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München
31.07.2016

Andreas Gabalier scheitert im größten Triumph nur an sich selbst

Andreas Gabalier war in München zu Gast.
Foto: Felix Hörhager/dpa

Andreas Gabalier gab in München sein Rekord-Konzert und begeisterte dabei mehr als 70.000 Zuschauer. Doch nicht nur ein Tonausfall trübte den Auftritt.

Nein, es lag nicht am Komplettausfall der Tonanlage, der die Show minutenlang lahmlegte, als Andreas Gabalier mit seinem Hit „I sing a Liad für di“ gerade erst so richtig in Fahrt kam. Das wirkte zwar ziemlich albern, weil er und seine Band die Musik ja noch über ihre Ohrstöpsel hörten und sich also samt dem lederbehosten Hüftkreisen des Steirers nach Leibeskräften abzappelten, während die 71.300 Zuschauer bloß noch eine unfreiwillig komische, stumme Slapstick-Nummer ihres Stars hinzunehmen hatten. Aber, so dröhnte der kurz darauf: „Eh wuaschd!“ Legte also nach kurzem, genervtem Bühnenabgang halt von vorn los, mit demselben Song, der wie sein Party-Ohrwurm „Hulapalu“ ja sowieso zum Ende des dreistündigen Konzerts noch mal wiederholt wurde, weil er eben für Maximal-Stimmung sorgt.

Und nein, es lag auch nicht am prekär gewordenen Termin, dass die Krönung des atemberaubenden Aufstiegs von Andreas Gabalier ins Wackeln kam. An diesem Wochenende waren in München zwar wegen des Trauerns um die Opfer des Amoklaufs im Olympia-Einkaufszentrum alle Großveranstaltungen abgesagt worden – aber dass der Volks-Rock’n’Roller seine Rekord-Sause gleich nebenan am Samstag trotzdem feierte, passt ja zur Charakteristik des Fachs.

Der Schlager, zu dem dessen Bastard aus Rock, Austro-Pop und Volkstümlichem gehört, blickt ja stets befremdet auf die komplexe Gegenwart und feiert das private, weltabgewandte Idyll umso inbrünstiger. So wäre Gabalier mit den Sätzchen, die er eingangs zur störenden Wirklichkeit sagte, auch da relativ unwackelig rausgekommen: „Traurige Ereignisse … Schön, dass ihr trotzdem alle da seid’s … Wir stehen doch für das Gute, oder?“ Und rumptata!

Die 70.000 Fans sind beim Konzert begeistert von Andreas Gabalier

Und so wäre es dabei geblieben, einmal mehr und nun in bislang nie dagewesenem Maße mitzuerleben, was den 31-Jährigen so erfolgreich macht. Vor knapp drei Jahren, es war seine erste Deutschland-Tour und draußen wartete eine ausverkaufte Kemptener BigBox, prophezeite er in Jeans und mit Baseball-Cap hinter der Bühne, dass das erst der Anfang der Bewegung der „Volks-Rock’n’Roller“ sei – mit E-Gitarre zu Dirndl und Lederhosen. Jetzt, nach gerade mal sieben Jahren als Musiker, sitzt er, seine Marke auf die Wade tätowiert, dort, wo sonst nur Weltstars und Helene Fischer Hof halten, vor vergleichsweise bescheidener Bühne, die ihn aber doch riesig genug zum Superman stilisiert, und ruft ins Riesenoval: „Hier sitzt kein Superstar, sondern ein einfacher steirischer Bauernbua!“ Und alles jubelt.

Und alles singt selig wie im Oktoberfestzelt mit ihm „Bergbauernbuam“ und „Fesche Madln“, ein bisschen frivol „Die Beichte“, heimatselig „Steirerland“, wo die Welt halt noch in Ordnung ist; gleichgültig, dass das Jerry-Lewis-Cover „Great Balls of Fire“ seine Gesangsdefizite unüberhörbar werden lässt, gleichgültig auch gegenüber Stilblüten wie „Wenn ein kunterbunter Regenbogen dir zu Füßen liegt“ (in der Ballade „Verliebt, verliebt“); dafür zu Tränen bewegt beim abschließenden „Amoi segma uns wieder“, das er im Gedenken an Schwester und Vater schrieb, nachdem beide Selbstmord begangen hatten. Und wahrscheinlich werden die über 70.000 darum auch wieder kommen, wenn im nächsten Jahr, am 1. Juli, gleich das nächste Konzert hier im Olympiastadion ansteht. Das Rezept steht, der Erfolg wächst.

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Andreas Gabalier wackelt

Es wackelt Gabalier selbst. Muss doch noch was sagen zur „schwierigen Zeit“ und „den großen Herausforderungen“, vor denen „eigentlich so fröhliche Länder wie Österreich und Deutschland“ stünden. Vor Monaten wurde er kritisiert, weil er sich für FPÖ-Mann Strache eingesetzt hatte. Jetzt präsentiert er sich als „gestandener junger Mann aus der Steiermark“, der „auch mal aneckt und sagt, was er denkt“, während sich viele andere von der Öffentlichkeit weichspülen ließen.

Er singt im Lied „A Meinung haben“: Wos is des bloß, / wo kummt des her / neue Zeit, neues Land / wo führt des hin? // Wie kann des sein / dass a poar Leut / glauben zu wissen, / wos a Land so wü. // Is des der Sinn einer Demokratie? / Dass ana wos sogt und die andern san stü. // A Meinung ham, dahinter stehn; / den Weg vom Anfang zu Ende gehen …“ Er ruft ins Volk: „Schöner mit Ecken und Kanten durchs Leben als ohne eigene Meinung.“ Und sagt dann: „Alles, was ich jetzt sagen will, sag ich lieber nicht – weil ich auf euch aufpassen muss.“ Sagt also: nichts. Raunt nur.

Aber als es dann auf die übliche Sperrstunde von 23 Uhr zugeht, raunzt er dafür: „Dass dieses Land politisch den Bach runtergeht“, das sei ja kein Geheimnis mehr – aber dass man hier nicht mehr einfach bis 23 Uhr feiern dürfe, weil er ständig über Ohrstöpsel des baldigen Endes gemahnt werde, das sei doch ein Skandal. So zeigt sich einmal mehr, dass, was die Frage der Größe eines Künstlers angeht, zwar das Format eine Rolle spielt – aber eben nicht das der Stadien seiner Konzerte. Oder: „Eh wuaschd“?

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.08.2016

In jedem Falle sollte sich ein Künstler aus der Politik heraushalten! Es sind doch immer subjektive Meinungen, oft von Null Ahnung geprägt. Ob es sich um Xavier Naidoo oder Andreas Gabalier handelt--

sie sollen ihre Musik machen und gut. Auf keinen Fall die Bühne als Forum nutzen um sich selbst auch als Meinungsmacher darzustellen, obwohl das sicher sehr verführerisch ist. ( dDa fällt mir gerade Till Schweiger ein---sehr grenzwertig)

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09.08.2016

Künstler haben wie jeder andere das Recht auf freie Meinungsäußerung. Bedauerlich finde ich nur, daß jeder Schwachsinn von einigen auch geruckt oder verbreitet wird.

Für mich hat Till Schweiger die Grenzen schon weit überschritten.

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05.08.2016

Herr Schütz, weigern Sie sich bitte in Zukunft zu solchen Events gehen zu müssen, wenn Sie Schlagerhasser sind.

Ihr Artikel läßt jede Objektivität vermissen !

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02.08.2016


Wolfgang Schütz, Herr Behringen, ist ein ausgezeichneter Journalist, dessen Artikel ich immer mit Genuss und Gewinn lese, auch wenn ich nicht immer seiner Meinung bin.

Richtig ist, dass hier mit Sicherheit kein Gablier-Fan schreibt. Und folgerichtig findet ein solcher in Herr Schütz Berichterstattung nicht das, was er eigentlich sucht - die glückselige Nachbetrachtung einer Veranstaltung, die ihn selbst ins Schwelgen gebracht hat.

Jetzt stellt sich die Frage ob guter Journalismus verpflichtet ist, zu einem Konzert einen mit dem Künstler sympathisierenden Berichterstatter abzustellen.

Ärger erspart man sich damit allemal. Protest kommt immer nur nach als abschätzig empfundenen Besprechungen..

Nun bin ich der Meinung, dass man davon wegkommen muss, von Künstlern auch eine politische Haltung zu erwaren - noch dazu am Besten die richtige.

Nur weil jemand auf der Quetschn spielen und nette eingängige Liadln komponieren kann, sich selbst als Volksrocknroller stilisiert und einen neuen Enthusiasmus für Volkstum und Trachtenbekleidung ausgelöst hat, an dem er sehr gut mitverdient, muss er noch keine adäquaten Kenntnisse vom politischen Tagesgeschäft haben und dazu profunde Aussagen machen, im Gegenteil dürfte er auch ganz legitim sagen: Is mir ois wurscht.

Nur sollte er dann eben auch die Klappe halten. Ein paar Worte zum Attentat ließen sich wohl nicht vermeiden, mussten sein, nachdem man die Veranstaltung ja durchziehen wollte, obwohl gleichzeitig andere abgesagt wurden, auch wenn sie so platt daherkommen wie die von ihm gemachte Ansage.

Aber alles weitere sollte er sich dann bitte sparen.

Tut er es nicht, muss er sich Kritik gefallen lassen. Wenn die offenbar mit seiner Einstellung und seinen flachen Begründungen dazu einverstandenen Fans sich dann auf Schlips und Zehen getreten fühlen, kann man es auch nicht ändern.

Seicht ist nunmal ganz offenbar nicht nur das Liedgut von AG - so smart er auch rüberkommt, so gut er sich verkauft.

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02.08.2016

Bei genauem Durchlesen des Artikels stellt sich dem aufmerksamen und unabhängigen Leser die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer derartigen Berichterstattung. Ist der Verfasser des Artikels ein Journalisten-Neuling oder ein absoluter Gabalier-Hasser?!? Dies ist keine Konzertkritik, sondern ein sarkastisch-satirisch anmutender Kommentar, wie er in einer fünftklassigen Schmuddelzeitung stehen könnte - nicht jedoch in einer der führenden Tageszeitungen Deutschlands. Auch wenn es nur Online sein sollte.....

Wenn ein Journalist der Süddeutschen Zeitung einen derartigen Artikel verfassen würde, dann bräuchte dieser am darauffolgenden Tag in der Redaktion nicht mehr auftauchen und könnte seine Sachen definitiv packen.

Leider muss ich als aufmerksamer Leser der Augsburger Allgemeinen und journalistisch sehr aktiver Kollege vermehrt feststellen, dass die journalistische Qualität der Zeitung zusehens abnimmt. Nun stellt sich die Frage, ob dies an der künftigen Journalistengeneration liegt oder an einer "negativen" Neuausrichtung der Augsburger Allgemeinen....

Meiner Meinung nach sollten hier die redaktionellen Verantwortlichen wieder mehr Wert auf seriöse und wertfreie Berichterstattung legen und derartige Kollegen (böse formuliert) "entsorgen"!!!

Ich hoffe im Sinne der vielen seriösen Journalisten in unserem Lande, dass dieser Schmuddeljournalismus nicht fortgesetzt wird - es wäre doch schade für die gute "alte" Augsburger Allgemeine. Da würde sich ein Herr Holland im Grab umdrehen!

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05.08.2016

Gute "alte" Augsburger Allgemeine? Kann ich nicht nachvollziehen!! Ein Sprachrohr unter vielen der Regierung!

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01.08.2016

Dieser Bericht hat mit dem eigentlichen Konzert und der guten Stimmung nichts zu tun. Das Konzert war spitzenmäßig. Die Getränkeversorgung nicht, zumindest am Anfang. Aber dennoch war es ein tolles Erlebnis. Und ja, jeder darf seine Meinung sagen. Es ist sogar wichtig und steht für unsere Demokratie.

Das Konzert war ein voller Erfolg und dieser Bericht spiegelt eine Meinung wieder, die von sicherlich mehr als 70000 Besuchern nicht wiedergegeben werden kann.

Sollen wir uns alle verstecken? Nein, mit Sicherheit nicht. Trauern? Ja natürlich. Der ganze Terror in dieser Welt ist schrecklich. Wir können nur nach Lösungen suchen.

Ich frage mich ernsthaft, was Herr Schütz mit diesem Bericht bezwecken möchte? Die Bayern sind ja mit der Politik von Frau Merkel besonders zufrieden.... Warum ist es dann für Künstler verboten, den Finger in die Wunde zu legen? Ich finde es gut, dass es Länder wie Bayern gibt, die auch mal den Mund aufmachen.

Achso, dass ein Star noch eine viertel Stunde nach einem Konzert mit den Fans auf der Bühne steht, ist normal. Muss nicht erwähnt werden? Meine anderen Konzerte im Olympiastadion liefen bisher anders.

Nochmal...das Konzert war super. Hat wahnsinnig Spaß gemacht und es bringt meiner Meinung nach nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir müssen an das Gute im Leben glauben.

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