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München
10.01.2014

Das Fallbeil der Geschwister Scholl ist noch vom Blut getränkt

Die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl wurden offenbar mit diesem Fallbeil hingerichtet.
Foto: Walter Haberland, dpa

Die Geschwister Scholl wurden mit der Guillotine hingerichtet. Lange galt das Fallbeil als verschwunden. Doch Recherchen haben etwas anderes ergeben. Und es gibt grausige Indizien.

Sophie Scholl ging ohne äußeres Anzeichen von Angst zu ihrer Hinrichtungsstätte. Ihr Bruder Hans machte es ihr nach und rief "Es lebe die Freiheit." Er habe niemals  solch unbeugsame Menschen zu seinem Fallbeil kommen sehen, soll der Henker der Geschwister Scholl, Johann Reichhart, später gesagt  haben. Seine über Jahrzehnte verschollen geglaubte Guillotine ist  nun wieder aufgetaucht - und könnte bald öffentlich gezeigt werden.

Lange war geglaubt worden, die Guillotine, mit der die Mitglieder  der Widerstandsgruppe Weiße Rose und hunderte weitere Menschen von  den Nationalsozialisten hingerichtet worden waren, sei spurlos verschwunden. In den Wirren am Ende des Zweiten Weltkriegs war das  Fallbeil ins niederbayerische Straubing gebracht worden. Dort hieß  es dann, das Mordwerkzeug der Nazis sei in der Donau versenkt  worden.

Suche nach Fallbeil im Fluss

Doch spätere Suchaktionen in dem Fluss blieben erfolglos - und  tatsächlich nahm das als Erinnerungsstück an die Brutalität der  NS-Justiz bedeutsame Fallbeil wohl einen ganz anderen Weg. Die  Guillotine wurde wohl von Straubing ins Gefängnis von Regensburg gebracht, sagt Sybe Wartena, Referent für Volkskunde im Bayerischen  Nationalmuseum in München. Und von dort wurde es 1974 an das  Nationalmuseum übergeben, das zu den großen europäischen Museen zählt.

Nur ein einziges Mal bekam die Öffentlichkeit in den vier  Jahrzehnten das Fallbeil zu sehen. Das war 1980 in einer  Ausstellung über den Komiker Karl Valentin. Damit sollte daran  erinnert werden, wie Valentin 1934 in seinem Panoptikum eine  Hinrichtungsszene nachstellte und dies von den Nationalsozialisten  unterbunden wurde - dass es sich um das Fallbeil handelte, mit dem  die Geschwister Scholl getötet wurden, erfuhren die Betrachter  damals nicht.

Hinrichtung der Geschwister Scholl: Es dauerte nur Sekunden

Allerdings gab es schon seit längerem auch im Museum Gerüchte, es  handle sich um das bei der Hinrichtung der Widerstandskämpfer am  22. Februar 1943 eingesetzte Gerät, berichtet Wartena. Nach eineinhalbjähriger Recherche ist er nahezu sicher, dass dem so ist.  Das wichtigste Indiz: Henker Reichhart hatte zum Zeitsparen an seiner Guillotine das übliche Kippbrett abmontiert - und dies ist auch bei der nun gefundenen Guillotine der Fall.

Statt dass die Delinquenten zunächst über mehrere Minuten festgeschnallt wurden und dann in die Hinrichtungsposition gekippt  wurden, ließ Reichhart sie einfach von seinen Helfern packen und  unter das Fallbeil legen. Danach dauerte es nur Sekunden, bis er  den Mechanismus auslösen konnte und das etwa 15 Kilo schwere Messer  seine Opfer köpfte.

Guillotine verwittert durch das Blut

Und noch ein weiteres, makaberes Indiz spricht dafür, dass es sich um das Fallbeil aus dem Münchner Gefängnis Stadelheim handelt. In  den bayerischen Gefängnissen wurden nirgendwo mehr Hinrichtungen  vollzogen als in Stadelheim - und die Abnutzung sei deutlich zu  sehen, sagt Wartena. "Es ist richtig verwittert durch das Blut und  das regelmäßige Reinigen vom Blut." Mit bloßen Auge sei an vielen Stellen noch Blut zu sehen. Wegen dieser intensiven Spuren erwägt  das Museum sogar, einen Gen-Vergleich mit der DNA der Geschwister Scholl zu machen, sagt der Museums-Referent.

Die Grausamkeit, die sich durch die Blutspuren offenbart, führe  aber auch zu hohen Ansprüchen an die mögliche Ausstellung der Guillotine in der Öffentlichkeit, sagt Wartena. Das Fallbeil solle  nicht makaber wirken, sondern könne und solle bei seinen  Betrachtern intensive Empfindungen auslösen.

Wo das Fallbeil ausgestellt wird, ist noch offen. Interesse an  einer Ausstellung hat laut Wartena das Haus der bayerischen Geschichte. Aber auch andere Orte wie das Münchner Stadtmuseum oder das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg kämen  sicher in Frage. afp

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