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Schwaben

05.09.2019

Liebe, Musik, Wein: Wie Hundertjährige aus der Region fit geblieben sind

Was hält Menschen auch im hohen Alter jung? Vier Damen aus der Region haben erzählt, wie sie ihr Leben lang fit geblieben sind.
Bild: Gero Breloer, dpa

Vier hundertjährige Damen aus unserer Region erzählen uns ihre Geschichte. Sie verraten, was ihnen ihr Leben lang Freude bereitet hat und wie sie gesund blieben.

Eine lange Liebe hielt Johanna Kugler aus dem Unterallgäu jung

Johanna Kugler stammt aus der Nähe von Holzkirchen in Oberbayern. Heute lebt sie im Seniorenheim St. Georg in Mindelheim. Heuer im Januar wurde sie 100. 1943 hat sie ihren Hermann geheiratet, einen Hauptmann der Luftwaffe. Von 100 Piloten waren nur zwei zurückgekommen – ihr Mann war dabei. Aber er verlor die linke Hand, was letztlich sein Glück war. Als Kriegsversehrter konnte er keine Messerschmitt mehr fliegen.

Bei Null fingen sie nach dem Krieg in Memmingen an. Hermann machte bei der AOK eine Ausbildung. Obwohl sie nur 300 Mark zum Leben hatten, schafften sie es, nebenbei ein Haus zu bauen. Die Steine dafür schleppte Johanna Kugler, wenn sie nicht nähte und sich um die drei Kinder kümmerte. Ein voller Teller machte glücklich.

Von Kesselfleisch träumt sie noch heute, isst aber am liebsten Knoblauchspaghetti mit Scampi. Dazu trinkt sie dann ein Weizenbier. 73 Jahre war Johanna Kugler mit ihrem Hermann glücklich verheiratet. Vor drei Jahren ist er im Alter von 99 Jahren gestorben. Bis zuletzt hat er seine Frau angehimmelt und sie haben Händchen gehalten. Vielleicht ist es diese Liebe, die die beiden so alt hat werden lassen.

Johanna Kugler ist 100 Jahre alt und wohnt im Unterallgäu.
Bild: Johann Stoll

Theresia Osterlehner aus dem Kreis Dillingen schwört auf die Kraft des Hildegardweins

An Heiligabend 2018 ist Theresia Osterlehner 100 Jahre alt geworden. Der Christbaum war ihr deswegen immer besonders wichtig. Als zweites von neun Kindern kam sie 1918 in Schnuttenbach im Kreis Günzburg zur Welt. Ihr Ehemann lockte sie in den Kreis Dillingen. Seit 1961 wohnt die Familie dort in Aislingen. Drei Töchter und einen Sohn brachte Theresia Osterlehner zur Welt. 1980 starb ihr Ehemann.

Die Hundertjährige hat einen festen Tagesablauf: Morgens Gymnastik, Frühstück mit Leberkässemmel, Kaffee, Saft und einem Schluck Hildegardwein. Nach der Zeitungslektüre ein erster Rundgang mit Rollator durch den Garten. Dabei streiten sich Theresia und ihre Tochter Gabi gerne über das Abendessen: Die 100-Jährige mag es gutbürgerlich, die Tochter mediterran. „Wenn was nicht passt, muss man halt streiten“, sagt die Seniorin und lacht.

Sie ist dankbar, dass sie noch so mobil ist und zu Hause im Kreis ihrer Familie wohnen kann: „Das ist das Schönste.“ Das Rezept für den Hildegardwein? Einen Liter guten Weißwein mit zehn Stängeln Petersilie und zwei Esslöffeln Weißweinessig zehn Minuten leicht köcheln lassen. Dann 100 Gramm Honig dazugeben, zehn weitere Minuten köcheln lassen, abfüllen und kaltstellen.

Elisabeth Gerblinger aus dem Augsburger Land hat niemals locker gelassen

Sie steht vom Sessel auf, schwingt ihre Arme weit vor, zurück, lässt ihre Hüften leicht kreisen, hebt ihre Schultern kurz, lässt sie fallen – auf geht’s: Elisabeth Gerblinger strahlt. Nach ihren Lockerungsübungen greift sie sich ihren Rollator und marschiert los. Was für eine Frau! 100. Geburtstag feierte sie am Sonntag. Geht es nach ihr, ist sie ständig unterwegs. Unternehmungslustig. Kontaktfreudig. „Sie war schon immer stets auf Achse“, sagt Tochter Renate Kaiser. Ihre Ausflugsbegeisterung führte allerdings zuletzt verstärkt zu Stürzen und Brüchen.

Seit März lebt Elisabeth Gerblinger im Altersheim St. Thekla in Welden im Landkreis Augsburg. Fragt man sie nach dem Rezept fürs gesunde Altwerden, erzählt sie als erstes von ihrer Arbeit: Rot-Kreuz-Schwester war sie und arbeitete später in den unterschiedlichsten Bereichen. Noch mit 60 Jahren begann sie als Haushaltshilfe und war bei der Familie bis zu ihrem 80. Geburtstag tätig. „Mit 80 hat sie sich dann noch ein Auto gekauft“, erzählt ihre Tochter, die es vor allem beeindruckt, dass ihre Mutter nie jammert, sondern immer positiv denkt. Elisabeth Gerblinger lächelt, als sie das hört, nickt und sagt: „Nur nicht locker lassen, das ist mein Motto.“

Anni Bürk aus der Region Memmingen ist fit dank Gesang und junger Leute

Der Name ihres Unterallgäuer Heimatortes Lachen scheint für Anni Bürk Programm zu sein: Sie lacht gerne und herzlich. Im Juni ist sie 100 geworden – was sie groß im Kreis der Familie und eigentlich der ganzen Gemeinde gefeiert hat. Denn über 50 Jahre war sie Sekretärin in der Verwaltungsgemeinschaft Memmingerberg, erlebte in dieser Zeit vier Bürgermeister – und „leitete“ diese nach dem plötzlichen Tod eines der Rathauschefs quasi sogar eine Zeit lang.

Dass sie immer noch fit ist – allein die Schwerhörigkeit macht ihr etwas zu schaffen – führt sie auf drei wesentliche Dinge zurück: Erstens hatte sie immer mit jungen Leuten zu tun – unter anderem als jahrzehntelange Leiterin der Landjugend. Zweitens hat sie hunderte Gedichte auf Schwäbisch geschrieben und singt gerne – am liebsten Volkslieder und die dann im Chor gerne mal vierstimmig. Drittens hält sie immer noch ihr Hirn auf Trapp. Heißt konkret, dass Kreuzworträtsel erst in den Müll wandern, wenn das letzte Wort gelöst und notiert ist.

Nur eine Sache bedauert Anni Bürk in ihrem langen Leben: dass sie keine Kinder hat. „Das hat sich leider nicht ergeben“, erzählt sie ohne Groll. Dafür ist sie glücklich, auf „ihrem“ alten Hof bei ihren Nichten und Neffen zu leben.

Anni Bürk aus dem Raum Memmingen ist im Juni 100 Jahre alt geworden.
Bild: Klemens Starz
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