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WWF-Studie

07.02.2020

Mikroplastik im menschlichen Körper - wie gefährlich ist das?

Der viele Plastikmüll macht Umwelt- und Naturschützern sorgen. Sie fordern von der Politik strengere Regulierungen.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa

Plus Die winzigen Partikel finden sich nicht nur in den Weltmeeren - sondern auch im menschlichen Körper. Eine Professorin erklärt, wie die Teilchen dorthin kommen.

Die Vorstellung ist nicht gerade appetitlich: Pro Woche isst jeder Mensch im Durchschnitt eine Kreditkarte. Herausgefunden haben das australische Forscher. Sie stellten fest, dass Menschen wöchentlich bis zu fünf Gramm Mikroplastik aufnehmen – und das entspricht eben dem Gewicht einer Kreditkarte.

Die Studie, die der WWF in Auftrag gegeben hatte, macht einmal mehr deutlich: Plastikpartikel treiben längst nicht nur durch die Weltmeere, sondern werden auch durch unsere Körper gespült. Und man kommt nicht umhin, sich zu fragen: Wie gelangt all das Plastik in uns hinein? Und wie gefährlich ist das eigentlich?

So gelangen Mikroplastik-Teilchen über das Trinkwasser in den Menschen

Eine, die sich mit diesem Thema beschäftigt, ist Universitätsprofessorin Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg und UNIKA-T, dem universitären Zentrum für Gesundheitswissenschaften. „Es gibt viele Wege, über die die winzigen Plastikpartikel in den menschlichen Körper kommen“, sagt sie. Zum Beispiel über Medikamente oder Kosmetik. Wenn etwa in einem Duschgel winzige Plastikteilchen enthalten sind – zum Beispiel in Peelings – gelangen sie über den Abfluss irgendwann ins Trinkwasser.

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Sogar das Plastik im Kunstrasen kann im Menschen landen, nämlich dann, wenn es vom Regen in den Boden gewaschen wird und so ebenfalls ins Trinkwasser kommt. Spielsachen indes, die ja oft aus Plastik hergestellt werden, spielten bei der Mikroplastikbelastung des Menschen keine große Rolle, sagt Traidl-Hoffmann. „Das Problem bei Spielsachen ist nicht, dass man Mikroplastik aufnimmt, sondern andere Substanzen wie Weichmacher oder Phthalate“, sagt sie. Und dieses Risiko dürfe man nicht unterschätzen. Zwar gebe es Regularien – die würden allerdings nicht immer ausreichend überprüft, sagt die Wissenschaftlerin.

Dass gerade Kinder oft mit Weichmachern belastet sind, hat auch eine Langzeitstudie belegt. In einer bisher unveröffentlichten Untersuchung des Umweltbundesamtes und des Robert-Koch-Instituts, über die der Spiegel berichtet hat, wurden Urinproben von 2500 Studienteilnehmern zwischen drei und 17 Jahren ausgewertet. Das Ergebnis: In fast allen Proben wurden Rückstände von Plastikinhaltsstoffen gefunden, insbesondere von Weichmachern.

Wie gefährlich ist Mikroplastik für den menschlichen Körper?

Wie gefährlich Mikroplastik für den menschlichen Organismus ist, das sei noch nicht ausreichend erforscht, sagt Traidl-Hoffmann. Ganz generell aber sei es so, dass verschiedenste Partikel im Körper entzündungsfördernd sein können. Mikroplastik, so die Wissenschaftlerin, könnte möglicherweise zu ähnlichen Zellreaktionen führen. „Um das genau zu verstehen, ist noch viel Forschung nötig.“ Die große Angst sei natürlich auch immer, dass Mikroplastik krebserregend ist. Ob das tatsächlich der Fall ist, das könne man derzeit nicht beantworten, sagt Traidl-Hoffmann. „Aber ausschließen kann man das nicht.“ Bei vielen Erkrankungen wie etwa Krebs sei es das Zusammenwirken mehrerer Ursachen und Umweltfaktoren, erklärt die Umweltmedizinerin weiter.

Auch die australischen Forscher, die errechnet haben, wie viel Mikroplastik jeder Mensch pro Woche zu sich nimmt, haben sich mit den Folgen der weltweiten Plastikverschmutzung beschäftigt. Langzeitauswirkungen auf den menschlichen Körper sind den Wissenschaftlern zufolge bisher aber noch nicht gut dokumentiert. Studien hätten jedoch gezeigt, dass das Einatmen von Plastikfasern ab einem bestimmten Expositionsniveau leichte Atemwegsentzündungen auszulösen scheine. Bei Meerestieren könnten höhere Konzentrationen von Mikroplastik im Verdauungssystem und in den Atemwegen zu einem frühzeitigen Tod führen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Mikroplastik in der Umwelt vermeiden - diese Maßnahmen schlagen Umweltverbände vor

Um Plastikmüll zu vermeiden, schlagen Umweltverbände drastische Maßnahmen vor. Über strikte Regulierung und Verbote müssten Kunststoffproduktion und -verbrauch massiv reduziert werden, forderten Verbände wie der BUND, Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe am Mittwoch in Berlin. Zu dem Forderungskatalog an die Bundesregierung zählt eine Abgabe auf besonders umweltschädliche Einwegartikel wie Plastiktüten, Einwegplastikflaschen und Coffee-to-go-Becher.

Die Umweltverbände verlangten außerdem Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gewichtsreduzierungen bei Kraftfahrzeugen bis hin zu einem SUV-Verbot, um den Reifenabrieb zu reduzieren. Denn auch durch den fallen jedes Jahr tausende Tonnen Mikroplastik an. Und das landet dann in unserem Körper, etwa fünf Gramm pro Woche. So viel wie das Gewicht einer Kreditkarte. (mit dpa)

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