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Kreis Dillingen

10.09.2019

Kuchen von daheim im Kindergarten verboten: Eltern laufen Sturm

Kein Essen von auswärts mehr - ein Kindergarten im Landkreis Dillingen hat deswegen Ärger mit den Eltern.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbol)

Im Landkreis Dillingen ist ein Streit darüber entbrannt, ob Eltern zum Geburtstag ihrer Kleinen Speisen in den Kindergarten bringen dürfen. Es hegt sich Protest.

In der Mitte des Tisches steht eine Kerze, drum herum sitzt eine Handvoll Kinder, singt dem Geburtstagskind ein Ständchen und isst den von den Eltern des Jubilars mitgebrachten Kuchen – mit extra vielen Schokolinsen obendrauf. Eine Szene, wie sie viele Menschen aus dem Kindergarten kennen dürften. Eine Szene, die längst nicht mehr selbstverständlich ist – was in Bissingen im Landkreis Dillingen in diesen Tagen für Aufregung sorgt.

Einige Eltern hatten bedenken wegen der Hygiene

Dort hat der Kindergarten zu diesem September hin einen Brief an alle Eltern verschickt, sie mögen doch bitte zu den Geburtstagen ihrer Kinder künftig keine Speisen wie Kuchen, Brezen oder Ähnliches mehr mitbringen. „Es sind Eltern auf uns zugekommen, dass sie Bedenken aufgrund von Hygienevorschriften haben. Wenn es Sorgen gibt, dann gehen wir darauf natürlich ein“, erklärt Kindergartenleiterin Bettina Konrad. Die Entscheidung sei auf eine „ausdrückliche Empfehlung des Gesundheitsamtes“ hin gefallen, heißt es in besagtem Brief.

Damit einverstanden ist aber offenbar längst nicht jeder. So macht Jochen Konrad, ein betroffener Vater, mobil gegen das Kuchen-Verbot und sammelt seither Unterschriften. Ihn störe, dass „heutzutage lieber schnell was verboten wird, bevor man drüber nachdenkt“. Im Internet löste der Fall zugleich eine Welle der Entrüstung aus. Nach einem Bericht unserer Redaktion meldeten sich innerhalb kürzester Zeit beinahe hundert Leser und äußerten ihr Unverständnis: „Arme Kinder“, „Man kann es echt übertrieben“, „Wie haben wir das früher nur überlebt?“, heißt es da unter anderem.

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Tatsächlich erkennt auch Uta-Maria Kastner, Leiterin des Gesundheitsamtes in Dillingen, einen Trend, dass „viele Menschen immer vorsichtiger werden“. Nichtsdestotrotz sei beim Umgang mit Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen durchaus Achtsamkeit geboten. Das Infektionsschutzgesetz mache klare Vorgaben bezüglich der Hygienevorschriften für die gewerbliche Verpflegung in Einrichtungen wie Kindergärten. Für den Fall, dass sich Ehrenamtliche um die Verköstigung kümmern – darunter fällt auch der Geburtstagskuchen –, gebe es einen „Leitfaden für den sicheren Umgang mit Lebensmitteln“, den das bayerischen Umwelt- sowie das Gesundheitsministerium herausgegeben haben. An diesen sollten sich auch die Eltern in einem Kinder-garten halten, sagt Kastner: „Das würde ich aus Sicht der Einrichtungsleitung aber schriftlich regeln.“

In vielen Kindergärten ist das Mitbringen von Speisen verboten

Und so ist der Kindergarten in Bissingen längst nicht der einzige, der das Mitbringen von Speisen untersagt. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion unter Betreuungseinrichtungen in der Region. Die Erklärungen sind oftmals dieselben. „Am Ende ist die Leitung der Einrichtung für das Wohlergehen der Kinder verantwortlich. Daher ist nur ratsam, mit Speisen von außen sehr vorsichtig umzugehen“, erklärt beispielhaft Winfried Bublat von der Stadtverwaltung in Neu-Ulm. Gleichzeitig betont er, dass es dabei nicht um Misstrauen gegenüber den Backkünsten oder dem Hygieneempfinden von Eltern gehe. Vielmehr gehe es darum, schwer kontrollierbare Risiken auszuschließen. „Da spielen auch Allergien eine immer größere Rolle“, sagt Bublat. Er plädiere daher für Verständnis für die Kindergärtenleitungen, die die Kinder sowie sich selbst schützen wollten.

Das sieht auch Sabrina Dopfer so, die in Offingen (Landkreis Günzburg) das Kinderhaus Glücksstern leitet. Dort dürfen Eltern schon seit geraumer Zeit keine Kuchen, Butterbrezen oder Ähnliches mehr mitbringen. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Dopfer – und der Freude der Kleinen über ihren Geburtstag tue das keinen Abbruch. Sie dürften an ihrem Ehrentag bei der Sitzordnung und der Auswahl der Spiele mitentscheiden. Zudem gebe es ein Geschenk aus der „Schatzkiste“ – da gerät Mamas Kuchen schnell in Vergessenheit.

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12.09.2019

Ich finde es grundsätzlich gut, dass sich Eltern engagieren und Entscheidungen nicht einfach akzeptieren, sondern diese kritisch hinterfragen und bei empfundener Unrechtmäßigkeit aktiv werden. Das ist gelebte Demokratie & soziales Engagement. Warum aber in der Gemeinde Bissingen jede Kontroverse auf die sogenannte „politische Ebene gehoben“ wird und immer die breite Öffentlichkeit teilhaben muss, erscheint mir wenig konstruktiv oder lösungsorientiert, sondern führt meines Erachtens zu unnötigen „Verhärtungen“ auf beiden Seiten und rückt das gelebte Miteinander der Menschen im Kesseltal nach den Debatten der letzten Monate (die leider ebenfalls in den Medien ausgefochten wurden) zusätzlich ins negative Licht.
Warum es nach längerer Betrachtung des Sachverhalts nicht nur um das Thema "Hygiene" geht und das Verbot objektiv betrachtet die einzige und richtige Konsequenz ist, kann gerne in meinen Kommentar im KiGa Bissingen am schwarzen Brett (wo die Debatte hingehört) nachgelesen werden.

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11.09.2019

Und dann gibst jährlich ein Kindergartenfest dessen Erlöß demselbigen zugute kommt, und plötzlich sind die Kuchen von Mutter wieder
erwünscht. Ums Kindeswohl gehts schon lange nicht mehr.

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11.09.2019

Hier eine Erinnerung, wie es früher war:
Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurück-blickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten! Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bett-chen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Fla-schen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.
Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wußte, wo wir waren, und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!
Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne, und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld, außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern?
Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau.
Damit mußten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht.
Wir aßen Kekse, Brot mit Butter dick, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus der Flasche und nie-mand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround-Sound, ei-gene Fernseher, Computer, Smartphone. Wir hatten Freunde. Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseiti-gen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holt uns ... Wie war das nur mög-lich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außer-dem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein:
Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter, und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfuß-ball durfte nur mitmachen, wer gut war.
Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Man-che Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfun-gen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Eltern-abenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.
Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen.
Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So was!
Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen problemlosem und Er-findern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen.
Und du gehörst auch dazu.
Herzlichen Glückwunsch!

Ich bin mittlerweile 76 Jahre und wundere mich jeden Tag, wie ich dieses Alter - trotz aller Gefahren - erreichen konnte

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11.09.2019

Danke Erich Holmer für diesen so herrlich geschriebenen Rückblick. Ja das war auch meine Zeit, meine Kinder - und Jugendjahre.

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11.09.2019

Das haben sie schön kopiert und eingefügt. Der Text kursiert seit Jahren im diversen sozialen Medien und war schon vor Jahren so dämlich wie heute. Die Aktion im Kindergarten finde ich auch maßlos übertrieben. Aber der erste Abschnitt ihres geklauten Textes ist der Grund, warum Ihre Lebenserwartung zum Ihrer Geburt ca. 50 Jahre betrug und, dank der Abschaffung all dieser Dinge wie Blei in Farben, Sicherheitsgurte, etc. (und vielen anderen Gründen) liegt die Lebenserwartung heute gut 30 Jahre darüber. Außerdem ist ihr geklauter Text vielleicht erheiternd zu lesen für die "Früher war alles besser" Fraktion, aber ein Schlag ins Gesicht derer die geliebte Menschen aufgrund von mangelnder Arbeitssicherheit, Unfall ohne Gurt, Krebs durch Schwermetalle usw, verloren haben. Ich hoffe Sie freuen sich dennoch über ihren Zynismus. Mit freundlichen Grüßen

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11.09.2019

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Wer es glaubt, wird selig.

Achtung Spam und Betrug!

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11.09.2019

Am besten wäre es, den Kindergarten gleich zu schließen. Dann kann da nichts passieren.

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10.09.2019

Fotografieverbot, Geburtstagskuchenverbot, Helmpflicht bei der Benutzung von Fahrzeugen im Aussenbereich des Kindergartens,... was kommt demnächst noch?

Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie ich meine Kindergartenzeit überleben konnte.

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