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Landsberg

26.04.2017

Lutz Fleischwaren meldet Insolvenz an - 850 Mitarbeiter betroffen

Lutz Fleischwaren hat beim Amtsgericht Augsburg Insolvenz angemeldet.
Bild: Julian Leitenstorfer

Lutz Fleischwaren in Landsberg am Lech ist pleite. Am Mittwoch hat der Wursthersteller beim Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt. 850 Mitarbeiter sind betroffen.

Die Grillsaison ist zwar noch nicht eröffnet, aber viele aus dem Landkreis, die Fleisch und Wurst im Frischecenter von Lutz Fleischwaren im Landsberger Industriegebiet kaufen, wird diese Nachricht nicht freuen. Das mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in Landsberg hat beim Amtsgericht in Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt. Am Nachmittag berieten bereits Insolvenzberater und Geschäftsführung, wie es weitergehen soll. Betroffen sind 850 Mitarbeiter an mehreren Standorten in ganz Deutschland. In Landsberg sind derzeit in Produktion, Verwaltung und Frischecenter über 80 Personen beschäftigt.

Lutz Fleischwaren ist nach eigenen Angaben ein führender Hersteller von Schinken- und Wurstspezialitäten sowie Fertiggerichten aus Fleisch. Der Produktionsstandort in Landsberg hat sich auf bayerische Produkte, Kochpökelware und Bacon spezialisiert. Seit 1991 ist das Unternehmen in der Justus-von-Liebig-Straße im Industriegebiet heimisch. Der Neubau entstand 100 Jahre nachdem Wilhelm Lutz senior eine Metzgerei in Günzburg übernommen hatte, die er zu einer florierenden Fleischfabrik ausbaute.

Lutz Fleischwaren steckt wohl schon länger in Schwierigkeiten

Das Unternehmen, das unter anderem Aldi, Lidl, Edeka und Rewe beliefert, steckte offenbar schon seit einiger Zeit in Schwierigkeiten. Geschäftsführer Werner Wolf sagte: „Wir sind überschuldet und zahlungsunfähig.“ Wolf, der zuvor Geschäftsführer bei der Brauerei Bitburger war, ist erst seit Januar beim Landsberger Fleischwarenhersteller.

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Als Hauptgrund für die Schieflage nannte er steigende Rohstoffpreise, die in der Branche rund 70 Prozent der Kosten ausmachen würden. „Das Steigen der Schweinepreise hat uns den Rest gegeben.“ Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, stehen deutsche Wursthersteller seit einiger Zeit unter Druck. Einige hätten beim Handel einzelne Preiserhöhungen durchgesetzt, was aber nicht ausreiche. Lutz Fleischwaren sei nun das erste prominente Opfer.

Mit dem Wechsel nach Landsberg im Jahr 1991 wurde die Wilhelm Lutz KG in die Lutz Fleischwaren AG, später in eine GmbH umgewandelt. Im Jahr 2006 kaufte die niederländische Unternehmensgruppe Vion Lutz Fleischwaren, veräußerte aber im Mai 2014 einen Teil, bestehend aus sieben Produktionsstätten, 29 Verkaufsstellen, neun Frischecentern und drei Fleischmärkten sowie unter anderem die Marken Lutz und Nocker. Die Sparte wurde unter dem Dach Lutz Fleischwaren zusammengeführt.

Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen rund 300 Millionen Euro Umsatz. Es gehört der Münchener Beteiligungsgesellschaft Paragon. Dem Konsortium gehören auch der frühere Schinkenhersteller Jürgen Abraham (Abraham Schinken) und der ehemalige Chef von Vion Deutschland, Norbert Barfuß, an.

In den Standort Landsberg wurde kräftig investiert

In den vergangenen Jahren wurde auch kräftig in den Standort Landsberg investiert. Nach Angaben des Unternehmens wurde 2010 eine neue Produktionsstraße für Schinken mit integriertem Slicer und neuer Verpackungsmaschine errichtet, vier Jahre später eine neue Kühlanlage für das Werk. Beliebt bei Kunden aus der Region ist das Frischecenter. Gastronomen und Privatleute kaufen dort neben Fleisch- und Wurstwaren auch Käse, Spätzle oder Kartoffelsalat ein. Gerade vor Wochenenden im Sommer waren die Grillprodukte häufig ausverkauft.

Wie eine Mitarbeiterin der Geschäftsführung auf Nachfrage sagte, bleibt das Frischecenter vorerst geöffnet. Die Mitarbeiter, die von den Insolvenz erfuhren, hoffen jetzt, dass es weitergeht. Über das Wie muss der Insolvenzverwalter entscheiden, der zu ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung in Landsberg weilte. „Wir wollen weitermachen“, sagen die Mitarbeiter. Auf der Internetseite des Unternehmens werden zumindest immer noch ab August Auszubildende gesucht, darunter eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Kaufleute für Büromanagement und Mechatroniker.

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