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12.03.2009

Kommentar: Die Geste des Pastes

Von Walter Roller Die deutsche Kanzlerin ist den deutschen Papst und Landsmann eine Spur zu hart angegangen. Überhaupt war die deutsche Kritik, die im Streit um die obskure Pius-Bruderschaft an Benedikt XVI. geübt wurde, teils maßlos überzogen. Den Papst auch nur in die Nähe antisemitischen Gedankenmülls zu rücken, das war jedenfalls ein starkes Stück.

Trotzdem ist die Aufforderung des Kölner Kardinals Meisner an die katholischen Kritiker, sich beim Papst formell zu entschuldigen, fehl am Platz. Es war schließlich der Vatikan, der mit seinem haarsträubenden Verhalten im Fall des Holocaust-Leugners Williamson den Sturm der Entrüstung provoziert hat.

Wer einen Bischof, der den Massenmord an den Juden hartnäckig bestreitet, in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen versucht, fordert kritische Nachfragen geradezu heraus und fügt dem Ansehen der katholischen Kirche in fahrlässiger Weise Schaden zu. Das hätten der Papst und seine Behörde bedenken müssen, als sie den abtrünnigen Pius-Brüdern mitsamt dem unsäglichen Judenfeind Williamson die Hand zur Versöhnung reichten.

Der Papst weiß, dass dem Vatikan ein schwerer Fehler unterlaufen ist - und räumt dies nun nach langem Schweigen in einem Schreiben an die Bischöfe ein. Es ist ein ungewöhnlich offener, sehr persönlich gehaltener Brief. Eine große Geste, die von geistiger Größe zeugt. Sie wird helfen, die Wogen zu glätten und Benedikts Motive besser zu verstehen. Allerdings ändert dieser Brief nichts an den grundsätzlichen Differenzen, die es zwischen dem in der Tradition verwurzelten deutschen Papst und den der Moderne zugeneigten deutschen Katholiken hinsichtlich des Kurses der Kirche gibt.

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