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Landwirtschaft
06.08.2019

Bayern hinkt bei der Biolandwirtschaft hinterher

Bei der Landwirtschaft in Bayern sieht eine Studie noch Nachholbedarf.
Foto: Friso Gentsch, dpa (Symbolbild)

Bayern will den Anteil der Biolandwirtschaft deutlich erhöhen. Eine Machbarkeitsstudie hält das Ziel für erreichbar - sieht aber Probleme.

Das Ziel ist unstrittig: Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Biolandwirtschaft in Bayern von derzeit rund zehn auf 30 Prozent steigen. So steht es seit dem erfolgreichen Bienen-Volksbegehren im Gesetz. So will es auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Das Bekenntnis der Staatsregierung aber reicht den Grünen im Landtag nicht aus. Sie fordern mehr Engagement des Staates und haben, um zu zeigen, wie es geht, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Eines der Ergebnisse lautet: Bayern hinkt Nachbarstaaten wie zum Beispiel Österreich oder Frankreich in vielen Aspekten noch weit hinterher.

Das Grundproblem, so räumen auch die bayerischen Grünen ein, ist der Preis. Rund 130 Euro gibt ein Verbraucher in Deutschland im Durchschnitt pro Jahr für Bio-Lebensmittel aus. Um das 30-Prozent-Ziel bis zum Jahr 2030 zu erreichen, müssten pro Kopf noch einmal 170 bis 200 Euro oben draufkommen, sagt Burkhard Schaer vom Marktforschungsunternehmen Ecozept, das mit dem auf Biolandbau spezialisierten Forschungsinstitut FIBL Projekte die Machbarkeitsstudie erstellt hat. Dennoch hält er das Ziel für erreichbar.

Trend zu Bio hält in Europa an

In Italien, Frankreich, Dänemark oder Österreich sei man bereits auf dem richtigen Weg. Der Trend zu Bio-Lebensmitteln sei besonders in Europa stark, konstant und nachhaltig. Der Preisabstand zwischen ökologisch und konventionell erzeugten Produkten werde sich verringern. Ohne gezielte staatliche Maßnahmen aber werde man hierzulande bis 2030 nur etwa 15 Prozent Bio-Landwirtschaft erreichen, sagt Schaer und fügt hinzu: „Das wird kein Spaziergang. Das ist keine Sache, die von selber läuft.“

Wie gut oder schlecht Bayern im innerdeutschen Vergleich dasteht, ist durchaus umstritten. Das Landwirtschaftsministerium verweist darauf, dass in Bayern bereits 10.000 Ökobetriebe rund 350.000 Hektar und damit rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften. Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann aber relativiert: Mit den elf Prozent liege Bayern unter den deutschen Ländern nur auf Platz fünf. In Baden-Württemberg würden bereits 14 Prozent der Fläche ökologisch bewirtschaftet, im Saarland seien es 16 Prozent. Und in Österreich mit seiner ähnlich klein strukturierten Landwirtschaft seien es sogar schon 23,9 Prozent.

"Bio" und "regional" nicht gegeneinander ausspielen

Hartmann und die Agrarexpertin der Grünen, Gisela Sengl, sind überzeugt davon, dass viel mehr Landwirte in Bayern bereit wären, auf Bio umzustellen, wenn sie mehr Sicherheit hätten, ihre Produkte auch verkaufen zu können. Gestützt auf die Machbarkeitsstudie haben sie eine lange Liste von Handlungsempfehlungen vorgelegt. Sie fordern unter anderem eine tiefgehende Marktbeobachtung als „unverzichtbare Grundlage für die Entwicklung einer wirksamen Ökostrategie“, eine Stärkung der Wertschöpfungsketten und ein klares Bekenntnis der Staatsregierung zu Bio-Produkten. „Bio“ und „regional“ dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Wir müssen das zusammen denken. Das ist der Königsweg“, sagt Sengl.

Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sagte dazu auf Anfrage unserer Zeitung, dass viele Forderungen der Grünen bereits in den jüngsten Kabinettsbeschlüssen enthalten seien. So würden die Öko-Modellregionen in Bayern ausgebaut, das bayerische Bio-Siegel verstärkt beworben, der Austausch zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Handel gefördert und ein Betriebsnetz aufgebaut, um Forschung, Praxis und Wissenstransfer enger zu verknüpfen. Auch die Forderung, in staatlichen Kantinen mehr Bio anzubieten, werde unterstützt.

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