl der beiden Kirchen von einem Rückgang um zehn Millionen auf 35 Millionen aus.

Es muss aber nicht so kommen. David Gutmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, der bei der Freiburger Studie mitgewirkt hat, sagt: „Anfang der 1990er Jahre gab es im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Einführung des Solidaritätszuschlags ebenfalls viele Kirchenaustritte.“ Bis Mitte der 2000er Jahre sind die Zahlen dann allerdings wieder stark zurückgegangen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.01.2020

Wenn schon der Staat Zwangseintreiber für die katholische und evangelische Kirche spielt, verstehe ich beim besten Willen nicht, warum die Priestergehälter nicht von der Kirchensteuer, sondern von den öffentlichen Steuermitteln finanziert werden.

So werde ich als Atheist gezwungen, für diese Leute ebenfalls zu bezahlen.

Der einzige Vorteil der katholischen Kirche sind die vielen Feiertage. Ansonsten ist es für mich nur ein verlogener Verein. Sie verbietet ihren Priestern zu heiraten, zahlt aber Unterhalt für bis zu 3 unehelichen Kindern. Das nenne ich konsequent. :-)

In diesem Sinne

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27.01.2020

Wenn die Kirche dann die Kirchensteuer erhöht, weil's ja immer weniger wird !!
Dann bin ich auch weg !!!
Trennt endlich Kirche und Staat.

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