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Katholische Kirche

25.09.2018

Missbrauchsfälle in der Region: So reagiert das Bistum Augsburg

Das Bistum Augsburg hat am Mittwoch Stellung zu den Ergebnissen der Missbrauchsstudie bezogen.
Bild: Ulrich Wagner

Auch für das Bistum Augsburg wurden bei der Missbrauchsstudie im Auftrag der Katholischen Kirche Ergebnisse erhoben. Was der Bischof sagt.

Die Katholische Deutsche Bischofskonferenz hat am Dienstagnachmittag auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda die von ihr in Auftrag gegebene Studie zum Missbrauchsskandal der Kirche vorgestellt. Welche Daten die Studie für die Region erhoben hat und zu welchen Ergebnissen sie gekommen ist, darüber informierte das Bistum Augsburg ebenfalls am Dienstag.

Bistum Augsburg nimmt Stellung zu Missbrauchs-Studie

Für den Bereich des Bistums Augsburg haben die Macher der Studie insgesamt 1483 Personalakten von Kirchenangehörigen sowie weitere Dokumente gesichtet, die teils bis ins Jahr 1946 zurückgehen. Darin werden 85 Geistliche beschuldigt, sexuelle oder körperliche Gewalt angewendet zu haben. Laut der Untersuchung gibt es im Bistum 164 Missbrauchsopfer. Bundesweit gab es laut der Studie 1670 Beschuldigte und 3677 Missbrauchsopfer.

 

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Dabei ergab die Studie für das Bistum Augsburg ähnliche Tendenzen wie sie auch bundesweit festgestellt wurden: Unter den vom Missbrauch Betroffenen waren etwa zwei Drittel der Opfer Jungen und ein Drittel Mädchen. Rund die Hälfte der Opfer war beim ersten Missbrauch 13 Jahre alt oder jünger.

Missbrauchs-Studie: Das sind die Zahlen für das Bistum Augsburg

Bis Ende vergangenen Jahres haben 65 der 164 Missbrauchsopfer einen Antrag auf Entschädigung gestellt. An sie hat das Bistum Augsburg bis dahin 437.000 Euro zur Anerkennung des erlittenen Leids gezahlt sowie 40.000 Euro Therapiekosten übernommen.

Von allen Fällen im erfassten Zeitraum der Studie im Bistum Augsburg wurden 30 an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Neun Beschuldigte wurden verurteilt, doch Haftstrafen gab es keine.

Gegen 14 noch lebende Geistliche hat die Katholische Kirche zudem kirchliche Strafdekrete erlassen. Sie erhielten etwa Kontaktverbote zu Kindern, wurden aus ihrer priesterlichen Tätigkeit herausgenommen oder gleich emeritiert. In manchen Fällen durften sie nur noch privat Gottesdienste halten. Von den 85 Beschuldigten wurden vier Priester, vier Diakone und zwei Ordensbrüder aus dem Bistum Augsburg in andere Bistümer versetzt.

Augsburger Bischof reagiert betroffen auf die Missbrauchsfälle

Auf die Ergebnisse der Missbrauchsstudie reagierte der Augsburger Bischof mit Betroffenheit. Die Studie habe sich als erschreckende Bilanz furchtbarer Vergehen von Jüngern und Jüngerinnen Jesu Christi an Kleinen und Schutzbedürftigen erwiesen, schreibt er in einem Brief an Kleriker, Diakone, Religionslehrer und Bistumsmitarbeiter. Was nun ans Licht gekommen sei, „macht sprachlos – und gerade deshalb dürfen wir nicht schweigen“.

Bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals müsse das erste Augenmerk den Opfern gelten: "Was sie als Kinder und Jugendliche durch Übergriffe, körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch durch Kleriker erlebt haben, können die meisten von uns sich gar nicht vorstellen."

Und weiter: „Ja, ich schäme mich für die Mitbrüder und für unser Bistum, in dem so etwas auch möglich war“. Zdarsa räumt Versäumnisse in der Aktenführung ein sowie, dass in der Vergangenheit die „Zuständigen auf verschiedenen Ebenen bisweilen nicht mit dem gebotenen Verantwortungsbewusstsein“ kriminelle Handlungen geahndet hätten. (wida/zian)

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