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Mehrarbeit für Lehrer? Das Gejammer ist unerträglich

Markus Bär.
Kommentar Von Markus Bär
13.02.2020

Grundschullehrer sollen eine Stunde pro Woche mehr arbeiten? Das ist ihnen durchaus zuzumuten - gerade wenn man sich ansieht, wie viel andere arbeiten müssen.

Mit einem Sturm der Entrüstung haben Pädagogen in Bayern auf die Pläne von Kultusminister Michael Piazolo reagiert, wonach – unter anderem – Grundschullehrer eine Stunde mehr pro Woche unterrichten sollen, um dem Lehrermangel zu begegnen. Das heißt: als Vollzeitbeamter statt 28 dann 29 Unterrichtsstunden. Dass die Betroffenen davon nicht begeistert sind, ist verständlich. Doch einmal mehr stehen große Teile der Bevölkerung fassungslos daneben. Und fühlen sich in ihren üblichen Vorurteilen bestätigt, dass es sich bei „den Lehrern“ um eine überbezahlte, überversorgte, überanspruchsvolle Berufsgruppe handelt, der jeglicher Bezug zur sonst üblichen Wirklichkeit des Berufslebens fehlt.

Die Stunde wird ja ohnehin gutgeschrieben

Schauen wir nur aufs Geld. Zwar sind Gehälter schwer zu vergleichen. Zumal, wenn es um Beamte und Angestellte geht. Dennoch soll dieser Versuch unternommen werden. Bemüht man etwa das viel genutzte Portal oeffentlicher-dienst.info, dann verdient ein kinderloser, unverheirateter, verbeamteter Grundschullehrer 2020 in Bayern als Einstiegsnetto nach Abzug eines Selbstanteils für die private Krankenversicherung um die 3000 Euro. Ein in einer kommunalen Klinik angestellter Assistenzarzt – auch Berufseinsteiger, kinderlos, unverheiratet – geht netto mit 2660 Euro heim. Letzterer hat wesentlich länger studiert und ebenso einen sehr verantwortungsvollen Job. Ein Arzt arbeitet pro Woche oft deutlich mehr als 40 Stunden, ohne dass das auch nur ein Achselzucken hervorrufen würde. Bei den Wochenstunden der Lehrer sprechen wir von Dreiviertelstunden. Der Assistenzarzt hat sechs Wochen Urlaub pro Jahr, arbeitet auch nachts. Der Grundschullehrer hat in vielen Fällen fast doppelt so viel Urlaub und arbeitet – selbst mit Vor- und Nachbereitung – oft sicher keine vollen Tage.

Manche werden diesen Vergleich viel zu ungenau, schäbig und populistisch finden. Nur: Er haut trotzdem im Großen und Ganzen einfach hin. Die sich entrüstenden Lehrerverbände sollten darum endlich mit ihrem unerträglichen Gejammer aufhören, mit dem sie nur weiter Vorurteile schüren. Grundschullehrern ist es zuzumuten, dass sie über einige Jahre hinweg eine Stunde länger arbeiten müssen. Die Stunde wird ja ohnehin auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben.

Mehrarbeit für Lehrer? Das Gejammer ist unerträglich

Dieser Kommentar ist Teil eines Pro und Contras zum Thema. Lesen Sie hier die Gegenmeinung: Mehrarbeit für Lehrer? Schluss mit den Stammtisch-Parolen

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16.02.2020

Nicht zu fassen. Vollkommen unverschämter Kommentar ohne jegliches Fundament...

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15.02.2020

Beim ersten Lesen dachte ich kurz, dass dieser Kommentar Satire wäre.
Wie schon erwähnt, steht er in der Tradition eines unrealistischen Vorurteils über die Lehrerarbeit. Ich vermute, dass diese Vorurteile und das damit verbundene generalisierende Lehrerbashing damit zu tun haben, dass die eigenen Erfahrungen mit Schule von einigen durchwachsen waren und man Lehrer ab und an während des Tages bei privaten Tätigkeiten sieht. Dass Lehrer aber durch ihr frei zu wählendes Homeoffice ihre Arbeitszeit anders einteilen und teilweise bis abends spät zuhause und an den Wochenenden arbeiten, das kommt anscheinend wenigen in den Sinn.
In Ergänzung zu den Kommentaren noch etwas Konkretes zur Arbeitszeit, was die Grundschule betrifft:
Ich bin eine erfahrene Grundschullehrerin und habe ein 24 Stunden-Deputat (also 4 Stunden weniger als die Vollzeit). Meine wöchentliche Arbeitszeit, die ich als Klassenlehrerin einer derzeit 4. Klasse investiere, beträgt mit dem Unterrichten ziemlich treffend 50 Zeitstunden. Kommen Wochen mit Konferenzen, Teamsitzungen, Aufsatzkorrekturen (Übungs- und Probeaufsätze), Fortbildungen, Elternsprechtage, viele Elternsprechstunden, Zeugnisschreiben usw. dazu, komme ich locker über 50 Stunden. Ich habe eine Familie, aber keinen besonderen familiären Belastungen, da meine Kinder erwachsen sind.
Mein Deputat habe ich aus dem alleinigen Grund gesenkt, dass für mich die Arbeitsbelastungen noch machbar sind und mein Stresslevel nicht ins Unendliche steigt. Meinen Beruf mache ich gerne und dieser passt auch für mich, dennoch geht einfach nicht mehr! Es sollte eher weniger werden.
Von den emotionalen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind (erzieherische Arbeit, manche Elternarbeit), wo von uns hohe Professionalität gefordert wird (damit muss man sich immer wieder auseinandersetzen, sich fortbilden), möchte ich jetzt gar nicht schreiben.
Was kaum irgendwo erscheint, ist eine Besonderheit an den bayerischen Grundschulen: Alle Grundschullehrer arbeiten schon von Haus aus mindestens eine Zeitstunde mehr, die nicht Deputat erhalten ist. Ich schreibe von den sogenannten Vorviertelstunden. Die bayerischen Grundschüler haben eine Viertelstunde Ankunftszeit im Klassenzimmer. Beginnt z.B. der offizielle Unterricht um 8 Uhr, dann wird die Schulhaustüre um 7.45 Uhr geöffnet und die Schüler können ins Klassenzimmer. Ursprünglich war – so vermute ich - diese Vorviertelstunde einmal nur als Aufsicht gedacht. Doch das ist so einfach nicht möglich. Inzwischen hat sich das so entwickelt, dass die Lehrkraft für die Schüler offene Aufgaben parat hat, die sie erledigen können/ müssen. Die Vorviertelstunde ist bei den Grundschullehrern im Allgemeinen willkommen, weil man dort sich um organisatorische Dinge kümmern kann (z.B. Hausaufgabenabgabe, Geld einsammeln, etwas in Mittelungshefte schreiben) und Zeit hat, mit einzelnen Schülern etwas zu besprechen. Wer jeden Morgen zur ersten Stunde anfängt, der hat diese Vorviertelstunde. Jeder kann ausrechnen, dass man allein dadurch schon auf über eine zusätzliche Zeitstunde kommt.
Im Kommentar von Stefan G. sind viele der einzelnen Punkte, mit denen wir es in der Grundschule zu tun haben, aufgelistet. Jeder hat seine Aufgabe und arbeitet in diversen Teams, die sich selbstverständlich nach der Unterrichtszeit treffen (wann denn sonst?) mit.
Außerdem möchte ich noch ergänzen: Wir an den Grundschulen verwalten uns größtenteils selbst und haben weitgehende Aufgaben, die keiner sieht. Das geht von der Schulhausgestaltung und Pflanzenpflege über die diversen Arbeitskreise und Teams bis hin zur Schulentwicklung. Durch die Vorgaben der Evaluation stehen Ziele an, die, ähnlich wie in Industriebetrieben, in einer bestimmten Zeit umgesetzt werden sollen. Das macht sich alles nicht von selbst und wird selbstverständlich in der unterrichtsfreien Zeit gemacht. Ähnliches haben sicher weiterführende Schulen zu berichten.
Tja, der Kommentar von Herrn Bär suggeriert denjenigen ohne Hintergrundwissen, dass wir Grundschullehrer unprofessionelle Jammerlappen wären. Damit wird der Beruf des (Grundschul)Lehrers weiter demontiert. Ein Glück, dass dieser Kommentar nicht alleine steht, sondern Sarah Ritschel ebenso einen Kommentar geschrieben hat. Mich wundert allerdings, dass der Kommentar von Herrn Bär – so sieht es zumindest aus - als professioneller Kommentar durchgeht und nicht Stammtischaussagen wiedergeben sollte.

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15.02.2020

Leider ist der Kommentar schon im Ansatz von erschütternder Ahnungslosigkeit geprägt. Den kinderlosen, unverheirateten Grundschullehrer gibt es eben nicht. 2020 schon gar nicht.

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15.02.2020

Die durchschnittliche Arbeitszeit eines deutschen Lehrers beträgt nach OECD-2009 50 (Zeit-)Stunden inkl. Berücksichtigung der Ferienzeiten (siehe auch Erhebungen von Mummert & Partner 1999/NRW). Der Kommentar steht in der fehlgeleiteten und von wenig Sachkenntnis geprägten "Faule Säcke" -Tradition (Ex-Kanzler Schröder).

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14.02.2020

Dieser Artikel ist eine absolute Frechheit und zeichnet sich nur durch unreflektierte und populistische Stammtischparolen aus, gepaart mit falsch recherchiert Angaben. Sehr geehrte Herr Bär, an Ihrer Stelle würde ich mich schämen! Das Sie sich herausnehmen, einen solchen Artikel über ein Thema zu schreiben, von dem Sie offensichtlich nicht einen Hauch von Ahnung haben, ist einfach nur bodenlos! Und gleichzeitig uns vorwerfen, nicht so rumzujammern. Machen Sie erstmal Ihren Job ordentlich und mit der Ihnen übertragen Sorgfaltspflicht. Über eine Richtigstellung der Arbeitsbedingungen und der Situation bzw. dem Anliegen der Lehrkräfte würde ich mich nicht nur freuen, ich erwarte es auch von einer Zeitung wie Ihrer. Ich bin enttäuscht und entsetzt!

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15.02.2020

Da Herr Bär sich selber bescheinigt, dass sein Vergleich im Großen
und Ganzen einfach hinhaut, hoffen Sie wohl vergebens auf Selbstkritik
oder Schamgefühl.
Letztere beim Durchlesen vor der Veröffentlichung - dann wäre dieser
Kommentar wohl nicht erschienen.
Noch am Rande: Neben der Auflagenzahl gibt es noch wichtigere
Kriterien für die "Größe" einer Zeitung.........

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14.02.2020

Dieser Kommentar gibt keine "Orientierung durch fundierte Meinungen"
(Unternehmensgrundsätze der Presse Druck).
Ich empfinde ihn als freudiges, pauschales Niedermachen der Lehrerschaft
(ohne selbst Lehrer zu sein!) unter dem Etikett der Meinungsfreiheit.

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14.02.2020

Ergänzend sei gesagt, dass der Beruf des Grund - und Mittelschullehrers vor allem deswegen so unattraktiv ist, da er kaum Aufstiegsschancen bietet. Am Ende seines über 40 jährigen Berufslebens geht ein Lehrer mit weniger als 1000 Euro brutto mehr in Rente als er anfangs verdiente. Für derzeit weniger als 5000 Euro würde der zitierte Arzt dann aber morgens nicht einmal mehr aufstehen.

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14.02.2020

Lustig, wie die Kommentare hier gleich explodieren.
Ich kann aus eigener Erfahrung (Schwiegermutter ist Lehrerin, zwei gute Freunde sind Lehrer) sagen, dass keiner von denen über 40 h pro Woche arbeitet. Die ersten Jahre schaut das mit Sicherheit etwas anders aus, aber sobald einmal ein passender Grundstock an Unterrichtsmaterialien und dergleichen entwickelt ist, haben die mir selbst offenbart: Es ist kein Job, bei dem man sich, zeitlich betrachtet, das Bein ausreißt.

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14.02.2020

Umso erstaunlicher ist es, dass diesen "Traumjob" immer weniger Leute machen wollen. Vor allem Männer nicht und die Frauen, die den Beruf wählen, arbeiten überwiegend in Teilzeit. Haben Sie dafür eine Erklärung?

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14.02.2020

Von Ihren drei Bekannten können Sie wohl kaum auf Lehrer im Allgemeinen schließen. Klar gibt es im Beamtentum auch immer mal wieder Leute, die sich drauf ausruhen und sich 'nen faulen Lenz machen. Das sind aber die wenigsten.
Ein Lesetipp für Sie: Zeiterfassungstudie GEW 2018, in Kurzfassung z.B. im Spiegel.
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/deutschland-lehrer-arbeiten-laut-gew-studie-zu-viel-a-1190380.html

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14.02.2020

Leider hat Herr Bär nicht einmal die Angaben zum angeblichen Gehalt eines Junglehrers richtig recherchiert: Seit dem 01.01.2020 verdient ein Berufsanfänger (Gehaltsstufe A 12) 3.924 Euro brutto. Davon bleiben ihm 2.835 Euro netto, wenn man die PKV mit 150 Euro annimmt. Noch in 2019 waren es übrigens fast 300 Euro brutto weniger, was dann etwa dem Nettogehalt des zitierten jungen Arztes entsprach. Hier hat der Freistaat Bayern endlich reagiert, da er zunehmend keinen Lehrernachwuchs mehr findet. Von dieser Gehaltserhöhung für Einsteiger haben aber die derzeit aktiven Lehrer nichts.

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14.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär,
dass Sie als Redaktionsmitglied einer renommierten Zeitung einen Kommentar veröffentlichen können, der (sogar bewusst) ohne jegliche Recherche auskommt, stimmt doch etwas nachdenklich.
Viele andere Kommentatoren haben Sie ja bereits auf Ihre Versäumnisse in dieser Hinsicht hingewiesen (Arbeitszeit nicht gleichbedeutend mit den zu haltenden Stunden, Einstiegsgehalt völlig daneben, fehlender Einblick in das Berufsbild, ...)
Der von polarisierenden Aussagen gespickte und vor Halbwahrheiten triefende Kommentar ist eines "Journalisten" meiner Meinung nach nicht würdig und trägt in Zeiten massiven Lehrermangels auch keineswegs zur Verbesserung der Situation bei.
Zumindest in einem Punkt haben Sie recht: Würden die bayrischen Lehrer ihren Beruf so oberflächlich ausüben wie Sie, und auf alles verzichten, was über den (unvorbereiteten) Unterricht hinausgeht, dann hätten sie tatsächlich einen entspannten Beruf.
Mit freundlichen Grüßen

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13.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär,

bitte kontaktieren Sie mich, ich erkläre Ihnen gerne - wenn es sein muss auch während einer Vertretungsstunde, in der ich ein Doppelführung habe oder wie letzten Sonntag Abend ab 20 Uhr, an dem Eltern die an meiner Tür geklingelt haben, um zu erfahren, ob der Unterricht ausfällt - wie die von Ihnen zitierte Internetseite funktioniert. Nehmen Sie bitte bis dahin Ihre falschen Äußerungen zurück. Sie haben sich nämlich locker um 400€ verrechnet, vertippt, verlesen oder was auch immer.

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13.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär,

ich bin geschockt, dass jemand in einem doch renommierten Blatt wie der Augsburger Allgemeinen so einen Kommentar veröffentlichen darf. Meine Frau kann als Grundschullehrerin in Teilzeit (!) locker mit meiner 40-50 Stundenwoche mithalten. Neben den regulären Unterrichtsstunden gibt es nämlich noch Vorbereitung, Nachbereitung, Konferenzen, Elternabende, Sprechstunden, Vertretungsstunden, Lernentwicklungsgespräche, Schülerbeobachtungsberichte für auffällige Schüler*innen, etc. Wenn sie schon Arbeitszeiten vergleichen wollen, dann vergleichen sie richtig! Dass sie als Journalist (?) sich auf so populistische Rechnungen wie 29 Schulstunden als Arbeitszeit zu sehen einlassen, ist eine Schande für Ihren Berufsstand. Ich würde mir nie erlauben, Journalisten als Kaffee-trinkende Märchenschreiber zu bezeichnen und damit irgendwelche Stammtisch-Vorurteile zu schüren. Hätten sich Arbeitsbedingungen in anderen Branchen so massiv verschlechtert, wie bei Grundschullehrer*innen in den letzten Jahren (und ich rede nicht von der einen Stunde Mehrarbeit, die jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht hat!), hätten Gewerkschaften massenhaft Unternehmen bestreikt. Ich finde es unerträglich, das ein Berufsstand, der so essentiell wichtig ist für die Zukunft Deutschlands, so beschimpft wird! Ich hoffe, dass sie mit Ihrer Meinung sehr alleine sind, die anderen Kommentare zeigen mir, dass es in unserer Gesellschaft noch Menschen gibt, die Wertschätzung für Lehrer aufbringen. Bildung ist das A&O für unsere Zukunft, wir sollten Lehrer*innen unterstützen, damit sie unsere Kinder gut unterrichten können, und sie nicht beschimpfen!

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13.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär,

Vorab: Ich bin ein junger Grundschullehrer, Ehemann und Vater von 2 Kindern.

In Ihrem Kommentar zeigen Sie nicht nur, dass sie keine - ich wiederhole mich gerne - keine Ahnung haben von dem, was Sie da schreiben.

Sie nutzen Ihren Kommentar, um schlecht recherchierte und polemische Aussagen zu verbreiten, die manche Menschen lesen und für wahr erachten.
Es mangelt Ihnen nicht nur ganz offensichtlich an den Einblicken in unseren Beruf, sondern auch an der Wertschätzung, die vor einigen Jahren noch vor allem Grundschullehrern und -lehrerinnen entgegengebracht wurde.
Schließlich legen wir den Grundstein für das schulische Leben der Kinder, ob sie die Schule für ihr weiteres Leben als positiv oder als negativ betrachten.
Es geht hier NICHT um diese eine Stunde! Und wenn Sie ordentlich recherchiert hätten, hätten Sie das gewusst, denn schließlich sprechen Lehrerverbände o.a. genau dieses Thema immer wieder an, und betonen, dass diese Mehrarbeit sowieso schon geleistet wird, auch wenn es die Gesellschaft nicht sieht, Sie mit eingenommen:
- Unterrichtsvor- und Nachbereitung
- Elterngespräche (telefonisch oder face2face)
- Zeugnisse (schauen Sie sich bitte den Umfang eines Zeugnisses eines Viertklässler an!)
- E-mails beantworten und Verfassen von Elternbriefen
- Lesenächte, Schullandheimaufenthalte, Klassen- und Schulfeiern
- Vor- und Nachbereitung (Korrektur) von Hausaufgaben
- Korrektur von Texten, die die Kinder zur Überarbeitung zurückbekommen, was manchmal ein ganzes Wochenende verschlingt;
- Entwerfen von Proben, die jedes Mal aufs Neue erfunden werden müssen und deren Korrektur (informieren Sie sich doch bitte, in welchem Ausmaß es sich hierbei in der vierten Klasse handelt)
- Jahrgangsgemischte Klassen
- offene Lernumgebungen
- Schülerbeobachtungen
- Förderpläne
- Inklusion
- Integration
- Digitalisierung
- verpflichtende Fortbildungen
- Zusammenarbeit mit Kindergärten und weiterführenden Schulen
- bis zu 29 Kinder mit unterschiedlichen Vorerfahrungen/Vorkenntnissen/Einstellungen/Gesinnungen, die am Ende ihrer Schulzeit unzählige Kompetenzen vorweisen sollten...
…nur um ein paar zu nennen.

Einiges davon machen wir nur den Kinder zuliebe und dass diese „Arbeiten" nicht gesehen und honoriert werden, ist einfach schade und demotivierend.

Wie Sie sehen, arbeiten wir also nicht nur 6 mal 45 Minuten pro Tag. Es gibt Tage, da sehe ich meine Kinder erst nach 17.00 Uhr, und oft sitze ich noch am Abend im Büro, um den nächsten Tag vorzubereiten. Ich bin oft sonntags in der Schule um vorzubereiten.

Und Sie maßen sich an, einen derart unfundierten Artikel zu veröffentlichen, wobei sie von Methodik und Didaktik der GS nur sehr begrenzt Ahnung zu haben scheinen?!

Und nun zum Schluss möchte ich Ihnen noch eine sehr wichtige Frage stellen:
Wenn unser Beruf angeblich so attraktiv ist und wir so oft frei haben, warum haben wir dann einen Mangel an Personen, die diesen Beruf wählen?
Vielleicht haben Sie ja die passende Antwort.

Stefan Graf

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13.02.2020

(Kommentieren mit einem Pseudonym ist nicht gestattet/Bei weiteren Fragen bitte Mail an moderator@augsburger-allgemeine.de)

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13.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär!

Ich betrachte diesen Artikel von einer ganz anderen Seite. Ich bin Mutter eines Erstklässlers, frau eines Lehrers und eine unterbezahlte Erzieherin. ;)

Als ich den Artikel gelesen habe musste ich zuerst schmunzeln, da ich dachte es handelt sich um einen sarkastischen Text. Am Ende stellte sich heraus, dass sie es durchaus ernst meinen.

Um einmal meinen Alltag zu betrachten.. mein Mann geht um kurz nach sieben aus dem Haus. (Er Unterricht die 4. klasse) bereitet dann sein Klassenzimmer vor, teilt Hausaufgaben auf und begrüßt die Kinder.
25 individuelle Charaktere möchte unterrichtet werden, wahrgenommen werden und individuell gefördert... das fordert nicht nur Zeit, sondern braucht viel Empathie und Grundwissen über verschiedene Didaktik und Liebe zum Beruf.

Um mal auf die Zeit einzugehen. Mein Mann hat immer bis 13 Uhr Unterricht (mittwochs AG bis 15:30h). Leider endet damit nicht sein Arbeitstag. Im Anschluss an die Schule werden Hausaufgaben korrigiert, Schulproben erstellt oder korrigiert, elterngespräche durchgeführt oder ganz lapidar Emails der Eltern beantwortet. Vor 16:30h sehen meine Kinder ihren Papa selten. Und wenn doch, dann arbeitet mein Mann abends wenn die Kinder schlafen.
Mit unter die zeitraubendste Zeit ist die, in der die Kinder ihr Zeugnis erwarten. Ich bitte sie, einmal das Zeugnis der Grundschule zu betrachten. Egal ob es lernentwicklungsgespräche sind, Oder geschriebene Zeugnisse. Dies sind alles unglaubliche zeitftesser, die jeder Lehrer gerne macht. Aber all das ist leider schlecht von ihnen recherchiert. Vllt täte ihnen ein gut fundiertes (längeres) Praktikum sehr gut um gewisse Einblicke zu erhalten.

Den Lehrern geht es allen nicht um diese eine Stunde mehr Arbeit. Das macht ein jeder wohl gerne. An was es nicht nur Herrn Piazolo fehlt, sondern auch ihnen ist Respekt und Wertschätzung.

Wenn ich mich auf ihr Niveau begeben würde, könnte man behaupten, dass sie wüssten was sie tun.(als ehemalige stellvertretende Redaktionsleitung) Aber anscheinend fehlt es ihnen nicht nur an Weitblick sondern auch an umfassender Recherche. ;)

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13.02.2020

Kurz und knapp: Ich lade Sie gerne ein, eine durchschnittliche Woche mit und bei mir, in meiner Klasse zu verbringen. 28. Achtklässler, mit natürlich unglaublicher Leidenschaft für Mathe und Deutsch...und da ich frisch aus der Elternzeit bin und auf 16 Stunden reduziert habe, müsste das für einen wirklich arbeitenden Menschen doch purer Erholungsurlaub sein.

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13.02.2020

Herr Bär hat sich offenbar weder ernsthaft mit dem Anliegen der Lehrer beschäftigt, noch hat er es geschafft, die tatsächliche Arbeitszeit oder das Gehalt eines Grundschullehrers richtig zu recherchieren.
Der Kommentar strotzt nur so vor Unwissenheit und Vorurteilen und ist ein Schlag ins Gesicht aller Lehrer/innen, die ihren Beruf ernst nehmen und gut machen.

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13.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär,

Ihr Kommentar macht mich schlichtweg gesagt sprachlos! Immerhin bezeichnen Sie Ihren Vergleich indirekt selbst als das was er ist: ungenau und populistisch. Hätten Sie genauer recherchiert, so wären Ihnen einige grundlegende Fehler gewiss nicht passiert. So hätten Sie sich beispielsweise jederzeit die aktuelle Besoldungstabelle der Beamten ansehen können. Dort hätten Sie auch alle Grundgehälter der Grund- und Mittelschullehrer/innen mit A12 nachlesen können.

Um Ihnen die Arbeit zu ersparen, möchte ich Sie gerne so berichtigen.

Ich bin eine Grundschullehrerin - ledig, kinderlos und erst im fünften Jahr nach dem Referendariat. Somit passe ich genau zu Ihrer Beschreibung. Zurzeit überweist mir die Staatsoberkasse Bayern monatlich genau 2997,59€. Für die von Ihnen angesprochene private Krankenversicherung bezahle ich monatlich 366,53€. Es bleiben also genau 2631,06€ übrig. Hinzu kommen für mich beispielsweise noch die Beträge für eine Dienstunfähigkeitsversicherung (keine Berufsunfähigkeit!) sowie eine gute Rechtschutzversicherung, die Dank der aktiven Juristerei vieler Eltern inzwischen häufig unumgänglich ist. Doch das ist natürlich freiwillig.

Rein finanziell sind wir also fast punktgenau bei demselben Gehalt, welches Sie einem Assistenzart zuschreiben. So viel also dazu. Informieren Sie sich in Zukunft bitte ordentlich, bevor Sie falsche Behauptungen aufstellen.

Nun zu Ihrer zweiten Behauptung: Die Wochenstundenzahl. Es ist korrekt, dass wir 28 Unterrichtsstunden mit je 45 Minuten arbeiten. Der Gesetzgeber berechnet allerdings für jede Unterrichtsstunde nochmal denselben Zeitaufwand für Vor- und Nachbereitung. Das macht - wie Sie gewiss nachgerechnet haben - eine wöchentliche Arbeitszeit von 42 vollen Stunden. In den Wochen vor den Zeugnisausgaben erhöht sich diese Stundenzahl stets auf etwa 55 volle Stunden pro Woche!

Bei Ihrer Berechnung fehlen außerdem die Stunden, welche wir für Sprechstunden mit Eltern, Absprachen mit Schulpsychologen und Beratungslehrkräften, Austausch mit Kolleginnen derselben Jahrgangsstufe, Schreiben von Schülerbeobachtungen, etc. nutzen (außerhalb der normalen Unterrichtszeit!).

Alles in Allem kommen wir - dank der Schulferien - auf eine gute wöchentliche Stundenzahl mit rund 40 - 45 Wochenstunden. Unser Glück ist es, dass wir nach Schulschluss (13 Uhr oder im Ganztag meist erst ab 16 Uhr) noch Home Office machen können. Unser Arbeitszimmer ist unser Büro, in dem wir meist bis spät abends noch an Korrekturen, Stundenplanungen, Herstellen von anschaulichen Materialien, etc. sitzen.

Gerade gestern ging ich um 6.30 Uhr aus dem Haus und fuhr zur Schule. Um 13.15 Uhr verließ ich die Schule (Pause 25 Minuten zwischen 10.00 und 10.25 Uhr wurde für ein intensives Lehrer-Schüler-Gespräch genutzt). Nach einer kurzen Mittagspause ging es um 14.00 Uhr mit einer Fortbildung zum Thema Lernstrategien weiter. Um 16.30 Uhr war ich dann Zuhause und nutzte die nächsten anderthalb Stunden für Vorbereitungen sowie die Korrektur einer Probe. Um 19 Uhr ging es dann mit einem Elternabend weiter, von dem ich um 21 Uhr zuhause war. Kurzum: von 6.30 Uhr bis 21.00 Uhr habe ich - abgesehen von einer Mittagspause - im Dienst verbracht und gearbeitet. Ein Tagespensum, dass häufiger mal vorkommt - und ich mache es gerne!!

Ich liebe meinen Beruf! Ich stecke gerne meine ganze Energie in die Arbeit - zum Wohle der Kinder! Im Gegenzug wünsche ich mir vor allen Dingen eines: Wertschätzung!

Ein wenig Respekt von Ihnen und all jenen, die so oberflächlich denken wie Sie! Wir wünschen uns Anerkennung und Wertschätzung, für das, was wir tagtäglich leisten.

Ich hoffe Sie lesen die Kommentare auch und nehmen es sich ein wenig zu Herzen.

Sollten Sie im Übrigen mal auf die Idee kommen, sich tatsächlich ein Bild von der harten Arbeit einer Grund- oder Mittelschullehrerin zu machen. Sie dürfen mich gerne mal für drei Wochen begleiten oder sich einfach nur mal einen Tag lang vor eine Klasse stellen und mit diesen so unterschiedlichen Kindern arbeiten.

Danke.

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13.02.2020

Sehr geehrter Herr Bär,

ich bin Lehrerin in einer Grundschule in Bayern und ich muss sagen ich bin absolut fassungslos über diesen missratenen Artikel! Allein von der Überschrift des Artikels wird mir schlecht. Sie haben ja keine Ahnung von was Sie da sprechen. Wenn Sie sich mit dieser Thematik ein bisschen mehr auseinandergesetzt hätten, wüssten Sie, dass es den meisten Lehrern nicht um die Mehrarbeit geht. Ganz und gar nicht. Das machen wir ohnehin schon jahrelang. Wissen Sie, dass Grund- sowie Mittelschullehrer auf Vollzeit, 28 statt 24 Stunden, wie es am Gymnasium der Fall ist, arbeiten und nicht annährend das gleiche Gehalt bekommen? Das ist nicht fair und darum geht es! Mag sein, dass wir gut verdienen, eventuell besser als in manch anderen Berufen, das will ich gar nicht leugnen, dennoch gilt freie Berufswahl für jeden. Und um diesen Beruf attraktiv zu gestalten, nicht nur für Frauen, ist ein gutes Gehalt ein „Muss“. Gerade in unserer aktuellen Lage in Bayern. Ich habe derzeit 22 Schüler- und Schülerinnen zu betreuen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dennoch versuche ich jeden Tag, jeden Schüler in seinem Lernprozess auf die nächste Ebene zu bringen. Durch die veränderte Kindheit, Inklusion, Migration und stetig wachsende Dokumentationsflut sitze ich teilweise bis spät abends in meinem Klassenzimmer. Allein die Nacharbeit, Vorbereitung Dokumentation schlucken schon den Nachmittag. Wenn dann noch schulische Veranstaltungen und Elterngespräche hinzukommen sitze ich bis teilweise bis 21:00 Uhr in der Schule, da ich nicht Zuhause arbeite. Hinzukommen die schulischen Aufgaben, die sich mit der der Zeit auch erheblich verändert haben. Dieses Schuljahr habe ich nämlich auch noch die Systembetreuung (Informatik, Medien, Homepage) der Schule zugewiesen bekommen. D.h. ich habe nebenbei mir auch noch das Codieren beigebracht.
Danke hier für Ihre nicht vorhandene Wertschätzung und null fundierte Recherche. Sie sind hiermit ganz herzlich eingeladen mal einen Tag in meiner Klasse zu unterrichten und mitzuerleben. Ich bin gespannt, ob Sie danach auch noch so einen Mist schreiben würden. Setzen…sechs…Herr Bär!

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13.02.2020

Wieso sollte man aus dem Vergleich mit dem Asisstenzarzt schließen, dass die Lehrkräfte weniger Geld verdienen (und bei Mehrarbeit zu gleichem Gehalt handelt es sich de facto um eine Gehaltskürzung)?
Assistenzärzte leisten eine unglaubliche Arbeit, die oft weit über die hier veranschlagten 40 Stunden geht. Diese Überbelastung wirkt sich auch bei Ärzten auf die Versorgung der Patienten aus und schadet damit sowohl den Ärzten als auch den Patienten.
Eine ähnliche Situation ist -- neben der bodenlosen Freichheit und dem absoluten Mangel an Wertschätzung, die diese Maßnahmen darstellen -- bei Lehrkräften auch zu befürchten. Lehrkräfte haben mit Inklusion, Eingliederung von Schüler*innen, die noch nicht sehr gut Deutsch sprechen, Auffangen des Lehrkräftemangels, Betreuung von viel zu großen Schulklassen, ... schon mehr als genug auf der Kappe -- ein Überstundenkonto hilft natürlich eh nicht dabei, diese Aufgaben besser zu erfüllen.

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13.02.2020

(Beitrag temporär gelöscht/Bitte geben Sie Ihren Vor und Nachnamen an/durch Wahl der entsprechenden Option können Sie Ihren Nachnamen auf den ersten Buchstaben abkürzen. Bitte Mail an moderator@augsburger-allgemeine.de)

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13.02.2020

Nein, ich bin kein Lehrer.
Aber ich kenne einige. Keiner dieser Lehrer hat sich je über seine eigentliche Arbeit beschwert, hätte sich nicht geweigert Mehrarbeit zum Wohle der ihnen anvertrauten Kinder zu leisten. (Integrationsarbeit, Inklusion...)
Die , die ich kenne, beschweren sich wegen der permanenten erhöhten Verwaltungsarbeit, der mangelnden Unterstützung gegenüber den Eltern, die ja immer mehr den Lehrer als Dienstleister betrachten, den man ja mal verklagen kann, wenn das eigene Gör den Übergang ins Gymansium nicht schafft.

Unsere Eltern, mit ihrer "Abgabementalität" sind ein Problem.
Die Verwaltung ist ein Problem.
Die maroden Schulen sind ein Problem.

Und hier sollte man als Lehrer schon mal auf den Tisch hauen können, um einfach aufzeigen zu können, wie gnadenlos schlecht das Kultusministerium arbeitet!

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