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Havarie

18.06.2019

Mehr als 100 Schiffe stehen im Stau

Frachter und Passagierschiffe stauen sich auf dem Main-Donau-Kanal vor einer Schleuse am Hafen.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Nach einem Unfall an der Schleuse Riedenburg stecken auf dem Main-Donau-Kanal viele Frachter und Kreuzfahrtschiffe fest. Welche Folgen die Zwangspause hat

Ob er dem Dilemma nicht auch etwas Positives abgewinnen könne? Wolfgang Mayer verfällt in Galgenhumor: „Naja, endlich kann man mal die Revisionsarbeiten konzentriert erledigen – ohne immer wieder vom Schleusen unterbrochen zu werden.“ Das ist aber auch alles, was dem 53-jährigen Binnenschiffer an Positivem einfällt, wenn er auf die Zwangspause im Nürnberger Hafen zu sprechen kommt. Der Kapitän des Frachters „Main“ muss sich wegen einer Schiffshavarie in der Schleuse Riedenburg in Niederbayern gedulden. Vor knapp zwei Wochen hatte dort ein Passagierschiff bei der Einfahrt das Schleusentor so stark beschädigt, dass es nicht mehr geschlossen werden kann. Und Mayer ist nicht der einzige Binnenschiffer, der ungeduldig auf die Freigabe der Kanalpassage wartet.

Bis zum Montag ist der Schiffsstau nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Nürnberg auf 108 Schiffe angewachsen. 60 davon haben bei Nürnberg, 48 in oder in der Nähe von Regensburg einen Zwangsstopp eingelegt, berichtet die Schifffahrtsbehörde.

Schwierig ist die zehntägige Blockade für alle Art von Schiffen. Auch 36 Flusskreuzfahrtschiffe müssen derzeit umdisponieren. Betroffen ist etwa Matej Chudik, der Kapitän der „Avalon Tranquility II“. Mit seinem Schiff sitzt er seit Samstag fest. „Wir waren unterwegs nach Budapest – das schaffen wir jetzt nicht mehr“, sagte Chudik. Insgesamt sieht er die Lage aber gelassen: „Das ist Verkehr. Mit so was muss man immer rechnen.“

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Eine 73 Jahre alte Passagierin der „Arosa Selva“ ist enttäuscht: „Ist schon ärgerlich für die ganzen Passagiere – nur weil jemand nicht aufgepasst hat“, sagte sie. „Aber was sollen wir tun? Gegen höhere Gewalt kann man nichts machen“, tröstet sich die ältere Dame. Blöd sei nur die „viele Busfahrerei“: Statt in Regensburg eingeschifft zu werden, sei sie am Samstag mit dem Bus nach Nürnberg gebracht worden. Zur Stadtbesichtigung in Regensburg sei es am Sonntag dann aber wieder nach Regensburg und danach wieder zurück nach Nürnberg gegangen.

Binnenschiffer Mayer trifft der Zwangsstopp finanziell hart. Er hat in Rotterdam Eisenerz für die Voest-Stahlwerke im österreichischen Linz geladen. Und jetzt steckt er fest. Der wirtschaftliche Schaden für ihn sei enorm: „Wir verlieren jeden Tag 1900 Euro.“ Ein Schaden, der sich in den kommenden Monaten nicht mehr ausgleichen lasse – und für den es praktisch keine Versicherung gebe.

Klaus Tscharnke und Rachel Boßmeyer, dpa

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