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Coburg

22.05.2015

Kritik an Stadt Coburg wegen Straßenschild für Max Brose

Die Rolle von Firmengründer Brose in der NS-Zeit sorgt in Coburg, dem Stammsitz des Unternehmens, für heftige Diskussionen.
Bild: Brose dpa

Die Stadt Coburg will eine Straße nach Max Brose benennen. Doch der Unternehmer ist umstritten, da er auch Mitglied der NSDAP war. Coburgs Stadträte werden nun kritisiert.

Nach den monatelangen Debatten um eine Straße für den umstrittenen Unternehmer Max Brose wünscht sich Coburgs Rathauschef Norbert Tessmer (SPD) wieder Ruhe. Er hoffe, dass eine Rückkehr zum "normalen politischen Alltag in Coburg möglich ist", sagte er. Die Stadtratsentscheidung am Donnerstag hat jedoch Kritik ausgelöst. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärte: "Ich kann für diese Entscheidung des Stadtrats kein Verständnis aufbringen. Ich sehe eine deutliche Verstrickung Max Broses in die NS-Strukturen." 

Enkel sieht Brose als vollständig rehabilitiert an

Dagegen sieht Broses Enkel Michael Stoschek seinen Großvater als vollständig rehabilitiert an. Er sei ein Vorbild und werde zurecht nun geehrt, sagte er nach der Stadtratssitzung. Eine deutliche Mehrheit des Gremiums hatte sich für die Max-Brose-Straße entschieden. Vor zehn Jahren war ein erster Vorstoß noch gescheitert. Max Brose war NSDAP-Mitglied, beschäftigte Zwangsarbeiter und war als IHK-Präsident Wehrwirtschaftsführer. 

Brose gehört heute zu den wichtigsten Arbeitgebern in Coburg. 3600 der insgesamt mehr als 23 000 Beschäftigten des Automobilzulieferers arbeiten in der 40 000-Einwohner-Stadt. Tessmer hatte nach der Sitzung erklärt, man ehre eine bedeutende Unternehmerpersönlichkeit "mit hoher sozialer Verantwortung".

Tessmer verwies zudem auf einen Stadtratsbeschluss, wonach "eine unabhängige, wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Coburger Geschichte zeitnah" in Auftrag gegeben werden soll. In der fränkischen Stadt fassten die Nationalsozialisten in den 1920er Jahren besonders früh Fuß. Coburg war die erste deutsche Stadt mit einer absoluten NSDAP-Mehrheit im Stadtrat. dpa/AZ

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