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Augsburg

09.11.2018

Kommt ein Tempolimit auf der A8?

Wegen der steigenden Zahl an Unfällen werden zwischen München und Augsburg Schilderbrücken zur Verkehrsbeeinflussung geplant.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbol)

Plus Auf der A8 zwischen Ulm und München kommt es immer häufiger zu schweren Unfällen. Tempolimits sind in Planung - was das konkret bedeutet.

Immer wieder kommt es auf der A8 in der Region zu schweren Unfällen und in deren Folge zu stundenlangen Staus. Inzwischen mehren sich auch in der Politik die Stimmen nach einem Tempolimit. Sei es temporär oder dauerhaft.

So spricht sich unter anderem die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr (SPD) aus Stadtbergen für ein generelles Tempolimit von 120 Stundenkilometer auf der kompletten A8 zwischen dem Kreuz Ulm-Elchingen und München aus. Das sei bei der momentanen Verkehrsdichte dringend erforderlich, sagt sie. „Auch aus Sicherheitsgründen benötigen wir ein Tempolimit, wie die jüngsten Fälle zeigen“, sagt Strohmayr. In der Schweiz gebe es auf Autobahnen ein Limit von 120 Stundenkilometern – so etwas könne sie sich auch hierzulande vorstellen.

Der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz (CSU) aus Neusäß sieht ebenfalls Bedarf für eine Temporegelung: „Es muss dringend etwas getan werden.“ Durz will aber – wie das bayerische Verkehrsministerium – keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung. Er hält sogenannte Telematikanlagen, die den Verkehr zumindest im gesamten Großraum Augsburg flexibel regelen, für sinnvoller. Die Technik könne vollautomatisch die je nach Verkehrsdichte erforderliche Geschwindigkeit errechnen oder auf Gefahrensituationen reagieren.

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So teuer sind elektronische Geschwindigkeitsanlagen 

Verkehrsminister Joachim Herrmann teilte zuletzt mit, der Freistaat Bayern habe gegenüber dem schlussendlich entscheidenden Bundesverkehrsministerium nicht nur die A8 rund um Augsburg, sondern auch den Bereich bis zur Anschlussstelle München-Obermenzing geltend gemacht. Inzwischen hat das Bundesverkehrsministerium die Planungen genehmigt, die zuständige Autobahndirektion Süd kann also mit der Arbeit starten. Ganz billig wird das Projekt nicht, heißt es da. Die Kosten belaufen sich nach Schätzung der Fachleute pro Kilometer auf mindestens eine Million Euro. Auch der Betrieb sei teuer. Allein die Personalkosten für einen Vier-Schicht-Betrieb zur Kontrolle würden sich auf etwa eine halbe Million pro Jahr summieren.

Die Autobahndirektion Südbayern hat eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung bereits in Auftrag gegeben. Damit soll nachgewiesen werden, welche Kosteneinsparung sich durch vermiedene Unfälle und Staus ergeben und in welchem Verhältnis sie zu den Herstellungs- und Betriebskosten einer Anlage stehen.

Für eine finanziell günstigere Variante plädiert SPD-Politikerin Strohmayr. Sie würde ein striktes Tempolimit befürworten. Anordnen müsste das die Autobahndirektion als zuständige Straßenverkehrsbehörde. Doch das kann diese nach eigener Aussage nicht ohne weiteres. Bei einer gut ausgebauten und neuen Strecke werde eine Beschränkung nur ausnahmsweise in Betracht kommen, heißt es in der Autobahndirektion Süd.

Warum ein Tempolimit rechtlich nicht so einfach ist

Für eine Geschwindigkeitsbeschränkung oder ein Überholverbot müsse generell eine Gefahrenstelle vorliegen. Die wiederum muss die Unfallkommission erkennen, die aus Mitgliedern der Polizei, der Verkehrsbehörde und des Baulastträgers besteht, sagt Direktionssprecher Josef Seebacher. Von einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen sehe die Bundesregierung ansonsten bisher ab.

Auf der A8 gab es im ersten Jahr der durchgängigen Sechsspurigkeit 2016 im Dienstbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord bei knapp 892 Unfällen drei Tote sowie 349 Verletzte auf der Autobahn. Im Jahr darauf waren es wieder 892 Unfälle mit 288 Verletzten. Zum Vergleich: Auf der alten A8 zählte die Polizei deutlich weniger Unfälle. 2012 beispielsweise waren es nur 771. Auch die Zahl der Verletzten (211) lag erheblich niedriger.

Der Zehn-Jahres-Vergleich macht den Unterschied noch klarer: Seit 2008 hat die Zahl der Verletzten auf der Strecke um 42 Prozent zugenommen.

Gerichte mit Einsprüchen gegen Blitzer überlastet

Klar ist aber auch: Die geplanten Anlagen zur Geschwindigkeitsregelung oder ein Tempolimit dürften auf Protest stoßen. Das zeigen Erfahrungen der Autobahndirektion Süd: „Es gibt rund um München viele Beschwerden von Autofahrer über diese Systeme“, heißt es in der Behörde. Die Tempo-Überwachung an den Schilderbrücken führt sogar so weit, dass wegen der vielen Prozesse, die „geblitzte“ Autofahrer gegen den Bußgeldbescheid führen, sogar Gerichte überlastet sind.

Entsprechende Erfahrungen damit hat beispielsweise das Amtsgericht Miesbach gemacht, wo alle Verkehrssünder landen, die auf der A8 von einem fest installierten Blitzgerät am Irschenberg mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt werden. Nirgendwo in Bayern gibt es mehr Temposünder.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Tempolimit ja, aber nicht aus der Steinzeit

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09.11.2018

Die Zahlen haben einen gravierenden Fehler, sie berücksichtigen nicht die Entwicklung des Verkehrsaufkommens. Mehr Verkehr bedeutet auch logischerweise mehr Unfälle, heißt aber nicht, dass es gefährlicher geworden ist. Angenommen der Verkehr hat seit 2008 um 50% zugenommen, was gar nicht so undenkbar ist, dann wäre ein Anstieg der Unfälle bzw Verletzten um 42% sogar ein Rückgang, gemessen an der Fahrzeugzahl.

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10.11.2018

Es ist interessant für wie selbstverständlich Sie Unfälle bei hoher Gescheindigkeit hinzunehmen bereit sind. Das Ziel sollte doch sein möglichst alle zu vermeiden. Wenn mehr Verkehrsaufkommen ist wird es natürlich gefährlicher, weil gar kein Platz mehr für die notwendigen und vorgeschriebenen Sicherheitsabstände ist, weil der psychische Druck auf die Verkehrsteilnehmer wächst und weil damit Fehler vorprogrammiert sind. Eine Maßnahme, die zu einer Entspannung des Geschehens auf der Straße führt ist damit auf jedenfalls eine richtige.

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09.11.2018

Bevor man mit den Tempolimits anfängt, sollte man zuerst verstärkt das Rechtsfahrgebot kontrollieren. Ich meine, hier liegt das Hauptübel bei einer dreispurigen Autobahn.

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09.11.2018

Wieso ein generelles Tempolimit eine überzogene Lösung ist. Generelle Tempolimits sind dann eine Lösung, wenn es um Lärmreduzierung oder aus weiteren Umweltaspekten geht. Auch wird die Gefahr durch schwere unfälle vermieden.

Das Gante gilt natürlich nur, wenn sich alle dran halten. Aber genau hier ist das Problem. Das zeigt sich auf der bereits voll ausgebauten A8 zwischen Ulm und Merklingen. Auch hier sind 120 km/h vorgeschrieben, aber halten tun sich nur die wenigsten dran.

Auch hilft ein Tempolimit mit 120 km/h nicht, denn LKW Verkehr sicherer zu machen.

Was wäre also eine richtige Lösung?

Ganz klar, eine ständige Abstandskontrolle über die gesamte Strecke. Schneller eautos müssten sich dann wirklich an die vorgeschriebenen Abstände auch halten. Ein dichtes Auffahren wäre dann ziemlich teuer. Außerdem erhöht es deutlich die Sicherheit und führt zu weniger Unfälle.

Am besten werde eine situationsbedingte Geschwindigkeitsbeeinflussungsanlage. Nicht nur dass die Geschwindigkeitsbeschränkung auf das tatsächliche notwendige Maß reduziert werden kann. Vielmehr läßt sich dort leichter auch ein Überholverbot für LKWs bei dichten Verkehr erwirken. Gerade bei Staugefahr wird die mittlere Spur gerne nochmal von einigen LKW Fahrern genutzt.

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09.11.2018

>> Klar ist aber auch: Die geplanten Anlagen zur Geschwindigkeitsregelung oder ein Tempolimit dürften auf Protest stoßen. Das zeigen Erfahrungen der Autobahndirektion Süd: „Es gibt rund um München viele Beschwerden von Autofahrer über diese Systeme“, heißt es in der Behörde. Die Tempo-Überwachung an den Schilderbrücken führt sogar so weit, dass wegen der vielen Prozesse, die „geblitzte“ Autofahrer gegen den Bußgeldbescheid führen, sogar Gerichte überlastet sind. <<

Der Ruf nach Telematik ist meist nur false-flag Populismus im klaren Wissen, dass dies flächendeckend nicht im Ansatz finanzierbar ist und damit eben kein Tempolimit kommt.

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09.11.2018

Als Versuchsphase sind auch Tempo 130 talwärts an steigunsreichen Abschnitten denkbar.

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