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Porträt

23.11.2017

Markus Söder und sein langer Weg zur Macht

Markus Söder ist seinem Ziel ganz nah, Ministerpräsident von Bayern zu werden.
Bild: Sven Hoppe, dpa (Archiv)

Jahrelang hat sich Markus Söder auf diesen Moment vorbereitet und dafür Demütigungen ertragen. So nah war er seinem Ziel noch nie – jetzt bloß keinen Fehler machen.

Selten hätte Markus Söder einer Falschmeldung so gerne geglaubt wie am Donnerstag. Ein paar Minuten sah es so aus, als sei er am Ziel. Doch die letzten Meter bis zum Gipfel sind ja oft die härtesten – und die gefährlichsten. Da kann jeder falsche Schritt den Absturz bedeuten. Die letzte Etappe seines langen Weges zur Macht beginnt für Söder am 24. September: Die CSU erlebt bei der Bundestagswahl ein historisches Debakel, der Kampf um die Macht in Bayern ist eröffnet. Nur führen darf Söder ihn nicht. Noch nicht. Und schon gar nicht öffentlich.

Sein gnadenloser Wille, ganz nach oben zu kommen, hat dem 50-Jährigen schon zu oft geschadet. Von Ehrgeiz zerfressen sei er, ätzt Horst Seehofer einmal auf einer CSU-Weihnachtsfeier gegen Söder. Fünf Jahre ist das jetzt her. Seitdem kämpft der Noch-Landesvater gegen seinen unerwünschten Kronprinzen – Spott und subtile Demütigungen inklusive. Der erträgt es und rächt sich mit durchaus launigen Lästereien hinter verschlossenen Türen.

Als Seehofer in Berlin um Jamaika ringt, muss Söder zu Hause bleiben. Ein Affront. Einer offenen Konfrontation mit dem 18 Jahre älteren Alpha-Tier geht er trotzdem aus dem Weg. Aber er sammelt im bayerischen Revier Verbündete für den Tag, an dem der Leitwolf endlich Schwäche zeigt. Und er wartet. Das bereitet ihm beinahe körperliche Schmerzen – erst recht, seit das Ziel in Sichtweite ist. Er hält sie aus.

Markus Söder zeigte sich am Donnerstag verdächtig entspannt

Am Donnerstag, am Tag der Entscheidung, der dann doch keine endgültigen Gewissheiten bringt, wirkt Söder verdächtig entspannt. Ein paar Floskeln in die Mikrofone – legendäre Geschlossenheit der CSU und so –, und schon ist er wieder weg. Es ist die Gelassenheit eines Mannes, der schon zu wissen scheint, dass die Sache gelaufen ist. Zu seinen Gunsten.

Begonnen hat der lange Aufstieg in einem fränkischen Jugendzimmer. An der Dachschräge über dem Bett hängt ein Poster. Es ist kein Rockstar und auch kein Fußballer, obwohl Söder Fan des 1. FC Nürnberg ist. „Wenn ich aufgewacht bin, habe ich an der Decke direkt Franz Josef Strauß angeschaut“, wird er später erzählen. Da mag ein bisschen Legendenbildung dabei sein, aber tatsächlich tritt er schon als Schüler in die Junge Union ein, mit 27 Jahren wird er Landtagsabgeordneter, später CSU-Generalsekretär und Minister für so ziemlich alles (erst Europa, dann Umwelt und Gesundheit, jetzt Finanzen und Heimat).

Zwischendurch gründet er noch eine Familie und wird viermal Vater. Der gelernte Fernsehjournalist setzt sich gerne in Szene – bis an den Rand des Peinlichen, aber eben selten darüber hinaus. Er reist durch das Land, knüpft Netzwerke, verspricht vielen vieles für den Tag, an dem er oben angekommen sein wird.

Porträt: Markus Söder ist eine Reizfigur

Genau wie seine Partei ist er alles – notfalls auch das Gegenteil: humorvoll und verbissen, staatsmännisch und populistisch, sozial und brutal. Söder ist eine Reizfigur, aber selbst seine politischen Gegner nehmen ihn ernst. Dass er in der Post-Seehofer-Ära nicht mindestens eines der Ämter seines Rivalen bekommt, hat schon lange kaum noch jemand geglaubt. Am Donnerstag war er dann zumindest für einen Augenblick fast offiziell der künftige Ministerpräsident. Am Abend sah es dann wieder so aus, als sei die Wartezeit nicht zu Ende. Noch nicht.

Horst Seehofer hat Zeit gewonnen, schreibt Uli Bachmeier hier in seinem Kommentar.

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