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Prozess in Augsburg

27.10.2020

Königsplatz-Prozess: Halid S. prahlte im Knast mit seiner Gewalttat

Am 6. Dezember 2019 starb ein Mann am Augsburger Königsplatz. Halid S., ein Jugendlicher aus dieser Gruppe, hatte ihn niedergeschlagen.
Bild: AZ Archiv

Plus Wie aggressiv ist der Hauptangeklagte vom Augsburger Königsplatz? Die Kumpels sagen: gar nicht. Doch extreme Gewaltvideos und sein Verhalten im Gefängnis zeichnen ein anderes Bild.

Seine Freunde beschreiben ihn als ruhig und nett. Als jemanden, der gut zuhören kann. Aggressiv sei er nie gewesen. Doch das scheint nicht die ganze Wahrheit zu sein. Halid S., der den tödlichen Faustschlag gegen Roland S. am Augsburger Königsplatz führte, hatte brutalste Gewaltvideos auf seinem Handy und fiel im Gefängnis durch aggressives Verhalten und eine Menge Ärger auf. Er soll sich sogar damit gebrüstet haben, schon einen Menschen totgeschlagen zu haben.

Königsplatz-Schläger Halid S. fiel im Knast durch seine Aggression auf

So berichten es Verantwortliche des Jugendknasts Neuburg-Herrenwörth, wo der 17-Jährige die vergangenen zehn Monate verbracht hat. In kurzer Zeit hat der junge Mann die stattliche Zahl von mehr als 30 pädagogischen Maßnahmen und zehn Disziplinarverfahren angesammelt. Vier Mal wurde S. in andere Abteilungen verlegt, schildert der Gefängnischef. Das sei ungewöhnlich viel. Aber es habe immer wieder „krisenhafte Zuspitzungen“ und „besondere Dynamiken“ gegeben – und zwar sowohl gegenüber Mitgefangenen als auch Bediensteten. Die JVA-Bediensteten hätten die Bildung „subkultureller Strukturen“ um Halid S. beobachtet. „Das kann man in einer Jugendanstalt nicht laufen lassen.“ Zu Schlägereien oder Bedrohungen sei es nicht gekommen, wohl aber zu Auseinandersetzungen, sagt der Gefängnischef, der Diplom-Psychologe ist.

Halid S. sei sehr schnell zornig geworden. In den zehn Monaten seiner U-Haft habe er sich 75 Tage in Absonderung befunden. „Das habe ich in 30 Berufsjahren nicht erlebt“, so der JVA-Leiter. Ein Gefängnismitarbeiter berichtet, wie Halid S. einmal sogar mit seiner Tat vom Kö geprahlt habe: „Ihr seid kleine Wichtigtuer, ich habe schon einen totgeschlagen“, hat der 17-Jährige demnach zu Mithäftlingen gesagt.

Auf seinem Handy hatte Halid S. widerwärtige Videos

Auch andere Zeugen bestätigen das Bild vom ruhigen, netten Kerl eher nicht. Ein Polizist, der die Handys der Angeklagten ausgewertet hat, berichtet von Videos mit extremen Gewaltdarstellungen auf dem Smartphone des jungen Mannes. In einem der Filme sei beispielsweise gezeigt worden, wie ein Hund einem Mann bei lebendigem Leib die Genitalien abgefressen habe. In einem anderen Video sei eine dunkelhäutige Frau bei lebendigem Leib enthauptet worden. Wer allerdings wann und woher diese Videos geladen hat, konnte nicht genau ermittelt werden. Auch Filmchen von Prügeleien und Fotos von Verletzungen, die aus realen Auseinandersetzungen stammten, wurden gefunden.

 

Der Sachbearbeiter der Augsburger Kripo schildert die Gruppe um Halid S. als aggressiv und gewaltbereit. Die Heranwachsenden seien in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder in Auseinandersetzungen verwickelt gewesen. Einmal habe ein Streit mit einer schweren Stichverletzung an der Hüfte eines Beteiligten geendet. Ein Täter wurde nie gefunden. Aber als die Polizei kam, wurden zwei der Angeklagten am Tatort angetroffen. In einem anderen Fall habe sich ein Anwohner beschwert, dass die Gruppe zu laut war und Flaschen auf Autos abstellte. Auf seine Ermahnung hin habe S. eine Flasche geworfen, die neben dem Fenster eingeschlagen sei.

Zwischenzeitlich drohte der Prozess um den tödlichen Schlag am Königsplatz zu platzen

Am Dienstagvormittag war der Prozess um die tödliche Gewalttat ins Stocken geraten. Ein Schöffe der Jugendkammer hatte darauf hingewiesen, dass er mit dem Kriminalhauptkommissar befreundet ist, der Hauptsachbearbeiter in dem Fall ist. Die Frage stand im Raum, ob der Mann befangen ist. Sogar ein Platzen des aufsehenerregenden Prozesses stand im Raum, denn ein Ersatzschöffe ist nicht im Einsatz. Die Verteidiger der drei angeklagten jungen Männer reagierten sehr überrascht auf die Mitteilung des Gerichts. Anwalt Moritz Bode war sauer: „Es kann doch nicht sein, dass wir so etwas in einem bundesweit beachteten Verfahren erst jetzt erfahren.“

Nachdem der Schöffe jedoch einen umfangreichen Fragenkatalog beantwortet und Staatsanwalt Michael Nißl einen Ausschluss des Schöffen aus rechtlichen Gründen abgelehnt hatte, verzichteten die Verteidiger auf einen Befangenheitsantrag. Der Prozess konnte fortgesetzt werden.

In dem Verfahren wird die tödliche Gewalttat am Augsburger Königsplatz vom Nikolausabend 2019 verhandelt. Die drei Angeklagten haben ein Geständnis abgelegt. Einer der jungen Männer aus einer siebenköpfigen Gruppe hatte den 49-jährigen Roland S. nach einer Zigarette gefragt. Der habe mit „Halt die Schnauze“ geantwortet und den Jugendlichen weggestoßen. Daraufhin versetzte Halid S. dem Feuerwehrmann einen Faustschlag gegen den Kopf. Durch die Wucht des Schlags riss eine Hirnschlagader. S. starb am Tatort. Der Freund von Roland S. erlitt bei der anschließenden Prügelei schwere Kopfverletzungen.

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28.10.2020

Journalistisch korrekt müsste die Überschrift mindestens mal einen Konjunktiv I (indirekte Rede) enthalten, aber den gibt es bei der AZ wohl nur für Aussagen der anderen Seite.

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28.10.2020

.
Konjunktiv ergibt doch nicht den wohl erwünschten

fetten knackigen Ttitel .....
.

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28.10.2020

>> berichtet von Videos mit extremen Gewaltdarstellungen auf dem Smartphone des jungen Mannes. In einem der Filme sei beispielsweise gezeigt worden, wie ein Hund einem Mann bei lebendigem Leib die Genitalien abgefressen habe. In einem anderen Video sei eine dunkelhäutige Frau bei lebendigem Leib enthauptet worden. <<

IS Bezug? Oder gibt es auch andere Gruppen die solche Videos erstellen und teilen?

Im Gesamtzusammenhang erscheint nun die durchgehende U-Haft absolut angemessen.

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28.10.2020

Die war doch für diesen Täter nie in Frage gestellt.

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28.10.2020

Wichtig ist nicht die Länge der Haftstrafe sondern eine anschließende Sicherheitsverwahrung.

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28.10.2020

>> Die war doch für diesen Täter nie in Frage gestellt. <<

Da muss ich Sie berichtigen Frau S. - und Herr Zagler war da auch nicht alleine.

https://www.daz-augsburg.de/kommentar-zum-gewaltakt-am-koenigsplatz-warum-die-sieben-inhaftierten-jungen-maenner-politische-gefangene-sind/

>> Aktuell muss man davon ausgehen, dass die sieben jungen Männer politische Gefangene sind. <<

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28.10.2020

Kann es sein, dass sie nicht wissen was viele Jugendliche auf ihrem Handy haben ob nun Gewalt- oder Sexvideos und damit auch noch prahlen.
Man sollte das nicht überwerten und so tun als wäre es der einzige Jugendliche mit Gewaltvideos auf dem Handy.

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29.10.2020

Herr M. Sie sollten diese herausragenden Gewaltvideos nicht völlig sachwidrig mit Pornos auf eine Stufe setzen.

Und nein, es gibt nicht viele Jugendliche die Enthauptungsvideos auf ihren Handys haben.

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29.10.2020

Lieber Peter P.,

"Herr M. Sie sollten diese herausragenden Gewaltvideos nicht völlig sachwidrig mit Pornos auf eine Stufe setzen."

Es mag ja sein, dass sie es einfach nicht verstehen wollen. Gewaltvideos und Pornos sind auf vielen Handy der Jugendlichen. Das ist keinesfalls sachwidrig, sondern ganz einfach Tatsache. Im Übrigen häufen sich vor allem Nazi-Sticker und rechtsextreme Gewalttaten auf den Handy der Jugendlichen.

"Und nein, es gibt nicht viele Jugendliche die Enthauptungsvideos auf ihren Handys haben."
Gewalttaten häufen sich auf den Handy der Jugendlichen ob sie es nun wahrnehmen oder nicht. Informieren sie sich doch bei Schulen und der Polizei, denn das Verbreiten dieser Videos ist strafbar.
Vielleicht helfen diese Information ihnen etwas weiter:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Immer-mehr-Gewalt-und-Pornovideos-auf-Kinder-Handys,gewaltaufdemhandy100.html

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29.10.2020

Doch ich verstehe sehr gut, dass Sie hier erneut eine sachwidrige Relativierung des Enthauptungsvideos mit Pornos anstreben und dies nicht gerade überraschend nun mit irgendwelcher NS Symbolik auf den Handys Jugendlicher zu unterstreichen versuchen. Das Gros der Beobachter wird in den Ausführungen des Gefängnisdirektors die Besonderheit des hier besprochenen Angeklagten erkennen.

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29.10.2020

Wann wollen sie denn ihre widerlichen Unterstellungen endlich unterlassen. So schwer ist es nicht Tatsachen zu akzeptieren.
Einseitige Betrachtungen im Königsplatz-Prozess gibt es doch schon mehr als genug und es wird Zeit die Füße still zu halten und abzuwarten was letztendlich das Gericht entscheidet.

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