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Tiere

30.10.2017

Kleine Pferde ganz groß

Irene Weber auf einem ihrer Islandpferde.
Bild: Weigel, dpa

Islandponys sind kaum wo so beliebt wie in Deutschland. Ein Ehepaar aus der Oberpfalz zählt zu den erfolgreichsten Züchtern und erklärt, was die Vierbeiner so außergewöhnlich macht

Islands Fußballnationalmannschaft wurde im vergangenen Jahr zum „Europameister der Herzen“ – und die Insel im Nordatlantik hat einen echten Exportschlager: kleine Pferde mit besonderen Gangarten. Vor allem in Deutschland sind die Vierbeiner beliebt.

Die Mähne weht, die Hufe trommeln im Viertakt über den Boden und die Reiter sitzen relativ ruhig im Sattel. Irene und Uli Reber aus dem Nordosten Bayerns demonstrieren, was am Islandpferd besonders ist: der Tölt. Die Pferderasse hat neben Schritt, Trab und Galopp zwei Gänge mehr – Tölt und Rennpass. Die speziellen Gangarten seien sicher einer der Hauptgründe, warum die kleinen Pferde so beliebt sind, sagen die Rebers, die zu den erfolgreichsten Turnierreitern und Züchtern in Deutschland gehören.

„Tollen Tölt“ zu reiten, sei für ihn das Schönste, sagt Uli Reber, 57. „Das Temperament vom Pferd, die Bewegungen, die durch den Körper gehen – man kann sich das eigentlich gar nicht vorstellen, dass es so ist, wenn man es noch nie erlebt hat.“ Hierzulande boomt die Rasse seit Jahrzehnten. Deutschland ist nach Island das wichtigste Zuchtland. „Es ist fast die einzige Rasse, die immer noch Zuwächse verzeichnet“, sagt Ulrich Döing, Präsident des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbandes. Um die 65000 Tiere gebe es hierzulande; sein Verband zähle inzwischen 25000 Mitglieder und sei damit der größte Verband von Islandpferde-Reitern weltweit.

Diese Nachfrage spüren auch die Rebers. „Der Betrieb ist immer größer geworden und war trotzdem immer ausgebucht“, sagt Irene Reber. Ihr Mann ist mit Islandpferden aufgewachsen. Sein Vater holte in den 1960er Jahren als einer der Ersten die Tiere nach Deutschland. Nun leben auf dem Lipperthof in Püchersreuth in der Oberpfalz etwa 200. Viele Reiter stiegen wegen des Tölts auf Isländer um, etwa wenn sie einen Bandscheibenvorfall hatten, berichtet Verbandschef Döing. „Wenn man einmal so fast erschütterungsfrei durch den Wald geschwebt ist, dann mag man ja fast nichts anderes mehr tun“, sagt der 61-Jährige.

Auch in Shows – etwa bei der am 31. Oktober startenden Messe „Faszination Pferd“ in Nürnberg – begeistern die Pferde das Publikum. Die Gangart Tölt kann nicht antrainiert werden, sondern ist Veranlagungssache. Nur die sogenannten Fünfgänger unter den Islandpferden beherrschen neben dem Tölt auch den Rennpass – eine Gangart, die nur auf kurzen Strecken geritten wird. Die schnellsten Pferde erreichen hier bis zu 50 Stundenkilometer. „Das ist Adrenalin pur“, sagt Uli Reber.

Neben den speziellen Gängen und dem hübschen Aussehen mit Puschelmähne zeichne sich die Rasse vor allem durch ihren guten Charakter aus, sagt Irene Reber. Dieser sei in der Heimat der Pferde, der rauen Insel im Nordatlantik, durch rund 1000 Jahre Reinzucht und strenge Selektion entstanden. „Das Islandpferd war dort immer ein Gebrauchspferd“, sagt die 53-Jährige. Wenn es nicht funktionierte, wurde es gegessen, ergänzt Ausbilderin Andrea-Katharina Rostock. Uli Reber meint: „Außerdem trifft das Naturverbundene vielleicht auch ein bisschen den Zeitgeist.“

Für ihre Leidenschaft müssen Liebhaber der meist nur 1,30 Meter bis 1,45 Meter hohen Islandpferde übrigens tief in die Tasche greifen. Ein gutes sechsjähriges Freizeitpferd koste 10000 bis 12000 Euro, sagt Uli Reber. Ein Mischlingspony bekomme man schon für 1500 bis 2000 Euro. Catherine Simon, dpa

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