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Comedy

08.09.2019

Michael Mittermeier: Der Humorpopulist schlägt zurück

Michael Mittermeier überzeugte viele Besucher in Kaltenberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Michael Mittermeier präsentiert auf Schloss Kaltenberg sein Programm. Vor allem im ersten Teil begeistert er das Publikum.

„Wann kommen endlich die Ritter?“, fragte sich Michael Mittermeier angesichts seines nicht alltäglichen Auftrittsortes in der großen Arena zu Schloss Kaltenberg. Die edlen Recken sind dort allerdings schon Ende Juli abgezogen, doch der Stand-up-Comedian aus dem Oberbayerischen ist durchaus in der Lage, zumindest verbal eine scharfe Klinge zu führen. Das tat er mit seinem aktuellen Programm „Lucky Punch – Die Todeswuchtl schlägt zurück“ beim Open Air unserer Zeitung dann auch.

Michael Mittermeier versteht es, den Finger in die Wunde zu legen

Trotz der eher herbstlichen Temperaturen in feinem Zwirn gekleidet („Heute hätte ich lieber eine Bomberjacke an“), war Mittermeier sofort auf Betriebstemperatur. „Das Lachen unterscheidet uns von den Terroristen“ setzte er einen Marker und deutete an, dass er in der Lage und Willens ist, die Dinge mutig beim Namen zu nennen. Ergo geht es „sehr schnell um den eigenen Arsch“, wie er am Beispiel der Engländer, dem Brexit und dem „kleinen, dicken, bockigen, unsympathischen Kind“, dem englischen Premierminister Boris Johnson, erklärt.

Der Oberbayer ist zwar kein politischer Kabarettist vom Schlage eines Dieter Nuhr, versteht es aber, immer wieder bei aktuellen Themen die Finger in die Wunde zu legen, ohne ständig die Grenze zum Klamauk zu überschreiten. Natürlich dürfen Sprüche zur jungen, nachfolgenden Generation nicht fehlen, etwa: „Die Elfjährigen von heute wissen nicht, dass der Vorname von Goethe nicht Fuck You ist.“ Und auch die katholische Kirche muss angesichts des Missbrauchsskandals Mittermeier’sche Spitzen hinnehmen. „Ein Nikolaus kann heute zu Kindern nicht mehr sagen: ,Wer will meinen Stab halten?‘“

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Mittermeier war immer dann stark, wenn er improvisierte

Das Publikum reagierte begeistert, fühlte sich vor allem in der ersten Hälfte des Programms glänzend unterhalten. Im zweiten Durchgang landete das Programm dann doch zu oft unterhalb der Gürtellinie. Stefan Vierschlager aus der Nähe von Neu-Ulm war großer Mittermeier-Fan. Zu dessen Anfangszeiten, doch dann sank die Begeisterung. Der heute gereifte Comedian habe ihn jedoch wieder überzeugt: „Live ist er wesentlich besser als im Fernsehen.“

Tatsächlich war Mittermeier immer dann stark, wenn er improvisierte und spontan auf das Publikum reagierte. Als nach wenigen Minuten ein paar Tropfen fielen und Plastikumhänge verteilt wurden, überbrückte er die Zwangsunterbrechung auf seine Weise: „Das ist die geilste Optik, die ich von der Bühne aus je hatte: lauter in Kondome gehüllte Zuschauer.“

Mittermeier bezeichnet sich selbst als „Humorpopulisten“

Beifall bekam an diesem Abend aber nicht nur der Kabarettist. Spontaner Applaus brandete schon auf, bevor Mittermeier überhaupt losgelegt hatte. Und zwar für die vielen Zustellerinnen und Zusteller unserer Zeitung, die einen gemeinsamen Ausflug nach Kaltenberg gemacht hatten. „Ohne Sie wäre unser Job als Journalisten ziemlich sinnlos, weil unsere Artikel ja gar nicht erst bei den Lesern ankommen würden“, sagte Michael Stifter, Mitglied der Chefredaktion, zur Begrüßung und dankte den Kolleginnen und Kollegen. Dass es in diesen Artikeln gerade häufig um Populisten geht, passte gut zu Mittermeiers Programm.

Schließlich bezeichnet er sich selbst als einen „Humorpopulisten“. Stifters Vermutung, dass vor dem schlagfertigen Bayern insgeheim selbst Donald Trump bisweilen zittert, nahm Mittermeier natürlich sofort auf, räumte aber unumwunden ein, dass er ein Duell mit dem amerikanischen Präsidenten wohl kaum gewinnen würde: „Man muss neidlos anerkennen, wenn einer der bessere Komiker ist.“

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