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Corona-Impfung

01.02.2021

Leserfragen: Das sind die wichtigsten Antworten zur Corona-Impfung

Über die Impfung gegen das Coronavirus kursieren aktuell viele Unwahrheiten.
Bild: Eric Lalmand/Belga, dpa (Archiv)

Plus Die Corona-Impfung beschäftigt die Menschen sehr. Leserinnen und Leser haben uns ihre Fragen zugeschickt. Hier lesen Sie die wichtigsten Antworten.

Aus vielen Zuschriften lässt sich herauslesen, dass eine Unsicherheit darüber besteht, wie der neue Corona-Impfstoff überhaupt funktioniert...

Dazu muss man etwas ausholen. Bisherige Impfstoffe funktionierten so, dass man einem Patienten einen abgetöteten oder abgeschwächten Erreger gespritzt hat – und das Immunsystem des Körpers hat dann Antikörper gebildet. Die beiden derzeit in Deutschland zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna funktionieren völlig anders. Dem Körper wird ein künstlich hergestellter Bauplan gespritzt. Er nennt sich in der Fachsprache mRNA. Dieser Impfstoff enthält keinerlei Bestandteile des Virus. Stattdessen baut der Körper aufgrund dieses gespritzten Bauplans nicht infektiöse Teile des Coronavirus – nämlich die sogenannten Spikes, also die „Spitzen“ des Corona-Kranzes, der das Virus umgibt. Und darauf reagiert der Körper mit der Bildung von Antikörpern. Früher gab es auch immer wieder Kritik an Zusatzstoffen von Impfstoffen. Der mRNA-Impfstoff von Biontech enthält neben dem RNA-Bauplan lediglich eine Fettschicht, die ihn umhüllt.

Corona-Impfstoff: Was zu Nebenwirkungen bekannt ist

Welche Nebenwirkungen sind möglich? Gibt es womöglich sogar schon Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona-Impfung?

Beschrieben sind in den verpflichtenden, vorangegangenen Studien, an denen mehrere zehntausend Probanden aller Altersgruppen teilnahmen, jene Nebenwirkungen, die bei Impfungen häufig auftreten: Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfweh, Abgeschlagenheit, letztlich eine weithin bekannte Entzündungsreaktion auf die Impfung, die meist rasch abklingt. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts PEI (das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, das unter anderem für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist) gibt es derzeit keine Hinweise auf möglicherweise vermehrt auftretende Nebenwirkungen. Zwar seien laut PEI bis Anfang Februar rund 70 Todesfälle nach Impfungen gemeldet worden, wie das Ärzteblatt schreibt. Es habe sich aber um Patienten mit „gravierenden Grunderkrankungen“ gehandelt, die sich teilweise sogar bereits in Palliativbehandlung befunden hätten. Das PEI gehe aufgrund aller bislang vorliegenden Informationen davon aus, dass diese Menschen „an ihren Grunderkrankungen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung“ verstorben seien – nicht aber an der Impfung selbst.

Sollte ich vor dem Impfen zum Hausarzt?

Das ist nicht kategorisch nötig, da es vor der Impfung im Impfzentrum ohnehin immer ein Arztgespräch gibt. Dennoch kann es für Menschen mit besonderen gesundheitlichen Problemen nicht schaden, sich vor einer Impfung mit ihrem Hausarzt in Verbindung zu setzen.

Kann ich mich auch beim Hausarzt impfen lassen?

Abseits von vereinzelten Tests ist das bundesweit noch nicht möglich. Bisher gab es das Problem, dass die bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe bei sehr tiefen Temperaturen gelagert werden müssen – jener von Biontech bei minus 70 Grad, der von Moderna bei minus 20 Grad. Darum gibt es derzeit überhaupt die Impfzentren, die so organisiert sind, dass die dann natürlich aufgetauten Impfstoffe rasch und sozusagen en bloc an die Impfwilligen verabreicht werden können – auch durch die mobilen Impfteams, die gezielt momentan die Pflegeheime aufsuchen und viele Menschen auf einmal mit den temperaturempfindlichen Impfstoffen versorgen.

Ende Januar wurde aber der Impfstoff von AstraZenica zugelassen, der nicht so temperaturempfindlich ist. Damit könnten bald auch Hausärzte Impfungen anbieten. Diese sind dazu auch bereit: „Wir Hausärztinnen und Hausärzte besitzen das entsprechende Know-how und die notwendige langjährige Erfahrung beim Impfen und kennen unsere Patientinnen und Patienten bestens. Voraussetzung für ein Impfangebot in den Praxen ist selbstredend, dass genügend praktikabler Impfstoff zur Verfügung steht“, sagt Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

 

Helfen die Corona-Impfstoffe auch gegen die Virus-Mutationen?

Kann ich den Impfstoff wählen?

Theoretisch ja. In der Praxis sieht das aber so aus, dass natürlich nicht unbedingt alle derzeit zugelassenen Impfstoffe in einem Impfzentrum grundsätzlich vorhanden sind. Wer beispielsweise unbedingt den deutschen Impfstoff will und das Mittel des US-Herstellers Moderna ablehnt, geht das Risiko ein, dass er sozusagen unverrichteter Dinge wieder heimgehen und sich einen neuen Termin geben lassen muss – mit dem dann gleichen „Risiko“ wie bei seinem ersten Besuch.

Wie unterscheiden sich die bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe?

Die Impfstoffe des Mainzer Unternehmens Biontech sowie des US-Herstellers Moderna sind beides mRNA-Impfstoffe, arbeiten also nach dem gleichen Prinzip. Sie haben beide mit rund 95 Prozent einen hohen Wirkungsgrad und laut Studien keine schweren Nebenwirkungen, sondern nur moderate wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Kopfweh, leichtes Fieber oder Übelkeit. AstraZeneca ist ein Vektorimpfstoff. Die Ständige Impfkommission empfiehlt ihn nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren, da es für Ältere aktuell nicht genug Studiendaten gebe.

Hilft eine Impfung gegen die in Großbritannien und Südafrika aufgetretenen und wesentlich ansteckenderen Varianten des Coronavirus?

Studien in den USA haben gezeigt, dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna auch gegen die Mutationen schützen sollen. Für den Impfstoff von AstraZeneca fehlen noch Studiendaten.

 

Kann es sein, dass mRNA-Impfstoffe das Erbgut eines Geimpften beeinflussen? Oder ist das auszuschließen...?

Es besteht nach Angaben des Paul-Ehrlich Institutes PEI, also des Bundesinstitutes für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, keine Gefahr einer Integration von mRNA in das humane Genom. Beim Menschen befinde sich das Genom in Form von DNA im Zellkern. Eine Integration von RNA in DNA sei unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich. Es gebe auch keinen Hinweis darauf, dass die von den Körperzellen nach der Impfung aufgenommene mRNA in DNA umgeschrieben wird.

Sollen auch Kinder geimpft werden?

Der Biontech-Impfstoff ist für Menschen ab 16 Jahren vorgesehen. Der von Moderna ist ab 18 Jahren gedacht, obwohl das Unternehmen kürzlich damit begonnen hat, seinen Impfstoff bei 12- bis 17-Jährigen zu testen. Eine Impfempfehlung für Kinder ist laut Robert-Koch-Institut „noch nicht absehbar“. Studien dazu seien jedoch geplant.

Sollen sich auch Menschen impfen lassen, die eine Covid-Erkrankung bereits überstanden haben?

Die Stiko rät dazu, nach einer Erkrankung sechs Monate mit einer Impfung zu warten. Dieser Empfehlung schließt sich auch Professor Clemens Wendtner an, der in der München Klinik Schwabing die ersten Covid-Patienten behandelte. „Denn wir haben hier an unserer Klinik – im Übrigen zusammen mit Christian Drosten – den Impfschutz untersucht und sehen an den ersten Covid-Patienten von der Firma Webasto, dass ein sechsmonatiger Schutz gegen die Krankheit vorliegt.“ Ob der Schutz sogar noch länger anhält, könne noch nicht gesagt werden, da die Krankheit noch zu neu ist. Anzunehmen ist es aber, sagt Wendtner und erinnert daran, dass Patienten, die sich mit dem SARS-CoV-1 Virus 2003 infiziert hatten, noch 17 Jahre danach immun waren: „Damit will ich nicht sagen, dass der Immunschutz gegen SARS-CoV-2 auch 17 Jahre anhält, aber zumindest gibt es die Hoffnung, dass er länger hält.“ Aus den USA haben Forscher jüngst einen achtmonatigen Schutz gemeldet. Nicht gleich impfen lassen sollten sich Menschen nach einer überstandenen Covid-Erkrankung aber auch, weil bei ihnen das Risiko groß ist, dass sie eine unspezifische Impfreaktion entwickeln, erklärt der Münchner Infektiologe. Um beim Impfschutz ganz sicher zu gehen, forscht die München Klinik auch zusammen mit dem Münchner Bundeswehr-Institut für Mikrobiologie und führt höchst aufwendige Antikörper-Tests bei Menschen durch, die Covid-19 bereits durchgemacht haben, erklärt Wendtner. Doch nicht nur sogenannte neutralisierende Antikörper sind für den Immunschutz wichtig, auch die Zellabwehr ist entscheidend.

Kann ich mich trotz Impfung mit dem Coronavirus infizieren?

Die Impfung mit den neuen Corona-Impfstoffen hat eine Schutzrate von bis zu 95 Prozent, wie in großen Studien belegt wurde. „Dies heißt, dass nur ein sehr kleiner Anteil an Geimpften noch erkranken kann, konkret also einer auf 20 Geimpfte“, erklärt Professor Clemens Wendtner und ergänzt: „In der Regel ist aber dann der Verlauf der Erkrankung abgeschwächt, man spricht von sogenannten mitigierten Erkrankungsverläufen.“ Das ist übrigens keine Besonderheit, sondern bei vielen Impfstoffen ganz normal, etwa bei der Influenza-Impfung.

 

Kann ich als Geimpfter noch Überträger des Virus sein?

„Wissenschaftlich betrachtet wissen wir dies noch nicht genau, von daher gilt auch für Geimpfte, dass weiter Abstandsregeln beachtet werden müssen und ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden sollte“, erklärt Professor Clemens Wendtner. Allerdings gibt es seinen Angaben nach auf der Basis von anderen Impfungen gewisse Analogieschlüsse, die nahe legen, dass Geimpfte auch keine Viren beziehungsweise zumindest wesentlich weniger Viren ausscheiden. „Eine definitive wissenschaftliche Klärung bezüglich der Virusausscheidung von Geimpften wird es voraussichtlich in naher Zukunft geben.“

Sollte ich mich vor einer Impfung testen lassen, ob ich bereits Antikörper gebildet habe?

„Dies ist in der Regel nicht notwendig, da eine schwere Covid-Erkrankung in der Regel für den Patienten erinnerlich ist“, sagt Professor Clemens Wendtner. Nur Patienten mit frischer, klinisch manifester Covid-Infektion sollten von der Impfung derzeit ausgeschlossen werden, diese sind im ärztlichen Gespräch damit leicht zu identifizieren.

Soll ich mich auch als Krebspatient impfen lassen?

„Ja, dazu würde ich raten, da es sich bei dem Impfstoff gegen Covid-19 um keinen sogenannten Lebendimpfstoff, sondern um einen Totstoffimpfstoff handelt“, erklärt Chefarzt Clemens Wendtner im Gespräch mit unserer Redaktion. „Daher empfehle ich im Übrigen Krebspatienten auch mit Nachdruck eine Influenza-Impfung.“ Zur Erklärung: Totstoffimpfstoffe enthalten – wie der Name schon nahelegt – nur abgetötete Erreger, die das körpereigene Abwehrsystem zur Bildung von Antikörpern anregen, ohne dass die Krankheit ausbricht. Der Impfstoff der Firmen Biontech/Pfizer basiert auf Boten-RNA und sei damit ebenfalls quasi als Totimpfstoff anzusehen – obwohl er ausdrücklich keinerlei abgetötete Erreger enthält. Allerdings rät Wendtner dazu, die Impfung mit dem behandelnden Onkologen zu besprechen, wenn beispielsweise gerade eine Chemotherapie durchgeführt wird oder eine Transplantation ansteht. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist keine Impfreaktion“, erklärt der erfahrene Münchner Infektiologe und Krebsspezialist. Denn in der Chemotherapie oder bei der vorbereitenden Behandlung vor einer Transplantation werden gezielt die Antikörper zerstört und das Immunsystem heruntergefahren. Das heißt, dass gegebenenfalls nachgeimpft werden müsse. Probleme einer fehlenden Impfreaktion sieht Wendtner insbesondere bei Leukämien oder Lymphknotenkrebs-Erkrankungen, bei denen sogenannte Anti-CD20-Antikörper verwendet werden. Zur Erklärung: Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und lassen sich in B-Zellen und T-Zellen unterteilen. Beide Zelltypen sind dafür zuständig, den Körper vor Krebs und anderen Viren zu schützen. Beim B-Zell-Lymphom sind es ausgerechnet die wichtigen B-Zellen, die sich unkontrolliert vermehren und mit Anti-CD20-Antikörpern bekämpft werden – „für eine Impfung gegen Covid-19 benötige ich aber auch gesunde B-Zellen, um den Immunschutz aufzubauen“, erklärt der Arzt. Leider werden diese gesunden B-Zellen durch die Anti-CD20-Antikörper auch zumindest für einige Wochen vernichtet, sodass sie keinen Impfschutz aufbauen können. Hier müsse also eine Impfung während der Lymphomtherapie verschoben werden oder gegebenenfalls in Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen eine alternative Therapie gefunden werden.

 

Ärzte raten Menschen mit kontrollierter chronischer Erkrankung zur Corona-Impfung

Wie sieht die Lage speziell bei Lungenerkrankungen aus – ist auch bei einem Lungentumor eine Impfung anzuraten?

Auch hier gilt, wie Professor Clemens Wendtner erklärt, der Grundsatz, dass eine Impfung gegen SARS-CoV-2 primär gegen eine schwere Lungenerkrankung im Sinne einer Covid-19-Infektion schützt. „Bei chronischen Lungenerkrankungen ist also umso mehr eine Corona-Impfung angezeigt.“

 

Ist auch Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen eine Impfung zu empfehlen?

Professor Dr. Martin Schwaiblmair, Leiter des Funktionsbereichs Pneumologie am Uniklinikum Augsburg, spricht sich für eine Impfung von Patienten mit einer chronischen Atemwegserkrankung wie etwa COPD aus und verweist auch auf die Empfehlungen der Schweizer Gesellschaft für Pneumologie.

Wie sind Meldungen einzuschätzen, dass in einem Altenheim trotz Impfung Corona ausgebrochen ist?

Hier gibt es für den Experten Wendtner mehrere Erklärungsmöglichkeiten: „Vielleicht waren nicht alle Menschen, die geimpft wurden, vor Impfung negativ getestet.“ Auch darf nicht vergessen werden, dass ein kleiner Teil der Geimpften keinen Impfschutz aufbaut, vielleicht war dies der Fall. Auch ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt des Coronaausbruchs die Altenheim-Bewohner noch nicht die zweite Impfung erhalten haben, also noch kein vollständiger Impfschutz rein zeitlich aufgebaut werden konnte.

Muss ich Angst haben, dass die Impfung bei an Demenz erkrankten Menschen besondere Nebenwirkungen auslöst?

Davon ist nach Einschätzung von Professor Wendtner nicht auszugehen. Denn wie bei Krebserkrankungen gelte auch bei neurologischen Erkrankungen, dass ein Totstoffimpfstoff die Erkrankung nicht beeinflusst. Auch wenn das Aufklärungsgespräch bei Demenzpatienten je nach Erkrankungsgrad nicht oder nur schwer realisiert werden kann, so rät der Münchner Mediziner nachdrücklich dazu, Demenzpatienten zu impfen, „da sie ja oft gar nicht sagen können, dass sie Symptome spüren“.

 

Was ist zu tun, wenn ich an einer Autoimmunerkrankung, beispielsweise an Morbus Crohn oder einer chronisch-entzündlichen Arthritis, leide?

Verläuft die Krankheit kontrolliert, sieht Professor Clemens Wendtner keine Probleme bei einer Impfung. Vorsicht ist seiner Meinung nach aber bei einem akuten Schub geboten, da es dann beispielsweise bei Morbus Crohn vermehrt zu Durchfällen durch eine unspezifische Immunreaktion durch die Impfung kommen könnte. Auch Rheumapatienten, die unter einer kontrollierten Therapie stehen, rät der Chefarzt zu einer Impfung gegen Corona. Er hält es allerdings im Einzelfall bei Patienten unter starken Antirheumatika für ratsam, nach der Impfung einen Antikörper-Test machen zu lassen, um sicherzugehen, dass wirklich Antikörper gebildet wurden. Keine Gefahr bezüglich einer Impfung sieht im Übrigen auch die Deutsche Rheuma-Liga bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie. Studien gebe es dazu allerdings noch nicht.

Besteht eine Gefahr, dass sich der Corona-Impfstoff mit anderen Impfstoffen nicht verträgt? Kann sich also jemand ohne Bedenken gegen Corona impfen lassen, auch, wenn heuer noch eine FSME-Auffrischung oder eine Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten anstehen?

„Es gibt keine Hinweise, dass sich der Corona-Impfstoff mit anderen Impfstoffen nicht verträgt, da es ein Totimpfstoff ist“, erklärt Professor Clemens Wendtner und ergänzt: „Allerdings sollte man seinen Körper und das Immunsystem auch nicht überfordern, daher empfehlen wir, dass man vor der Covid-Impfung und zwischen erster und zweiter Gabe keine andere Impfung erhält, damit unspezifische Impfreaktionen wie Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, gegebenenfalls ein Hautausschlag nicht insgesamt stärker ausfallen.“ Auch sei es gut, wenn man weiß, von welchem Impfstoff im Zweifel ein Hautausschlag oder ähnliches herrührt, sodass man aus ärztlicher Sicht bei künftigen Wiederholungsimpfungen eine Zuordnung treffen kann.

Bei PEG-Allergie ist eine Impfung gegen das Coronavirus nicht ratsam

Was ist Patienten zu raten, die an einer neurologischen Erkrankung leiden – beispielsweise an Parkinson, Multipler Sklerose, Epilepsie?

„Patienten mit Morbus Parkinson gehören bereits aufgrund des in der Regel höheren Patientenalters zu den Risikopatienten, die in jedem Falle zeitnah geimpft werden sollten“, erklärt Professor Dr. Markus Naumann, Direktor für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Universitätsklinikum Augsburg, und ergänzt: „Gleiches gilt für alle Patienten mit Schlaganfall. Gerade bei letzterer Gruppe wissen wir sogar, dass die Infektion mit dem Coronavirus mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergeht und allein deshalb schon die Impfung sinnvoll ist.“ Ferner bestehen bei diesen Patienten häufig andere Begleiterkrankungen, die sie zu Risikopersonen hinsichtlich einer Covid-19-Infektion machen. „Und auch Patienten, die an einer Epilepsie leiden, können uneingeschränkt geimpft werden“, sagt Professor Naumann. Bei Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen, wie der Multiplen Sklerose (MS), muss seiner Einschätzung nach allerdings bedacht werden, dass es Ziel der Impfung ist, das Immunsystem, das bei neuroimmunologischen Erkrankungen fehlreguliert ist, zu aktivieren. Die von der Stiko für das Erwachsenenalter empfohlenen Impfungen sind, wie bereits angesprochen, überwiegend Totimpfstoffe, „diese können auch für MS-Erkrankte empfohlen werden“. In Anbetracht der bisher veröffentlichten Studiendaten gebe es derzeit keinen Grund für die Annahme, dass bei Verwendung der zugelassenen Covid-19-mRNA-Impfstoffe vermehrt Nebenwirkungen bei Patienten mit MS auftreten. „Eine Impfung bei MS kann somit empfohlen werden“, sagt Naumann. „Da es sich nicht um eine Lebendimpfung handelt, können auch Patientinnen und Patienten unter Immuntherapie geimpft werden.“

Was muss bei Herzerkrankungen beachtet werden?

Patienten mit chronischen kardiovaskulären Erkrankungen, wie etwa ein früherer Herzinfarkt, eine Herzmuskelschwäche oder Herzklappenfehlern, sind im Falle einer Covid-19-Erkrankung besonders gefährdet bezüglich eines schlimmeren Erkrankungsverlaufes. Dies wird in einer aktuellen Pressemitteilung der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) betont. „Daher ist eine Impfung als Schutz vor dieser Infektionserkrankung für solche Patienten besonders sinnvoll und wünschenswert“, erklärt der Internist Professor Dr. Wolfgang von Scheidt, Direktor der I. Medizinischen Klinik am Uniklinikum Augsburg. „Das Vorliegen einer chronischen Herzerkrankung ist nicht etwa ein Grund zur Sorge vor Impfkomplikationen oder schlechterer Verträglichkeit der Impfung im Vergleich zu herzgesunden Menschen, sondern ganz im Gegenteil ein zusätzliches gewichtiges Argument für eine Corona-Impfung“, betont der Arzt gegenüber unserer Redaktion. Lediglich im Falle einer akuten, schweren Herzerkrankung wie zum Beispiel einem akuten Herzinfarkt sollte seiner Einschätzung nach die Impfung verschoben werden. „Dies gilt aber für alle Impfungen und alle akuten, schweren Erkrankungen.“

 

Sollten sich Dialyse-Patienten impfen lassen?

Professor Dr. Martin Trepel, stellvertretender Ärztlicher Direktor an der Uniklinik Augsburg und Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, empfiehlt Dialyse-Patienten „auf jeden Fall“ eine Impfung durchzuführen, um sich zu schützen.

Allergikern wurde zunächst zur Vorsicht bei der Impfung geraten. Wie ist der aktuelle Stand?

„Es gibt sehr vereinzelte Berichte von allergischen Reaktionen auf die neuen Corona-Impfstoffe, die ansonsten sehr gut verträglich sind“, sagt Professor Clemens Wendtner. Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna werde zur Stabilisierung der Lipidhülle, die die mRNA umgibt, ein in der Medizin viel genutzter Stabilisator verwendet, so genanntes Polyethylenglykol (PEG). Personen mit einer Unverträglichkeit auf diese Substanz sollten zum Beispiel nicht geimpft werden. „Eine klassische Nahrungsunverträglichkeit oder ein Heuschnupfen sind ansonsten keine generellen Ausschlusskriterien bezüglich einer Impfung“, erklärt der Münchner Experte. Dennoch sollte jede Impfung ärztlich überwacht werden: „Jeder Impfling verbleibt routinemäßig für 15 Minuten in unserem Impfzelt, ein Allergie-Set ist jederzeit im Notfallschrank griffbereit“, beruhigt der Arzt.

Stiko empfiehlt Nutzen-Risiko-Abwägung der Corona-Impfung bei Schwangeren

Was müssen Marcumar-Patienten beachten?

Sehr gut sei es schon mal, dass es keinerlei Hinweise gebe, dass Marcumar die Wirksamkeit der Impfung negativ beeinflusst, betont Dr. Stefanie Grützner, Direktorin des Instituts für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie an der Universitätsklinik Augsburg. Vorsichtig muss ihrer Ansicht nach der impfende Arzt aber sein, da die Impfung streng intramuskulär, das heißt in den Muskel, gegeben werden muss. „Da kann die Blutverdünnung durch Marcumar zu einer verstärkten Nachblutung führen“, erklärt die Ärztin. Wichtig sei es, dass eine extra dünne Nadel zur Impfung verwendet, die Einstichstelle sicher zwei bis fünf Minuten komprimiert und der Impfling 30 Minuten nachbeobachtet wird, ob eine Nachblutung auftritt. „Der regelmäßig bestimmte INR-Wert sollte im guten therapeutischen Bereich liegen und nicht zu hoch sein.“ Da Marcumar-Patienten häufig zu einer der bekannten Risikogruppen zählen, sei es sehr wichtig, dass sie sich impfen lassen, „was unter Beachtung von ein paar Vorsichtsmaßnahmen auch sicher möglich ist“.

 

Soll ich mich als Schwangere impfen lassen?

In den Zulassungsstudien für die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 waren schwangere und stillende Frauen ausgeschlossen, sodass zu dieser Fragestellung aktuell keine Daten vorliegen, erklärt Dr. Marianne Röbl-Mathieu, die eine Frauenarztpraxis in München hat und Mitglied in der Stiko ist, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Deshalb empfiehlt die Stiko die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht. Allerdings haben Schwangere, die an Covid-19 erkranken, einigen Studien zufolge möglicherweise ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit als Nicht-Schwangere und müssen häufiger auf einer Intensivstation behandelt und beatmet werden.“ Das gelte besonders, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen – wie höheres Alter, starkes Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, eine Herz- oder eine Lungenerkrankung. „Deshalb sagt die Stiko, dass Schwangeren mit Vorerkrankungen in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden kann. Die Stiko hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.“

Müssen sich Frauen Sorgen machen, die sich noch ein Kind wünschen?

„Kinderwunsch ist keine Kontraindikation für die Impfung“, sagt Frauenärztin Marianne Röbl-Mathieu. Beachtet werden sollte, dass der volle Impfschutz erst sieben Tage nach der zweiten Impfdosis zu erwarten ist. Es bestehe keine Empfehlung, eine Schwangerschaft nach einer Covid-19-Impfung zu vermeiden. „Eine versehentliche Impfung in der Schwangerschaft ist keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.“

Hinweis: Dieser Artikel war erstmals am 17. Januar 2021 erschienen und wurde Anfang Februar aktualisiert.

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17.01.2021

(edit/mod/bitte argumentieren Sie sachlich/NUB 7.3)

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17.01.2021

Danke, dass Sie auf viele Fragen gute Antworten weitergeben!

Raimund Kamm

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