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Fernsehen

19.02.2018

Krimi mit Wohlfühl-Effekt

Eine Szene aus der 400. Folge der „Rosenheim-Cops“: Pathologin Sandra Mai (Sina Wilke) und ihre Kollegen (von links) Christian Bach (Patrick Kalupa), Anton Stadler (Dieter Fischer) und Michi Mohr (Max Müller).
Bild: Christian A. Rieger – Klick/ZDF/dpa

Die „Rosenheim-Cops“ sind längst weit über die idyllische Region im Alpenvorland hinaus Kult. Zur 400. Folge gibt es einen neuen Kommissar. Aber etwas Entscheidendes fehlt

Ausgerechnet in der Jubiläumsfolge fehlt er, der entscheidende Satz: „Es gabad a Leich“. Mit diesem Verweis auf einen Leichenfund schickt Sekretärin Miriam Stockl üblicherweise die Mordermittler zum Einsatzort. Doch wenn die „Rosenheim-Cops“ am Dienstag – ausnahmsweise erst um 19.35 Uhr – zum 400. Mal ihre Arbeit aufnehmen, hat Stockl keine Chance. Sie hat den Bus verpasst, kommt zu spät ins Präsidium – prompt gleiten ihr die Fäden aus der Hand.

16 Jahre nach dem Start ist die ZDF-Vorabendserie Kult. Mit bis zu fünf Millionen Zuschauern im Schnitt erreicht sie nach kurzer Flaute wieder die Marke der ersten Staffel. Ein Erfolg, mit dem laut Produzent Alexander Ollig kaum jemand gerechnet hatte.

Im Mittelpunkt stehen auch nie die Gewaltdelikte. „Das liegt darin begründet, dass es für den Zuschauer schwierig ist, sich über den verschwundenen Vierfachlocher von Frau Stockl zu amüsieren, wenn ein Kind ermordet oder eine junge Frau entführt wurde“, erklärt Ollig. Als „Wohlfühl-Serie“ beschreibt auch Darsteller Joseph Hannesschläger die „Rosenheim-Cops“. Er spielt Kommissar Korbinian Hofer, der seit der ersten Folge dabei ist – in der Jubiläumsausgabe jedoch fehlt. Meist ermittelt aber ein Duo aus der Kombi dicker Mann mit Wurzeln in Bayern und jüngerem, sportlichem Kollegen aus Norddeutschland.

Folge 400 ist der erste Fall für Mordermittler Christian Bach. Darsteller Patrick Kalupa antwortet auf die Frage nach Besonderem an einer Rolle bei den „Cops“: „Die Kameradschaft unter den Kollegen, das Panorama und das deftige Essen machen mir beste Laune!“ Als Hochdeutscher und Newcomer habe er inmitten der Rosenheimer einen „total attraktiven Single-Stand und kann mit ganz eigener Tonspur überzeugen“. Er ist der 13. Kommissar – ihnen gegenüber steht eine Frau: Katharina Abt alias Verena Danner, die seit 2016 zu sehen ist. Die Bedeutung der Ermittler hat sich aber gewandelt: „Am Anfang war die Serie sehr auf die beiden Kommissare konzentriert, heutzutage ist es mehr eine Ensemble-Leistung“, sagt Hannesschläger. „Die Kommissare ermitteln hauptsächlich, die Nebenfiguren bestreiten die Nebengeschichten.“ So machen die halbprivaten Stränge die Leichtigkeit aus. Seien es die geschwätzige Stockl, der emsige Polizist Michi Mohr oder Hofers Schwester Marie, die im Stadtrat und so im Stadtgeschehen omipräsent ist und mit Polizeidirektor Gert Achtziger nebenbei die Musikakademie schmeißt. Das Ganze inszeniert in Voralpenidylle.

Rosenheims – echter – Polizeipräsident Robert Kopp ist derweil erleichtert, dass seine Kollegen nicht jede Woche einen Mordfall lösen müssen. „Im täglichen Dienst ist bei uns die Taktung allerdings schon wesentlich höher als in der Fernsehserie.“ Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt, verweist – angesprochen auf die hohe Mordrate im TV – gerne auf die hundertprozentige Aufklärungsquote. „Die ,Rosenheim-Cops‘ sind aus Rosenheim nicht mehr wegzudenken“, sagt die CSU-Politikerin. Der Erfolg schlage sich auch in den Tourismuszahlen nieder. „Beim Blick aus meinem Büro sehe ich jeden Tag Menschen, die vor dem Polizeipräsidium – das eigentlich unser Rathaus ist – Erinnerungsfotos schießen“, erzählt Bauer. Die Stadt bietet sogar Führungen „Auf den Spuren der ,Rosenheim-Cops‘“ an, an denen inzwischen mehr als 38 000 Menschen teilgenommen haben.

Wie wichtig die Fans für die Serie sind, macht auch Produzent Ollig deutlich: Zuschauerkritik werde sehr ernstgenommen. So werde etwa ständig verfolgt, was die knapp 20 000 Fans auf der Facebook-Seite posten. „Und im Bedarfsfall setzen wir Kritik dann auch behutsam um.“ Marco Krefting, dpa

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