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Kulturprojekt

09.11.2017

Konzerthaus: Kosten schon jetzt umstritten

Haushaltspolitiker im Landtag misstrauen Schätzungen der Bauverwaltung

Wenn es um die Kosten für staatliche Großprojekte geht, traut im Landtag offenbar nicht einmal mehr die CSU der eigenen Staatsregierung. In der Debatte um das geplante neue Konzerthaus in München forderten gestern im Haushaltsausschuss Vertreter aller Fraktionen belastbare Berechnungen. Überraschende Kostensteigerungen, wie beim Umbau des Dokumentationszentrums am Obersalzberg oder bei der Sanierung des Gärtnerplatztheaters in München, seien nicht länger hinnehmbar. Wie berichtet, waren die Kosten am Obersalzberg von elf auf 24 Millionen Euro, beim Gärtnerplatztheater von 70,7 auf 121,6 Millionen Euro gestiegen.

Beim Konzerthaus in München, das im Werksviertel am Ostbahnhof entstehen soll, geht es noch einmal um ganz andere Dimensionen. Der Kostenrahmen, der von der staatlichen Bauverwaltung für den Architektenwettbewerb vorgegeben wurde, liegt bei 370 Millionen Euro. Bauminister Joachim Herrmann und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (beide CSU), die in der Staatsregierung für das Projekt zuständig sind, wollten sich gestern allerdings noch nicht auf eine konkrete Summe festlegen lassen. „Beim jetzigen Stand kann noch niemand seriös eine Kostenaussage treffen“, sagte Herrmann, sicherte aber zu: „Es müssen die Kosten exakt und sauber auf den Tisch, bevor eine Auftragsvergabe erfolgt.“ Daran werde jetzt auf der Grundlage des Entwurfs des Architekturbüros Cukrowicz Nachbaur gearbeitet, der als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist. Die Abgeordneten Harald Güller ( SPD), Bernhard Pohl ( Freie Wähler) und Ernst Weidenbusch (CSU) forderten den genannten Kostenrahmen zu beachten. Laut Güller und Pohl müssten die 370 Millionen Euro als Geschäftsgrundlage gelten. Weidenbusch sieht die Summe sogar als „fest gesetzt“. Er sei nicht bereit, Kostensteigerungen von 200 Prozent hinzunehmen.

Aufgelistet wurde in der Sitzung von Haushalts- und Wissenschaftsausschuss gestern auch, wo Risiken liegen. Nach den Erfahrungen mit dem Gärtnerplatztheater forderte Güller einen Stichtag für das Wissenschaftsministerium, ab dem keine Änderungen am Projekt mehr vorgenommen werden dürfen. Herbert Kränzlein (SPD) wies auf Ungereimtheiten bei den Erbpachtkosten für das Grundstück hin. Thorsten Glauber (Freie Wähler) regte an, auch Haustechniker, Akustiker und weitere Beteiligte in die Planungen einzubinden. Thomas Mütze (Grüne) forderte „genügend Zeit, um detailliert planen zu können“.

Einen ganz anderen Vorschlag machte der CSU-Abgeordnete Karl Freller. Seiner Ansicht nach sollte man künftig mit der Zahl 370 Millionen Euro gar nicht mehr operieren, weil sie sich am Ende als „unterhälftig“ herausstellen könnte. Will heißen: Es könnte doppelt so teuer werden.

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