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Jetzt nicht nachlassen: Corona-Tests sind wirksam gegen die Pandemie

Kommentar Von Stephanie Sartor
22.06.2021

Tests sind nach wie vor ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Wir müssen aufpassen, denn vor Szenarien wie in Portugal sind wir nicht gefeit.

Man muss ja nur nach Portugal blicken: Anfang Mai lagen die Inzidenzzahlen in Lissabon bei knapp über 20. Jetzt, nur wenige Wochen später, liegen sie wieder bei knapp 180, die Stadt wurde vorübergehend abgeriegelt. Der Grund: Die hochansteckende Delta-Variante breitet sich rasant aus. Vor so einem Szenario ist Deutschland nicht gefeit. Deswegen darf nun nicht nachgelassen werden.

Tests sind nach wie vor ein wirksames Mittel, um Infektionsketten zu entdecken und aufzubrechen – gerade mit Blick darauf, dass es auch in Deutschland immer mehr Delta-Fälle gibt. In nur einer Woche hat sich ihr Anteil an allen Infektionen fast verdoppelt. Das ist beunruhigend.

Man sollte sich nicht auf dem Erreichten ausruhen

Dass derzeit weniger getestet wird als noch vor ein paar Wochen, ist natürlich durchaus nachvollziehbar. Wer ins Restaurant oder in den Biergarten will, der braucht kein negatives Testergebnis mehr – und zwar nirgendwo in Bayern. Schließlich liegen alle Landkreise unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50. Doch so schön dieses einigermaßen normale Leben ist, auf dem Erreichten sollte man sich jetzt nicht ausruhen.

Es ist deshalb richtig, dass in den Schulen nach wie vor getestet wird. Und man kann es eigentlich nicht oft genug sagen: Wer hüstelt, Halsweh oder Fieber hat, der sollte sich testen lassen, bevor er engeren Kontakt mit anderen Menschen hat – oder am besten auf ein Treffen mit den Freunden komplett verzichten.

Denn noch sind nicht genügend Menschen geimpft, um ein wirklich standhaftes Bollwerk gegen das Virus zu bilden. Und die große Frage ist, ob wir es schaffen, rechtzeitig genügend Menschen eine Impfung anzubieten, bevor Delta auch hier die dominierende Variante ist.

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23.06.2021

Wieso ist es beunruhigend, wenn sich die Delta-Variante verbreitet? Das ist die normale Entwicklung eines Virus im Laufe einer Pandemie. Entscheidend ist doch, ob sich das Krankheitsbild verändert.

Aus England weiß man (Quelle: https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/994839/Variants_of_Concern_VOC_Technical_Briefing_16.pdf), dass die Deltavariante - die dort mittlerweile einen Anteil von über 90 % ausmacht - offensichtlich einen Übertragungsvorteil hat, aber bisher weniger tödlich ist, wie die Vorgängervarianten. Die Fall-Todes-Rate liegt für die Vorgängervarianten bei ca. 2 %, für die Deltavariant bei 0,3 %. Dass kann am Virus selbst liegen (übertragbarer, aber weniger gefährlich), das kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Risikogruppen geimpft sind (50 % in UK sind voll geimpft, in Deutschland sind es rund 30 %).

Hinsichtlich Massentestungen laufen die Meinungen auseinander. Auf der einen Seite stehen hohe Kosten (laut kassenärztlicher Vereinigung Hamburg kostete das Auffinden eines Infizierten im Mai im Schnitt 27.000 EUR), während man auf der anderen Seite kaum infizierte Personen findet (in der Stadt Hagen in NRW fand man beispielsweise in der zweiten Juniwoche von rund 30.000 Schnelltests 6 Positivgetestet, davon konnten nur 3 mittels PCR bestätigt werden).

Das große Problem: Schnelltests sind i. d. R. nicht geeignet, symptomlose Menschen zu testen. Zudem steigt der Anteil falsch-postiver Fälle, wenn die Prävalenz (das Vorhandensein von Infektionen in der Gesamtbevölkerung) wie derzeit recht niedrig ist.

Konsequenz sollte sein => keine anlasslosen Massentestungen, stattdessen regelmäßige Tests für Leute mit Erkältungs-Symptomen. Massentests könnten z. B. nach den Sommerferien zu Schulbeginn sinnvoll sein. Vielleicht sollte man sich die Tests bis dahin aufsparen und hinsichtlich Tests verstärkt auf die Eigenverantwortung appelieren (im Gegenzug für weniger Grundrechtseinschränkungen bzw. mehr Freiheiten und weniger Regulierung).

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