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Party-Droge

17.01.2012

Koffeinpulver schnupfen: So stark wie 200 Tassen Kaffee

Jährlich greifen weltweit rund 200 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren zu illegalen Drogen. Das ist etwa jeder Zwanzigste. Foto: Patrick Pleul/Archiv dpa
Bild: Patrick Pleul/Archiv dpa

Koffeinpulver macht wach. So sehr, dass zwei Jugendliche deswegen sogar im Krankenhaus behandelt werden mussten. Sie hatten das Pulver geschnupft.

Tanzen bis das Licht angeht, keine Sekunde des kostbaren Wochenendes verpassen: Fit sein ist für Partywütige am Wochenende ganz wichtig. Deshalb gibt es immer wieder neue Versuche, sich wachzuhalten.

Am Klinikum Passau mussten in den vergangenen Wochen zwei junge Erwachsene nach dem Schnupfen von Koffeinpulver stationär behandelt werden. Das berichtet die "Am Sonntag". Koffein gehört eigentlich zu den legalen Aufputschmitteln. Allerdings nur im Kaffee oder in Energy-Drinks. Dann nimmt die kognitive Leistung nimmt zu, Müdigkeit verschwindet.

Bei dem Koffeinpulver, dass die Jugendlichen geschnupft hatten, handelt es sich um pharmazeutisch hergestelltes Koffein, das man als Tabletten oder Pulver kaufen kann. Gefährlich hohe Dosierungen sind hier ohne weiteres möglich.

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Der Tod kommt mit zehn Gramm Koffein

"Eine Tasse Kaffee enthält 50 bis 100 Milligramm Coffein, toxische Erscheinungen treten ab 0,5 bis 1,0 Gramm auf (also fünf bis zehn Tassen), tödliche Verläufe sind ab 5 bis 10 Gramm möglich (also 50 – 200 Tassen) beschrieben", erläutert Dr. Michael Wittmann, Funktionsoberarzt der II. Medizinischen Klinik in Augsburg. Die Klinik ist unter anderem für Patienten mit Vergiftungen zuständig. In Pulverform, zum Beispiel in ein Getränk gemischt seien bei „fehlerhafter Anwendung" solche Dosierungen durchaus möglich. "Es gibt im Internet zum Beispiel Packungen von zwei bis 3000 Gramm zu kaufen", berichtet Wittmann.

Eine solche Überdosierung kann durchaus tödliche Folgen haben: von innere Unruhe über Epilepsien und Bewusstseinstörungen bis hin zum Koma. Und sogar Herzrasen, im Extremfall Herzstillstand  oder Luftnot mit schneller Atmung oder Nierenversagen seien möglich.

Koffein hat Merkmale eines abhängig machenden Suchtmittels

Normalerweise wird Koffein als Substanz im Kaffee über den Magen-Darm-Trakt als Getränk aufgenommen. "Es kann aber auch geschnupft werden", sagt Michael Wittmann. Bei Aufnahme über die Nasenschleimhäute ist die Wirkung deutlich schneller und heftiger. Zudem könne es zu Nasenschleimhautreizungen kommen.

Auch wenn Koffein legal zu kaufen ist, besitzt es Merkmale eines abhängig machenden Suchtmittels. "Die Wirkung lässt bei gleichbleibender Dosierung nach. Außerdem kann es zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit mit Entzugserscheinungen von kurzer Dauer wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Unkonzentriertheit und depressiven Verstimmungen kommen", erklärt der Oberarzt. Das treffe allerdings auch auf Kaffeetrinker zu, die sehr große Mengen Kaffee zu sich nehmen.

Im Klinikum in Augsburg mussten bislang keine Patienten, die Koffeinpulver geschnupft hatten, behandelt werden.

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