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Augsburger Friedensgespräch

08.01.2020

Können die christlichen Kirchen Deutschland zusammenhalten?

Zum Augsburger Friedensgespräch trafen sich gestern Abend Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (links) und Kardinal Reinhard Marx.
Bild: Ulrich Wagner

Beim Friedensgespräch in Augsburg beschwören Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Ausstrahlung des Christentums.

Werden die Kirchen eines Tages in Deutschland keine Bedeutung mehr haben? Drohend stand die Frage beim Gipfelgespräch ihrer obersten Repräsentanten am Mittwochabend im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses im Raum. „Lasst uns nicht verliebt sein in den Untergang! Die Ausstrahlung der Kirchen hängt nicht an ihrer Mitgliedschaft. Sie haben der Zivilgesellschaft ein starkes Orientierungswissen anzubieten“, beteuerte der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Augsburger Friedensgespräch: Kardinal Reinhard Marx über die Würde des Menschen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Münchner Kardinal Reinhard Marx hob auf die besondere Würde des Menschen ab, die aus dem Glauben an Jesus Christus folgt: „Es gibt eine Verantwortung für den Menschen, die nicht von uns selber kommt.“ Dieser Glaube bewahre davor, sich selbst zu Gott aufzuschwingen. Die Gestalt des Christentums könne sich ändern, die heutige sei nicht die einzig mögliche. Sie müsse auch nicht die Gesellschaft dominieren: „Jesus sagt: Ihr seid das Salz in der Suppe, ihr seid nicht die ganze Suppe.“

Die Stadt hat ihre „Augsburger Friedensgespräche“ in Erinnerung an den hier 1555 geschlossenen Religionsfrieden aufgelegt. Bürgermeisterin Eva Weber zeigte sich davon überzeugt, dass die Kirchen gute und überzeugende Antworten liefern können, auch wenn sie von Krisen, Skandalen und Mitgliederschwund gebeutelt werden.

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Kardinal Marx: Religion kann manchmal auch Teil des Problems sein

Die Kirchen könnten noch immer zum Frieden beitragen, es liege in ihrer DNA, Versöhnung zu stiften, sagte Bedford-Strohm. Staunend beobachtet er, wie weit die Ökumene gediehen sei. „Wir haben das Reformationsjubiläum 2017 gefeiert, ohne die anderen klein zu machen. Dafür muss man dankbar sein.“ Wenn heute die evangelische Kirche kritisiert werde, weil sie für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintritt, „ist mir das sehr viel lieber, als dass sie Menschen gegeneinander aufbringt“, sagte Bedford-Strohm.

Laut Kardinal Marx kann Religion heute aber auch Teil des Problems sein, wo sie zu Abgrenzung und Nationalismus missbraucht werde. „Manchmal muss man sagen: Stoppt die Religion!, wenn sie gegen Menschen gerichtet ist.“ Religion sei eben „ein großes Schwungrad der Emotionen“.

Wie die christlichen Kirchen die Gesellschaft zukunftsfähig machen wollen

Marx forderte deshalb eine Evangelisierung. „Schauen wir neu auf Jesus Christus, auf seine Liebe zu den Menschen!“ Wo Angst verbreitet wird, könne das Evangelium nicht wirken. Bedford-Strohm unterstrich dies: „Was die Kirchen sagen, sind nicht nur harmonisierende Appelle. Die Liebe, die Jesus Christus lebte, hat extrem starke Auswirkungen darauf, wie wir als Menschen einander begegnen.“

Es geht um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer offenen Gesellschaft, meinte Marx. Die Kirchen sagen: Wir bewohnen ein gemeinsames Haus. Doch der Wille zur Gemeinsamkeit stehe inzwischen in Deutschland auf der Kippe. Marx: „Dreißig Prozent sagen bereits, es solle mal einer so richtig durchgreifen…“

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.02.2020

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wie er leibt und lebt:

"Die Kirchen sagen: Wir bewohnen ein gemeinsames." Wir?

"Jesus sagt: Ihr seid das Salz in der Suppe, ihr seid nicht die ganze Suppe."

Sagt Jesus das? Nein, sagt er nicht. Doch das dürfte Kardinal Reinhard Marx sehr wohl wissen. Vielmehr sagt Jesus laut Evangelium - gleich im Anschluß an die Seligpreisungen der Bergpredigt - zu seinen Jüngern:

"Ihr seid das Salz der Erde ..." (Mt 5, 13).

Das "Salz der Erde", wohlgemerkt! Und keineswegs das Salz in der Suppe. Wozu "das Salz in der Suppe" da ist, weiß freilich so gut wie jeder. Doch es kommt nicht von ungefähr, daß Jesus an dieser Stelle nicht zu jederman spricht, sondern ausschließlich zu seinen Jüngern. Und auch das erst dann, nachdem diese ihm auf seinem Weg gefolgt sind und zu ihm treten:

"Als er aber die Volksscharen sah, stieg er auf den Berg, und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm ..." (Mt 5, 1 ff).

Wie auch könnten die Jünger "Salz der Erde" sein, wenn sie auf nichts anderes bedacht wären als auf das, was auf der Erde Geltung beansprucht? Ob es nun "um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer offenen Gesellschaft" gehe, wie Marx - so der Verfasser des Artikels - meinte oder daß "wir" - wer immer auch das sein mag - "ein gemeinsames Haus" bewohnen.

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09.01.2020

Die Kirchen sagen: Wir bewohnen ein gemeinsames Haus. ???
Die in Luxus und das Schäfchen ist der Dumme !!

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08.01.2020

Gut das ich in diesen Verein nicht mehr einzahle. Die Kirchen hatten doch Milliarden in die Missionen von Afrika gesteckt, anscheinend ohne Erfolg. Da hilft jetzt die Schleussung auf dem Mittelmeer auch nicht weiter.

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08.01.2020

Leider wieder einmal eine stumpfe Doppelspitze.

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