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Blockabfertigung

25.07.2019

LKW- und Autofahrer leiden unter Streit zwischen Tirol und Bayern

Stoßstange an Stoßstange vor dem Grenzübergang Kiefersfelden/Kufstein. Ein Bild, das in den vergangenen Wochen öfter zu sehen war.
Bild: Angelika Warmuth, dpa (Archiv)

Zwischen Tirol und Bayern hat sich viel angestaut. Und das nicht nur am Montag auf der A93 in Richtung Brenner. Der Ärger über die Blockabfertigung ist groß.

Es ist Montag, 22. Juli, 8.15 Uhr – und auf der Autobahn 93 reiht sich Lastwagen an Lastwagen. Entnervt starren die Fahrer nach vorn. Oder auf ihre Handys. Einer hält seine Zigarette aus dem Fenster, balanciert sie mit den Fingern hin und her wie einen Schlagzeug-Stick. Was soll man schon groß tun, wenn der Grenzübergang Kiefersfelden/Kufstein 15 Kilometer entfernt ist, der Weg dorthin und damit nach Österreich aber vermutlich eine Stunde dauern wird.

Es hat sich in letzter Zeit so einiges angestaut zwischen Deutschland und Österreich, vor allem zwischen Bayern und Tirol. Und das nicht nur auf der rechten Fahrbahn der A93. Weil Tirol vor allem den Lkw-Verkehr über Inntal und Brenner einschränken will, gibt es immer wieder Blockabfertigungen. Heißt: Die Polizei drosselt auf der Inntalautobahn A12 an der Anschlussstelle Kufstein-Nord den Schwerlastverkehr in Richtung Innsbruck so, dass pro Stunde bloß noch bis zu 300 Lastwagen, die von Deutschland kommen, auf ihr unterwegs sind.

Es gibt lange Rückstaus, Lastwagenfahrer sind schwer genervt

Lange Rückstaus sind die Folge. Und an diesem Donnerstag der sogenannte Transitgipfel in Berlin. Den hat Bundesverkehrsminister und CSU-Politiker Andreas Scheuer vorgeschlagen und dazu den österreichischen Verkehrsminister Andreas Reichhardt sowie den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter eingeladen. Eine Deeskalationsmaßnahme. Zu bereden haben sie vieles. Auch, dass Platter seit Wochen samstags und sonntags Landstraßen sperren lässt und so die Ausweichrouten für den Durchreiseverkehr abriegelt, um die Dörfer an den Autobahnen zu entlasten.

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Bis September soll es die Pkw-Fahrverbote geben, die Blockabfertigungen gehen weiter. Platter zeigt sich da unnachgiebig. Denn die Tiroler Autobahnen sind voll. In diesem Jahr werden voraussichtlich alleine zweieinhalb Millionen Lastwagen die Transitstrecke nach Italien passieren. „Die Grenzen der Belastbarkeit für Mensch, Natur und Infrastruktur sind erreicht“, sagt er, wenn man ihn danach fragt. Bundesverkehrsminister Scheuer dagegen warf ihm vor einem Monat eine „Politkampagne“ vor, nannte das Vorgehen Tirols „zutiefst diskriminierend“ und drohte mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Am Montag, einem von 32 Blockabfertigungsterminen im Jahr 2019, ist die Stimmung am Rastplatz Inntal-West, dem letzten vor der deutsch-österreichischen Grenze bei Kiefersfelden, eingetrübt wie der Himmel über den Alpen. „We move Europe“, steht auf dem Sattelschlepper von Gabi Semeniuc. Wir bewegen Europa. Seit Samstagmorgen ist er auf dem Rastplatz. In Österreich gilt für Lkw neben einem Nacht- ein Wochenendfahrverbot. Der Rumäne muss ins ligurische Savona, Nordwestitalien. Vier Stunden sei er mal durch die Blockabfertigung aufgehalten worden. „Nervig!“ Ein paar hundert Meter weiter, direkt hinter der Grenze, stehen zwei Tiroler Polizisten an einem provisorisch aufgebauten Container. Links brausen Autofahrer unbehelligt in den Strandurlaub, rechts rollen die 7,5-Tonner auf den Checkpoint zu. Es ist 9.28 Uhr, der Rückstau hat eine Länge von 22 Kilometern erreicht. Der „Tageshöchstpunkt“ an diesem Blockabfertigungstag, teilt die Polizei später mit.

Bei der Blockabfertigung werden nur bis zu 300 Lastwagen nach Österreich gelassen

Die Beamten arbeiten mit Stoppuhr und Zähler. 300 Lastwagen pro Stunde lassen sie gerade nach Österreich. Hinter der Kontrollstation löst sich der Stau auf, der Verkehr fließt. Es ist wie im Waschbecken, wenn man den Stöpsel zieht.

An der ersten Raststation in Österreich lehnt Valentin Momchilov an seiner Lkw-Tür. Zwei Stunden stand er auf der A93, jetzt muss er pausieren. „Mir läuft die Zeit davon, ich muss noch heute abladen“, sagt der Bulgare. Seit Tagen ist er unterwegs, in Griechenland gestartet. Die einzigen Grenzprobleme habe es vor Tirol gegeben. Auch Roman Dil, der für eine deutsche Spedition zwei Mal wöchentlich nach Italien fährt, macht seinem Ärger Luft: „Wegen diesem Scheiß ist meine Woche kaputt!“ Für ihn bedeuten die Blockabfertigungen Überstunden. Er verstehe es nicht.

„Es“ zu verstehen, ist gar nicht so einfach. Der Verkehrsstreit zwischen Tirol und Bayern schwelt seit langem, bricht hin und wieder aus, und ist verworren. Bereits 2013 gab es mit dem „Pickerlstreit“ ein Bayerisch-Tiroler Fingerhakeln. Tirol weitete damals seine Vignettenpflicht auf der Inntalautobahn bis zur deutschen Grenze aus, was vor allem Wintersportler aus Bayern traf. Zuvor hatte Horst Seehofer, seinerzeit bayerischer Ministerpräsident, eine „Ausländer-Maut“ ins Spiel gebracht. Ausländische Autofahrer sollten für die Benutzung deutscher Autobahnen zahlen, wie umgekehrt deutsche Autofahrer etwa in Österreich. Ein Wahlkampfschlager. Zur Einführung einer Pkw-Maut, bis vor kurzem ein Herzensanliegen der CSU, kam es nicht. Erst im Juni machte der Europäische Gerichtshof den Bayern einen Strich durch die Rechnung. Geklagt hatte Österreich.

Zu einer Befriedung des aktuellen Streits könnte eine „Korridormaut“ von München bis Verona beitragen, wie sie Platter mehrfach gefordert hat. Sie soll den Lastwagenverkehr auf der gesamten Strecke verteuern und eine Verlagerung der Transporte auf die Schiene befördern. Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder zeigt sich am Mittwoch zumindest offen für eine Prüfung. Im Gegenzug verlangt er von Tirol Bewegung in Sachen Blockabfertigung. Die verstoße gegen Europarecht. Eines der Probleme: Trotz einer Grundsatzvereinbarung von 2009 kommt der Bau der Nordzuläufe für den Brennerbasistunnel, der den Güterverkehr auf die Schiene verlagern soll, auf deutscher Seite nicht voran. „Deutschland hat zehn Jahre geschlafen“, schimpft Platter.

Günther Platter (ÖVP), Landeshauptmann von Tirol in Österreich, wird am Transitgipfel am Donnerstag in Berlin teilnehmen.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Klaus Frank lässt das nicht gelten. Der 56-jährige Friedberger leitete einst eine Spedition, mittlerweile durchkreuzt er die Alpen zwei bis drei Mal in der Woche mit dem Auto als Kundendienstler. In Tirol habe man die Verkehrszunahme lange falsch kalkuliert und verkehrspolitisch nicht nachvollziehbare Entscheidungen getroffen, sagt er, und nennt Beispiele. Und tatsächlich mündet die A7 bei Füssen auf österreichischer Seite in eine Landstraße. Eigentlich sollte sie einst zu einer Autobahn ausgebaut werden. Auch eine belastbare West-Ost-Verbindung in Österreich von Bregenz in Richtung Innsbruck gibt es nicht. Also nehmen österreichische Lastwagenfahrer – die vergleichsweise günstige Maut in Deutschland kommt ihnen ganz gelegen – lieber einen Umweg über Lindau und München in Kauf, um nach Tirol oder gleich weiter nach Salzburg zu gelangen. „Damit wird genau der Verkehr erzeugt, der jetzt zu Blockabfertigungen führt“, meint Frank. Selbst die österreichische Post übt diese Praxis. 13.000 Fahrten jährlich würden so über deutsche Straßen abgewickelt, bestätigt ein Sprecher.

Der Tiroler Landeschef Günther Platter zeigt sich unnachgiebig

Mit dem Verkehr, mit den Folgen der Blockabfertigung hat die Autobahnpolizei Rosenheim zu kämpfen. Die Polizeistation liegt etwa 30 Kilometer nördlich der Grenze direkt am Inntal-Dreieck, wo die A93 auf die A8 trifft. Wenn die Österreicher an Blockabfertigungstagen dicht machen, staut es sich manchmal hier. Oder, schlimmer noch, bereits am Irschenberg. Am Montag gegen elf Uhr, sechs Stunden nach Beginn der Blockabfertigung, ist es recht ruhig. Einsatzleiter Sebastian Ludwig beobachtet die Bildschirme vor sich. Einer zeigt das Einsatzprotokoll: Staulänge, Durchlasskapazitäten. Ein anderer eine interaktive Karte: Der Grenzübergang Kiefersfelden/Kufstein ist gelb markiert.

Bedeutet: gerade kein Rückstau. Ludwigs Kollegen müssen das Stauende absichern und dafür sorgen, dass die Lastwagenfahrer auf der rechten Spur bleiben. „Das sind Gefangene im eigenen Fahrzeug, die Ärmsten der Armen“, sagt der 36-Jährige. Viele würden im Stau einschlafen und so große Lücken reißen. Elf Polizisten regeln an diesem Tag den Verkehr auf der A93. Früher waren es gut doppelt so viele. „Aber das ist personell nicht mehr zu stemmen. Wir alle haben auch noch einen normalen Schichtbetrieb zu leisten“, sagt Ludwig. Auch er ärgert sich über den Verkehrsstreit. „Die Devise ist: kein Stau in Tirol. Wenn, dann Stau in Bayern.“

Wörgl, eine Tiroler Kleinstadt in der Nähe Kufsteins. Auch hier: Ärger. Aus anderen Gründen. „Einfach z’viel“, sei der Verkehr, klagt die Bedienung einer Konditorei in der Innenstadt. Ein Taxifahrer sagt: „Ein bisschen weniger Lkw“ seien schon unterwegs. Die Spedition Berger hat ihren Sitz in einem Neubau, größer als das Wörgler Bahnhofsgebäude daneben. Für Geschäftsführer Markus Ley sind die Blockabfertigungen ebenfalls ein großes Thema. Er verstehe die Klagen der Bevölkerung über die Lastwagen- und Automassen, den Lärm, die Luftverschmutzung. „Aber“, sagt er, „wir haben im Juni eines unserer schlechtesten Ergebnisse erwirtschaftet, was natürlich auch an der Blockabfertigung lag.“ Er habe einen Filmbeitrag über seine etwa 120 Fahrer drehen lassen wollen, erzählt er. Um auf die Probleme hinzuweisen. „In diesen Lkw sitzen Menschen, die weder ihre Notdurft noch sonst etwas verrichten können. Mit einem Tier würde man wahrscheinlich nicht so umgehen.“ Der 53-Jährige redet sich in Rage. Vom Tiroler Landeschef Platter heißt es lapidar: „Feststeht, dass kein Lkw wegen der Blockabfertigung auch nur eine Minute länger braucht.“

Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister, will gemeinsam mit Günther Platter, dem Tiroler Landeschef, nach einer Lösung im Verkehrsstreit suchen.
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Ob sich Deutschland und Österreich beim Transitgipfel am Donnerstag annähern?

Ley glaubt nicht an eine eindämmende Wirkung der Blockabfertigung. „Nicht der Logistiker macht den Verkehr, sondern der Konsument. Jeder will in 24 Stunden sein Buch oder seine Brille. Niemand fragt sich, ob das alles Sinn macht. Das muss sich ändern.“ Leys Lösungsansätze: Nachtfahrverbote in Österreich abschaffen. Schneller Bau der Nordzuläufe zum Brennerbasistunnel samt Verteilzentren in Ingolstadt oder Regensburg – und nicht, so wie noch, in Wörgl.

Es ist Nachmittag geworden an diesem Blockabfertigungs-Montag. Die Kontrollstelle der Tiroler Polizei am Grenzübergang Kiefersfelden/Kufstein ist inzwischen verlassen. Fast zur selben Zeit tritt in Innsbruck der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter an ein Stehpult. „Unser Land Tirol“ steht auf der Wand hinter ihm. „Mir wird berichtet, dass sich Deutschland bewegt“, sagt er auf einer Pressekonferenz, über die der ORF berichtet. Und dass er am Transitgipfel in Berlin teilnehmen werde. Er hatte das lange offengelassen.

Ob sich Österreich und Deutschland in ihrem Verkehrsstreit annähern werden? Platter jedenfalls erhöht nochmals den Druck und sagt einen Satz, den weder Bundesverkehrsminister Scheuer noch die Lastwagenfahrer auf dem Rastplatz Inntal-West noch Markus Ley von Berger Logistik noch die Rosenheimer Verkehrspolizei gerne hören dürften: Bei Lkw-Blockabfertigungen und Pkw-Fahrverboten werde er „keinen Millimeter nachgeben“.

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25.07.2019

Komisch ,ist ja die Behauptung :" Deutschland setze in der Logistik auf Lkws" !!!

Ach , und Sie , Herr Holger B . glauben dann wohl , alle andere Länder in Europa "setzen dann nicht auf Lkws" ?

Tatsache ist doch eher , daß die meisten Lkws , die auf deutschen Straßen unterwegs sind , ausländische Lkws sind . Und so verhält es dich in allen Ländern in Europa !

Im Artikel steht doch , daß der Lkw von Griechenland nach Italien unterwegs ist und nun am Brenner hängt .

Da müssten Sie sich doch eher fragen , warum gibt es hier keine Fährverbindung zwischen Griechenland und Italien , sodass der Lkw gar nicht erst diese "große Runde" fahren muß .

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25.07.2019

Es gibt Fährverbindungen zwischen Griechenland und Italien. Die Frage ist doch eher, wieso wird die nicht genutzt. LKW Fahrten sind wohl so billig, dass es sich rentiert, 100 km Umwege in Kauf zu nehmen.

Ist das logisch? Nein!

Sollte man bessere Lösungen finden? Definitiv!

Klar haben Sie Recht, dass extrem viele LKWs aus dem Ausland bei uns unterwegs sind. Die Frage, die man sich stellen muss, ist wieso?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

- billige LKW Fahrer, die es akzeptieren auch wochenlang von zu Hause weg zu sein
- keine strengen TÜV Regularien wie in D

Es ist einfach billiger LKW von Polen über Deutschland nach Spanien fahren zu lassen.

Das alles geht auf unsere Kosten. Autobahnen und vor allem Brücken leiden darunter. Straßen müssen saniert und ausgebaut werden. Die Umweltbedingungen,... wer zahlt dafür? Der Bürger.

Die Schweiz ist hierfür ein Vorbild. Die Schweiz setzt erfolgreich auf die Schiene. Auf die Schiene müssen wir viel mehr Güter bringen, dort die Infrastruktur ausbauen, anstatt jetzt irgendwelche Stromabnehmer auf Autobahnen zu installieren oder Megaliner auf die Straße bringen.

Die Österreicher wehren sich gegen den LKW und PKW Transitverkehr. Zu recht! Wahrscheinlich auch, um Bayern endlich dazu zu bringen, ihr Versprechen zur Anbindung an den Brennerbasistunnel umzusetzen.

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25.07.2019

Deutschland setzt bei der Logistik auf LKW, die Leidtragenden sind die Bürger An den viel zu vollen Straßen.

Darum finde ich die Handlungen von Österreich richtig. Es muss ein Umdenken her. Es ist doch völlig unlogisch LKW durch halb Europa fahren zu lassen, um ca. 30 Tonnen zu transportieren.

Die Ökobilanz ist gravierend schlecht. Lärm, Sicherheit und schlecht bezahlte Jobs kommt noch dazu.

Ein Güterzug kann bis zu 2000 Tonnen transportieren, also 50 LKW ersetzen, bei null CO2 Verbrauch.

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25.07.2019

Immer wieder das Märchen die Bahn sei umweltfreundlich oder gar CO2 neutral.

Natürlich entsteht CO2, nicht nur wegen des fahrstroms, sondern auch wegen des drum herums. Im Rangierbetrieb kommen z.B. fast ausschließlich uralte Diesel Locks zum Einsatz.

Hinzu kommen massive Lärmemissionen, Metallabrieb und Flächenverbrauch.

Man muss immer abwägen und alle Daten transparent auf den Tisch legen. Aber die faktenlose Idealisierung oder gar Unterstellung der CO2 Neutralität ist Humbug!

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25.07.2019

Natürlich entsteht bei der Bahn auch Lärm, aber da habe ich eine Lärmquelle eines Zuges, im Vwergleich zu 50 LKWs hintereinander. Dazu versucht die Bahn, auch Strecken mit höherem Güterverkehr um Städte zu leiten (z.B. Mannheim).

Flächenverbrauch sehe ich im Vergleich zur Straße deutlich geringer. Züge können auch gut auf eingleisigen Strecken fahren, was bei LKWs nicht der Fall ist. Auch ist eine 2-gleisige Strecke viel schmaler als eine Autobahn.

Eine 2-spurige Eisenbahnstrecke ist ca. 8 Meter breit. Eine 2-spurige Schnellstraße ist 20 Meter breit, eine Autobahn 26 m und 3-spurig in der Regel 33m. So viel zum Flächenverbrauch. Das spricht ganz klar für die Bahn.

Metallabrieb ist eindeutig umweltfreundlicher als der Gummiabrieb bei PKW und LKW. Der benutzte Strom um mit den Loks zu fahren ist 100% Ökostrom. Die noch eingesetzten Rangierloks V60 sind teilweise 60 Jahre alt und wurden zwar modernisiert, werden aber jetzt durch moderne Dieselloks mit Batteriezelle getauscht. Also auch hier klarer Pluspunkt für die Bahn.

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25.07.2019

Haben sie eine Quelle zum Ökostrom?

Die Bahn verspricht BahnCard Kunden, dass anteilig für ihre Fahrt 100% Ökostrom eingesetzt wird.
Somit ist nicht einmal der Personenverkehr CO2 neutral.
Im Güterverkehr kommt kein Ökostrom zum Einsatz, da man ihn hier nicht so gut vermarkten kann, wie an die Öko sensiblen Passagiere.

Lärm:
LKW fahren über 95% der Strecke Autobahn oder Autobahnähnliche Fernstraßen. Fast immer fernab von Wohngebäuden und wenn, dann nur einzelne.

Der Güterverkehr wird, da das Schienennetz in Deutschland historisch bedingt so ausgelegt ist, stets durch das Herz eines Ballungsgebiets durchgeleitet.

Beispiel Augsburg: wo ist denn unser Güterbahnhof? Direkt neben dem Hbf, sprich jeder laute Güterzug fährt ab neusäß oder Mering einmal komplett durch Dicht besiedeltes Gebiet. Selbst wenn der Zug garnicht nach Augsburg muss.

Noch akuter ist es in Ruhrgebiet, Frankfurt, Ulm, ...
in Frankfurt wird sogar die S-Bahnstrecke immer mehr von Güterzügen benutzt, mit fatalen Folgen und Bürgerprotesten.

Flächenverbrauch
Ein strassenabschnitt ist deutlich leistungsfähiger als ein Schienenstück. Die Straße kann sehr viel Individualverkehr aufnehmen, dicht hintereinander. Auf der Schiene müssen sie auf freier Strecke kilometerlange Abstände einhalten. - auch hier hängt wieder alles vom Ausbaustatus der Infrastruktur (Signalabstande, zugsicherungssysteme) ab, wie dicht man den Verkehr fahren lassen kann. Und der ist bekanntlich marode in Deutschland.


Noch ein Schlusswort: Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Ich bin ein großer Fan der Bahn und befürworte den Gütertransport auf der Schiene.

Aber nach dem Wahlkampf muss man in die Realwelt zurück. Die Fakten müssen transparent auf den Tisch, um dann rational agieren zu können.

Unser Schienennetz ist absolut am Limit. Auf den frequentierten Magistralen (auf den Güter fast ausschließlich unterwegs sind) können keine zusätzlichen Leistungen mehr aufgenommen werden. Schon jetzt kommen Güter regelmäßig stundenlang verspätet am Ziel an, obwohl sie pünktlich Abfahren. Darauf haben viele Unternehmen keine Lust mehr und setzen auf LKW.

Verbesserungen gibt es nur, wenn man die Hosen runter lässt und den ist-Zustand zugibt.

Denn ideologische Rufe werden dieses System nicht leistungsfähig machen!

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25.07.2019

Wir brauchen eine gut funktionierende Logistiklösung. Vielleicht sind es in Zukunft autonom fahrende LKW mit Alternativen Antrieben.

Ich persönlich finde aktuell eine Lösung von Logistikhubs sinnvoll. Ein LKW bringt die Wäre per Container zu einem regionalen Hub. Dort wird es per Zug zum nächsten Zielhub gebracht und von einem regional verkehrendem LKW zum Endziel gebracht.

Das System muss natürlich günstiger sein, als die aktuelle Lösung. Sie dürfte auch verlässlicher sein, wenn die Bahn zuverlässiger wäre und Güterzüge tagsüber einen klaren zugewiesenen Fahrplan ohne Zwangsstopp hätte.

Wie auch immer... wir müssen das System ändern.

Es bringt der Umwelt etwas, es sorgt für wenigere Unfälle, Staus und vor allem bessere Arbeitsplätze in Deutschland.

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