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Balderschwang

14.01.2020

Lawinenunglück 2019: Vor einem Jahr zerstörten Schneemassen dieses Hotel

Feuerwehr und Bergwacht schaufelten nach der Lawine die Dächer des Hotels frei.
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Feuerwehr und Bergwacht schaufelten nach der Lawine die Dächer des Hotels frei.
Bild: Ralf Lienert

Plus Eine Lawine zerstörte vor einem Jahr den Wellnessbereich der Hubertus Alpin Lodge in Balderschwang. Nun erinnert sich der Hotelier Marc Traubel an diesen Tag zurück.

Hotelier Marc Traubel aus dem Oberallgäuer Balderschwang hätte nach eigenen Worten „nie gedacht, dass da so was runterkommt“. Gemeint ist die große Lawine, die vor einem Jahr in den Wellnessbereich der Hubertus Alpin Lodge krachte. Das war am frühen Morgen des 14. Januar, einem Montag.

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Der 37-jährige Geschäftsführer des familieneigenen Hotels erinnert sich: Bereits am Sonntag hatte es kräftig geschneit, in den Tagen davor war es ebenfalls unbeständig – mal kurze sonnige Abschnitte, dann wieder Regen und Schnee oder Graupel. Immer dicker wurde die Schneedecke. Vor allem aber: Der Aufbau der unterschiedlichen Schichten war instabil.

Lawinenunglück in Balderschwang: Die Lawinengefahr war immer weiter angestiegen

Die Lawinengefahr stieg an jenem Tag immer weiter an. Bereits am Morgen traf die örtliche Lawinenkommission eine Entscheidung, die wohl Schlimmeres verhinderte. Es wurde empfohlen, den Pool- und Wellnessbereich des Hotels zu sperren. Dem kamen die Traubels nach. Irgendwann im Laufe dieses Sonntags hieß es, dass Balderschwang wegen akuter Lawinengefahr nicht mehr zu erreichen sei – weder über den Riedbergpass noch über die österreichische Seite. Viele Urlauber saßen fest.

Die Schneemassen haben den Wellnessbereich zerstört.
Bild: Ralf Lienert

In jener verhängnisvollen Nacht vor einem Jahr schläft Traubel im Hotel. Ein gewaltiges Donnern lässt den im Bett liegenden Hotelier um fünf Uhr aufschrecken. Er spürt eine leichte Druckwelle. Zunächst denkt er, eine Dachlawine sei abgegangen. Schnell wird das gesamte Ausmaß klar: An dem Hang oberhalb des Hotels hat sich ein über 300 Meter breites Schneebrett gelöst und ist in den Wellnessbereich gekracht. Der Spa-Bereich ist komplett zerstört. Meterhoch liegt der schwere Schnee. Holzwände sind umgeknickt wie Streichhölzer. Spezielles lawinensicheres Fensterglas hat zwar gehalten, aber die Fensterrahmen wurden durch die Wucht der Schneemassen verbogen, Stahlgeländer zusammengestaucht.

Auch das Hotel Hubertus befreien die Helfer von der Schneelast.
Bild: Ralf Lienert

In einige Hotelzimmer sind die Ausläufer der Schneemassen eingedrungen. Traubel schaut als erstes nach seinen Gästen. Es ist wie ein Wunder: Niemand ist zu Schaden gekommen. Der Hotelier wählt den Notruf. Dann kommen die Helfer – die Feuerwehr, die Bergwacht. Vorsorglich wird nach möglicherweise Verschütteten gesucht. Tagelang dauern die Aufräumarbeiten, zwei Bagger sind im Einsatz. Der Schnee ist schwer und betonhart. Immer wieder bedanken sich Traubel und sein Vater bei den vielen Helfern: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl war überwältigend“, sagt der Juniorchef.

Lawine in Balderschwang: Der Schaden betrug mindestens zwei Millionen Euro

Das gesamte Ausmaß des Schadens wird erst in den nächsten Tagen und Wochen deutlich. Der zerstörte Spa-Bereich muss abgerissen werden, auch der Pool. Der Schaden: mindestens zwei Millionen Euro. 55 Tage lang – bis zum 10. März 2019 – bleibt das Hotel komplett geschlossen. Dann kommen die ersten Urlauber wieder. Wie immer sind es viele Stammgäste. „Einige wollten sogar bei den Aufräumarbeiten helfen“, berichtet Traubel. Andere spenden für die Helfer. Die Hoteliersfamilie hat eigens ein Konto eingerichtet, auf dem 30.000 Euro Spenden zusammenkommen. Das Geld erhalten die Feuerwehr, die Bergwacht und die örtliche Lawinenkommission.

Lawinenunglück 2019: Vor einem Jahr zerstörten Schneemassen dieses Hotel
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So war das Schneechaos Anfang 2019 in Bayern und Österreich
Bild: Markus Leitner, dpa

Nach dem Unglück ist für die Verantwortlichen schnell klar: Der Lawinenhang soll so verbaut werden, dass dort nichts mehr passieren kann. Für die Forstbehörde steht fest: Der Bergwald muss gestärkt werden. Doch neu gepflanzt wird nur dort, wo kein Wildverbiss droht.

Inzwischen liegt ein Gutachten vor, an welchen Hängen rund um Balderschwang der Lawinenschutz verbessert werden muss. Gespräche mit den Landwirten als Grundbesitzern habe es auch gegeben, berichtet Traubel. Denn um einen Hang lawinensicher zu verbauen, müsse der Grundbesitzer zustimmen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagt Klaus Dinser von der Forstverwaltung in Immenstadt. „Wir warten darauf, dass wir auf die Fläche können.“ Denkbar seien Lawinenverbauungen aus Kastanienholz, die gleichzeitig junge Bäumchen schützen könnten.

So wappnet sich Balderschwang gegen neue Lawinen

Balderschwangs Bürgermeister Konrad Kienle ist optimistisch: „Wir sind auf einem guten Weg“. In einem Jahr, kündigt er an, sei der Hang oberhalb des Hubertus-Hotels gesichert. Dabei gehe es auch um den Schutz des benachbarten Feuerwehrhauses und der Straße.

Die Traubels wollen im Sommer neu bauen – zumindest damit anfangen. Das sei allerdings gar nicht so einfach, sagt der Hotelchef. Planer und Baufirmen sind überall viel beschäftigt. Die Auflagen zum Lawinenschutz müssen mit den Behörden abgestimmt werden. Und die Sommer in Balderschwang können kurz sein. Oft schneit es noch im Mai – und im Oktober dann schon wieder.

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