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Nach Haftstrafe

19.08.2019

Linus Förster ist jetzt frei - wie schwer ist sein Weg zurück?

September 2017: der Augsburger Ex-Politiker Linus Förster vor Gericht. Er wurde wegen mehrerer Sexualstraftaten zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Jetzt ist er wieder auf freiem Fuß.
Bild: Foto: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Der frühere Landtagsabgeordnete der SPD saß wegen Sexualstraftaten mehr als zweieinhalb Jahre in Haft. Nun ist er aus der Haft entlassen worden.

Es hat ganz schön gekracht während der letzten Stunden von Linus Förster im Gefängnis. In Amberg und Umgebung tobte am Sonntagabend ein Gewittersturm. Bäume stürzten um, Straßen wurden überflutet. Man könnte das Unwetter kurz vor der Haftentlassung des früheren Politikers nun als schlechtes Omen deuten. Man könnte aber auch von einem reinigenden Gewitter sprechen – wenige Stunden, bevor der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete am Montagmorgen die JVA Amberg verlassen und ein neues Leben in Freiheit angetreten hat.

Linus Förster kehrt zurück nach Augsburg

Förster wird nach unseren Recherchen nun erst einmal in seine Heimatstadt Augsburg zurückkehren. Dort gibt es einige Menschen, die nach wie vor zu ihm halten, unter anderem die Frau, mit der sich der Ex-Politiker kurz vor dem Prozess verlobt hat. Förster muss Bewährungsauflagen erfüllen und wird in der speziellen bayerischen Datenbank für entlassene Sexualstraftäter (Heads) geführt.

Welche Pläne er hat, ist nicht bekannt. Dass er in die Politik zurückkehrt, ist ausgeschlossen. Als 2016 die Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren, legte er sein Landtagsmandat nach 13 Jahren nieder und trat aus der SPD aus. Sein Rechtsanwalt Walter Rubach sagt, Förster werde es sehr schwer haben, wieder Fuß zu fassen und einen Job zu finden. Dabei kann Förster Geld brauchen. Seine Abgeordnetenpension von rechnerisch 3600 Euro brutto ist er los. Die Prozesskosten in fünfstelliger Höhe musste er ebenfalls tragen. Und seinen Opfern hat er Entschädigungen von mehr als 30.000 Euro gezahlt.

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Förster saß im Gefängnis mit Mördern und Drogendealern

Zwei Jahre und acht Monate hat der ehemalige schwäbische SPD-Chef und langjährige Landtagsabgeordnete Dr. Heinrich Linus Förster hinter Gittern verbracht, rund zwei Drittel der Strafe. Eine harte Zeit für den 54-Jährigen. Der promovierte Politikwissenschaftler verbrachte seine Tage unter einem Dach mit Gewalttätern, Drogendealern und Mördern. Der Mann, der einst als politische Hoffnung der schwäbischen Sozialdemokraten galt – er fand sich auf einer Stufe mit Schwerverbrechern.

Aus Sicht seines Anwalts Rubach war das Gefängnis aber gar nicht das größte Problem für Förster. Man könne eine Haftstrafe durchstehen und sogar daraus lernen. Das größte Problem für den Ex-Politiker werde die gesellschaftliche Ächtung sein, die ihm nun drohe. Das liegt an der Art der Straftaten, wegen derer Förster im September 2017 verurteilt worden ist: Er hat zwei schlafende, teils unter starken Medikamenten stehende Frauen sexuell missbraucht, heimliche Sex-Filme gedreht und hunderte Kinderpornos besessen. Förster gab sich zwar reuig, legte ein Geständnis ab und entschuldigte sich bei den Opfern, doch das Gefängnis ersparte ihm das nicht.

Drei Jahre und zehn Monate lautete das Urteil. Richter Lenart Hoesch machte die Urteilsbegründung zu einer schonungslosen Analyse von Försters überbordendem Sexualtrieb. „Dr. Förster hat Frauen wie Trophäen gesammelt“, sagt Hoesch. Er sei eine „stark narzisstisch geprägte Persönlichkeit“, immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Die Worte des Richters waren so unangenehm für Förster wie der gesamte Prozess. Der frühere Sunnyboy und erfolgreiche Hobbymusiker wirkte vor Gericht stark angeschlagen. Sein ausschweifendes Sexualleben war zum Kernthema geworden. Das war auch peinlich für seine früheren Geliebten, die vor Publikum über ihr Intimleben berichten mussten. Letztlich blieb der Eindruck, dass sich Förster in den Jahren vor seiner Inhaftierung vorwiegend mit Sex und Pornografie beschäftigt hat und die politische Arbeit im Landtag eher nebenbei betrieb.

Privatpornos wurden Förster zum Verhängnis

Das hatte auch Folgen für seine eigene Psyche: Die Rolle als unbedeutender Oppositionspolitiker kratzte sehr an seinem Ego: Er verfiel in Depressionen. Und spätestens seit einem Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik am Chiemsee driftete er bei seinen häufig wechselnden und oft parallel geführten Affären in die Illegalität ab.

Zum Verhängnis wurde dem Ex-Politiker, dass er unbedingt seine eigenen Privatpornos drehen wollte. Anfangs filmte er den Geschlechtsverkehr noch mit dem Einverständnis der Frauen. Später fragte er nicht mehr, sondern drehte mit versteckten Kameras, von denen die Ermittler in jedem Raum seiner Augsburger Wohnung eine fanden. Seine Freundin, die er in der Psychoklinik kennengelernt hatte, missbrauchte er zweimal, nachdem sie Schlafmittel genommen hatte und komplett weggedämmert war. Auch diese Übergriffe filmte Förster und unterlegte einen der Filme später mit der Textzeile „And the sex goes on“ – und der Sex geht weiter. Eine andere Frau missbrauchte er, als sie sich volltrunken während einer Party am Lagerfeuer schlafen gelegt hatte. Sie erfuhr erst durch die Ermittlungen davon.

Als Linus Förster auch noch einen heimlichen Film vom Sex mit einer Prostituierten drehen wollte, flog er auf. Die Chinesin brachte den Speicherchip seiner Mini-Kamera an sich und ging damit zur Polizei. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet Försters Ex-Freundin, eine Polizeibeamtin, erkannte ihn auf einem Foto von jenem Speicherchip. Mitte November 2016 wurden Försters Büros in Augsburg und München sowie seine Augsburger Wohnung durchsucht. Einen Monat später kam er in Untersuchungshaft.

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21.08.2019

Das Aufwärmen schon früher gerne und wiederholt ausgewalzten Geschehens
(natürlich wie gehabt mit großformartigem Foto) nach Verbüßung der Gefäng-
nisstrafe ist für mich Nachtreten übelster Art.
Da empfinde ich das Zugestehen einer "Chance auf als ein neues Lebens" (im
Kommentar zum eigenen Artikel) als puren Hohn.
Arbeit auf der Basis eines humanistischen Menschenbildes, professionelle
journalistische Qualität (Unternehmensgrundsätze der Mediengruppe
Pressedruck)? Eher Boulevardjournalismus......

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20.08.2019

Was heißt hier, von den beiden Damen, ob sie Mitleid haben sollen bzw. was das Gejammer solle?

Linus Förster hat Straftaten begangen und ist dafür bestraft worden. Er hat sich einer Therapie unterzogen und sollte nun wieder die Chance bekommen in ein normales Leben zurückzufinden.

Wesentlich ist, dass er eingesehen hat, dass er schwer fehlte und nicht lediglich ein Kavaliersdelikt begangen hat. Das dürfte bei der vorzeitigen Entlassung Grundvoraussetzung gewesen sein.

Die Spekulationen, die ich in der Sonntagspresse las, dass er wohl seinen Wohnort wechseln müsse, womöglich in die Bukowina auswandern, seine 'angebliche' Verlobte heiratend, deren Namen er dann annehmen könne, die finde ich verfehlt bis unangenehm.

Für was hält sich eigentlich jemand, der so etwas schreibt? Für einen moralisch einwandfreien Menschen?

Ich wünsche Linus Förster, dass er von denen, die sich mal seine Freunde nannten, wieder aufgefangen wird, dass ihm irgendjemand eine berufliche Chance gibt und dass er mit der Frau, die zu ihm hält, glücklich wird.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine ganze Menge Schadenfreude in der Berichterstattung dem Umstand geschuldet ist, dass Linus Förster mal ein ausgesprochen beliebter Sunnyboy war.

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20.08.2019

Muss ich mit ihm jetzt Mitleid haben ?

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20.08.2019

Was soll das Gejammer??? Geschieht ihm doch Recht, wenn er von der Gesellschaft gemieden wird und nicht mehr auf die Füße kommt. Hat er sich doch selbst eingebrockt. Sorry, für solche Leute braucht man kein Mitleid haben. Wer fragt die armen Kinder ??

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