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Kitzingen
07.03.2019

Archäologen bergen 6500 Jahre altes Skelett in Unterfranken

Scott Tucker, Archäologe, sitzt an einer Ausgrabungsstelle neben dem 6500 Jahre alten Skelett aus dem Mittelneolithikum.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Auf einem Acker haben Archäologen ein Skelett aus der Jungsteinzeit gefunden. Für die Eigentümer des Grundstücks könnte die Bergung Millionen-Kosten bedeuten.

Jahrtausendelang fuhren Ackerpflüge knapp über seinen Kopf hinweg. Jetzt wurde Fred gefunden - und zwar erstaunlich gut erhalten. "Fred" nennen die Archäologen den Mann, der vor etwa 6500 Jahren lebte und dessen Grab sie Anfang März in Kitzingen fanden. Fred starb wohl im Alter von 20 bis 30 Jahren, sein Skelett ist fast unversehrt. Besonders die weißen, gleichmäßigen Zähne wirken beeindruckend. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt der leitende Archäologe, Scott Tucker.

Fred lebte in der Jungsteinzeit. Neben ihm fanden die Archäologen ein abgenutztes Steinbeil sowie Getreidesamen als Grabbeilage. Funde aus dieser Zeit, dem Mittelneolithikum, seien sehr selten, sagt Tucker. Dass Fred so gut erhalten ist, liege mit am hohen Kalkgehalt im Boden. Dadurch ziehe der Boden keinen Kalk aus den Knochen.

Das 6500 Jahre alte Skelett - dem die Archäologen den Spitznamen Fred gegeben haben - wurde während Bauarbeiten einer neuen Kelteranlage der Winzer Genossenschaft im Acker gefunden.
Foto: Daniel Karmann, dpa

6500 Jahre altes Skelett in Kitzingen gefunden - nicht ganz unerwartet

Dort, wo Fred gefunden wurde, will die Winzer Genossenschaft Franken eine neue Kelteranlage bauen. Bisher war das Gelände ein Acker, auf dem unter anderem Mais angebaut wurde. "Ein Wunder, dass das Grab die Arbeiten über ihm so gut überstanden hat", sagt die Sprecherin der Winzergenossenschaft, Meike Bock.

Die archäologischen Funde kamen nicht ganz unerwartet. Da es in der Umgebung bereits Derartiges gab, musste die Winzergemeinschaft den Boden vor dem Bau untersuchen lassen. Seit November überprüfen die Archäologen eines privaten Unternehmens das 13.000 Quadratmeter große Baugelände.

Sie fanden mehr als 50 Zeugnisse der Vergangenheit: Keramikscheiben, Speisereste, Flussmuscheln und mehrere Gräber. Fred lag nicht alleine auf der Kitzinger Anhöhe. Auch ein etwa zwölfjähriger Junge war dort beerdigt, außerdem mindestens zwei weitere Personen. Die Gräber stammen aus ganz unterschiedlichen Zeiten. Der Junge lebte vor rund 4500 Jahren, also 2000 Jahre nach Fred. "Seine Bestatter wussten vermutlich nicht, dass es hier schon früher Gräber gab", sagt Tucker.

6500 Jahre altes Skelett soll in München untersucht werden

Fred wurde mit angewinkelten Beinen bestattet, ein sogenanntes Hockergrab.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Für die Funde mussten die Archäologen nur 30 bis 40 Zentimer Humus abtragen. "In Unterfranken hat sich im Boden über die vergangenen Jahrtausende nicht viel getan", sagt Tucker. In Regionen mit Vulkanausbrüchen und ähnlichen Erdverschiebungen müsse man meist tiefer graben.

Fred wurde mit angewinkelten Beinen bestattet, ein sogenanntes Hockergrab. Hockergräber waren eine von vielen Bestattungsformen in der Jungsteinzeit, erklärt Heidi Peter-Röcher, Professorin für vor- und frühgeschichtliche Archäologie an der Universität Würzburg. Die Bedeutung sei noch unklar. Manche Theorie besage, dass Hockergräber an die Geburtsposition erinnern oder an die Schlafposition.

Damit Fred in seiner Bestattungsposition bleiben kann, heben ihn die Archäologen "im Block". Das heißt, sie schneiden ein komplettes Stück Land aus dem Boden. Dafür haben sie einen Graben ausgehoben und eine Holzkiste um Fred herum gebaut. In den kommenden Tagen soll er zur genauen Untersuchung nach München gebracht werden.

Skelett-Fund könnte Millionen-Kosten bedeuten

Für die Winzergemeinschaft ist der Fund spannend, aber auch eine Herausforderung. Nicht nur weil die Kelteranlage eventuell nicht rechtzeitig zur Weinsaison 2020 fertig wird - sondern auch weil der Fund hohe Kosten bedeutet. Laut Bayerischem Denkmalpflegeamt gilt es als zumutbar, dass ein Grundstückseigentümer Grabungskosten von bis zu 15 Prozent der Baukosten trägt. "Da die Kelteranlage durch die ganze Technik zwölf bis 14 Millionen Euro kostet, ist das in unserem Fall besonders viel", sagt Winzersprecherin Bock.

Dafür dürfen die Winzer Fred anschließend auch behalten. Als einziges Bundesland hat Bayern die Regelung, dass ein archäologischer Fund dem Grundstückseigentümer und Finder gehört, nicht dem Staat. Da allerdings auch die Aufbewahrung und Pflege Freds mit hohen Kosten verbunden sein wird, wissen die Winzer noch nicht, ob sie ihn behalten werden oder ob sie ihn an ein Museum geben.

Die Museen dürften gerade mehrere Angebote bekommen - wenn auch nicht immer so außergewöhnliche. Wegen der wachsenden Zahl an größeren Baumaßnahmen steigt auch die Zahl der Grabungen. 2018 war mit 770 Ausgrabungen ein Rekordjahr, teilt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit. Fred könnte also bald Gesellschaft bekommen. (dpa)

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07.03.2019

Solche Funde begeistern und sind ein wertvoller Betrag um unsere Geschichte zu verstehen.

Was mich erschreckt ist der Hinweis auf die Kosten, die den Grundbesitzer treffen könnten?
Ist das auch so ein Gesetz, das dem gesunden Menschenverstan widerspricht, wie das von dem "Straßenausbaubeitrag"?
Gott-sei-Dank hat hier mal nach vielen Jahrzehnten der geistigen Umnachtung, der gesunde Menschenverstand EINMAL gesiegt!

Bei archäologischen Funden ist es doch ähnlich? Man soll froh sein, wenn so etwas gefunden wird und der Grundbesitzer so etwas meldet, damit die Menschheit etwas davon erfährt!
Wenn die Wissenschaft das braucht - dann soll die Wissenschaft das auch bezahlen!
Wenn es der Allgemeinheit dient - was ausser Frage steht - dann soll das auch die Allgemeinheit zahlen!
Es ist schon schlimm genug, wenn der Grundeigentümer auf den Kosten für Bauverzögerung und anderen Nebenkosten sitzen bleibt!

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